Atommüll, Fukushima und die strahlende Kartoffelscheune

Es ist sicher kein Oskar-verdächtiges Meisterwerk, dieser kleine Kurzfilm mit dem einprägsamen Titel „Atommüll, Fukushima und die strahlende Kartoffelscheune“, aber ein Blick lohnt sich. Mit dem kreativen Film wollen Umweltschützer von Greenpeace auf die Gefahren und Risiken, die mit dem erneut anstehenden Castortransport ins Zwischenlager Gorleben verbunden sind, aufmerksam machen.

Erst kürzlich hat der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander ihn genehmigt: Den nun schon 13. Castor-Transport – angesetzt für den 24. November – aus der französischen Aufbereitungsanlage La Hague in Frankreich in das umstrittene Zwischenlager Gorleben in Deutschland. Insgesamt elf Castoren, beladen mit 120 Tonnen hoch radioaktivem Atommüll rollen quer durch Mitteleuropa. In La Hague wird deutscher Atommüll aufbereitet, wobei Plutonium von anderen hochradioaktiven Stoffen abgetrennt wird. Der entstehende Abfall wird zurück nach Deutschland transportiert, in diesem Fall nach Gorleben in die „Kartoffelscheune“, obwohl sich auf halber Strecke das Zwischenlager des AKW Philippsburg befindet.

Kartoffelscheune – so nennen die Einheimischen die Zwischenlagerhalle aus Beton, die sich direkt über dem Salzstock Gorleben unweit des gleichnamigen niedersächsischen Elbdorfes befindet. Dort sollen die Castorbehälter für maximal 40 Jahre oberirdisch eingelagert werden, wobei der Atommüll von 400 auf 200 Grad Celsius abkühlt. Die Halle ist nicht speziell gesichert, sondern kann lediglich vor Witterungseinflüssen schützen.

Gorleben ist seit Jahrzehnten stark umstritten. Erst im August dieses Jahres gab es eine Warnmeldung wegen überhöhter Strahlenwerte. Zwar insistierte die Betreibergesellschaft GNS (Gesellschaft für Nukelar-Service) darauf, dass es keine Grenzwertüberschreitung gebe und ließ entsprechende Messungen durchführen. Experten von Greenpeace stellten jedoch erhebliche Berechnungsfehler fest. Auch ohne zusätzliche Einlagerungen werde der zulässige Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert  überschritten. Dennoch verwehrte sich das niedersächsische Umweltministerium nicht gegen den neuerlichen Castor-Transport. Ein Antrag auf Akteneinsicht durch Greenpeace wurde abgelehnt. Inzwischen kommt auch der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags zu dem Schluss, eine Einlagerung weiterer Castoren in Gorleben sei möglicherweise unzulässig.

Problematisch ist das Zwischenlager nicht nur aufgrund der überhöhten Strahlenwerte. Aus Sicherheitsgründen wird das Zwischenlager irgendwann aufgegeben werden müssen. Auch ist der Salzstock Gorleben als Endlager im Grunde ungeeignet. Zum einen fehlt anders als ursprünglich erwartet eine wasserabdichtende Tonschicht über dem Salzstock. Dadurch kann Grundwasser eintreten und Zersetzungsprozesse an den Atommüllbehältern in Gang bringen. Zum anderen befindet sich unter dem Salz das größte Erdgasvorkommen Deutschlands – eine nahezu explosive Mischung. Insgesamt ist Steinsalz aus geologischer Sicht ein ungeeignetes Wirtsgestein für ein dauerhaftes Endlager. Sollte Gorleben tatsächlich irgendwann aufegeben werden, muss der dort inzwischen eingelagerte Müll wiederum über weite Strecken transportiert werden, was teuer wäre und nicht ungefährlich.

Es ist unklar, warum der erneuten Einlagerung zugestimmt wurde. Sollten die Grenzwerte zum Ende des Jahres wider den Behauptungen überschritten werden, wird Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister Rechenschaft ablegen müssen. Umweltschützer protestieren massiv gegen den geplanten Transport, und verlangen die Unterbringung des Mülls im Zwischenlager des AKW Philippsburg, das sicherer ist und über eine direkte Bahnanbindung verfügt. Am 26. November ist in Dannenberg im Wendland eine Demonstration gegen den Castortransport angesetzt – Greenpeace ruft zu reger Beteiligung auf.

Josephin Lehnert

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