Im Interview: Emissionshandel als effektives Instrument für Firmen und Privatpersonen?

Jan Palaščák, ©Amper Group

Bis 2050 soll die Europäische Union klimaneutral werden. Das EU Emissions Trading Systems (EU ETS) hat noch große Reserven, um den Emissionshandel zu einem wirklich wirkungsvollen Instrument zu machen, meint der Prager Unternehmer Jan Palaščák, CEO der Amper Group. Er möchte das Potenzial des Systems mithilfe einer speziellen virtuellen Währung stärker ausschöpfen. Damit soll sein Projekt den Zugang zum europäischen Emissionshandel erstmalig auch für Privatpersonen und neue Branchen über die Grenzen der europäischen Gemeinschaft hinaus öffnen, wie er im Interview mit CleanEnergy-Project erläutert

Eine virtuelle Währung, die das Klima schützt – wie kann man sich das vorstellen?

Jan Palaščák: CO2IN, ausgesprochen wie das englische „coin“, ist die einzige virtuelle Währung, die durch einen realwirtschaftlichen Wert gedeckt wird. Sie ist direkt an den Preis der EU-ETS-Emissionszertifikate gebunden, und zwar zu einem festen Wechselkurs von 100 CO2IN für 1 Zertifikat. Durch den Ankauf von CO2INs wird das Zertifikat vom Emissionsmarkt zurückgezogen und damit der Ausstoß von einer Tonne CO2 verhindert.

Unsere Währung macht Kohlendioxid also gleichsam zum neuen Goldstandard und den Klimaschutz zu einer Beiläufigkeit – im besten Sinne des Wortes natürlich. Die Menge der im Umlauf befindlichen EU-ETS-Zertifikate wird ja jedes Jahr verringert, um die CO2-Produktion beständig zu reduzieren. Wir können den Schlüsselaspekt dieses Systems wesentlich verstärken, wenn genug Privatpersonen und Firmen Gebrauch von der Währung machen.

Privatpersonen und Firmen – für wen genau ist die Lösung gedacht?

Jan Palaščák: Für alle, die ihre Kohlenstoffbilanz verbessern oder ihren CO2-Fußabdruck gar auf null verringern wollen. Als Privatperson haben Sie so nicht nur ein interessantes Zahlungsmittel, sondern nehmen aktiv am Klimaschutz teil. Fridays for Future und ähnliche Initiativen sind natürlich sehr wichtig, ich unterstütze sie nach Kräften. Aber mit unserer Währung lässt sich der Ausstoß von Treibhausgasen auf eine direkte und messbare Weise reduzieren.

Firmen können mithilfe von CO2IN ihre Kohlenstoffbilanz ebenfalls sehr unkompliziert verringern und die Währung auch noch praktisch nutzen. Zum Beispiel in Form von Benefits für ihre Mitarbeiter, die damit in der Cafeteria oder im Fitnessstudio bezahlen können. Das ist sowohl nach innen als auch nach außen effektiver als halbherziges Greenwashing. Und auch Kommunen sowie höhere Ebenen der öffentlichen Verwaltung sind so in der Lage, in Verbindung mit anderen Maßnahmen Klimaneutralität zu erreichen, und zwar schon jetzt und nicht erst 2050.

CO2IN soll also den europäischen Emissionshandel ankurbeln. Wie sieht es mit ähnlichen Instrumenten außerhalb der Union aus?

Jan Palaščák: Andere Handelssysteme für Treibhausgase wollen wir zum gegebenen Zeitpunkt einbeziehen, das bleibt aber eine Option für die Zukunft. Die Wirkung des Projekts kann sich dennoch über die Grenzen der Europäischen Union hinaus entfalten und soll auch zu fairen Marktbedingungen und gleichen Umweltstandards weltweit beitragen. Jede Tonne Kohlendioxid hat schließlich die gleichen Auswirkungen auf das Klima – unabhängig davon, wo sie ausgestoßen wurde. Daher sollte jeder den gleichen Preis für die Produktion von CO2 zahlen.

Die EU erwägt gerade eine CO2-Grenzsteuer. CO2IN kann schon jetzt denselben Zweck erfüllen, wenn auch auf freiwilliger Basis. Mithilfe unserer Währung können europäische Importeure ihre Geschäftspartner außerhalb der EU verpflichten, für das bei der Herstellung ihrer Waren freigesetzte Kohlendioxid den gleichen Preis zu zahlen wie ein Unternehmen, das dem EU ETS unterliegt. Auf dieselbe Art und Weise lässt sich das EU ETS auf kleinere Unternehmen oder Branchen innerhalb des europäischen Marktes ausweiten, auf die das EU ETS nicht angewendet wird.

Wie funktioniert denn die Währung in der Praxis?

Jan Palaščák: Wie bei anderen virtuellen Währungen konvertieren Sie Ihre gesetzliche Zahlungsmittelwährung, also zum Beispiel Euro, in CO2INs. Das läuft über eine spezielle App beziehungsweise den in die App integrierten Zahlungsgateway. Alle Transaktionen werden in einem mit Blockchain gesicherten Bankbuch registriert, ebenso wie die Menge der im Umlauf befindlichen Währungseinheiten und die erworbenen Emissionszertifikate, die auf Treuhandkonten bei glaubwürdigen Banken hinterlegt werden.

Nachdem Sie Ihren virtuellen Geldbeutel gefüllt haben, können Sie damit überall dort bezahlen, wo die Währung akzeptiert wird, oder Ihre CO2INs weiterverkaufen. Über die App können Sie die Preisentwicklung der EU-ETS-Zertifikate verfolgen und sogar mit anderen Nutzern kommunizieren.

Derzeit ist allerdings nur eine Demoversion der CO2IN-App verfügbar, und auch nur für iOS. Die Android-Version wird innerhalb weniger Wochen veröffentlicht, und die Live-Version wird voraussichtlich im März kommenden Jahres fertig sein. Man kann sich aber jetzt schon die Demoversion herunterladen, sie ausprobieren und sich über das Projekt auf dem Laufenden halten.

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