Mangelnde Aufklärung bei der Geothermie

Geothermie und Erneuerbare Energien

Der Energieverbrauch und damit die Gefahren einer Klimakatastrophe, werden sich auch in den kommenden Jahren nicht verringern, das Gegenteil ist der Fall. Durch die rasche Bevölkerungszunahme ist ein drastischer Anstieg des Energieverbrauchs vorprogrammiert, was aufgrund der Ressourcenverteilung fossiler Energien zwangsläufig zu verstärkten Abhängigkeiten und somit zu weltpolitischen Konflikten führt.

Alternative Energiequellen müssen daher Vorrang genießen und nicht etwa politisch unterdrückt werden. Eine ganzheitliche Betrachtung dieser Problematik ist daher auf Dauer unumgänglich, Fördermaßnahmen auf bestimmte Erneuerbare zu pushen sicherlich kein erfolgversprechendes Mittel.

Neben Wind und Sonne, denen eine mangelnde Grundlastfähigkeit vorgeworfen wird, gibt es noch weitere Möglichkeiten, die natürlichen Energiequellen anzuzapfen. Negativschlagzeilen und mangelnde Aufklärung über Alternativen zu Anlagen, die durch Wind- und Sonnenkraft Energie erzeugen, tragen ebenfalls nicht zu deren Ausbau und Akzeptanz bei. Während wir uns schon langsam an den Anblick von Solardächern und Windrädern gewöhnen, zählt die Geothermie immer wieder zu einem heiklen und heiß diskutierten Kontrahenten. Erdbeben und Erdschüben werden den Bohrungen in der Erdkruste zugeschrieben, die nötig sind, um an das große Potenzial der Erdwärme zu gelangen. Dabei werden die unterschiedlichen Varianten der Geothermie bei Debatten oftmals unter einen Hut gekehrt.

Tiefen- und oberflächennahe Geothermie bringen jedoch ganz unterschiedliche Risikopotenziale mit sich, die durch mangelnde Aufklärung zu eklatanten Auseinandersetzungen führen. Aktuelles Beispiel bilden die Gebäudeschäden in der Stadt Staufen, die mit der Erdwärmebohrung (Tiefenbohrung) in Verbindung gebracht wird – offiziell sind die Ursachen jedoch noch nicht geklärt. Die oberflächennahe Bohrung hingegen birgt als größtes Risiko nicht etwa das Auslösen von Erdbeben oder Erdrutschen, sondern vielmehr die Übernutzung des Wärmepotenzials durch die gegenseitige Negativbeeinflussung mehrer Geothermie-Anlagen auf einem kleinen Areal. Eine genaue Abwägung der Einsatzfähigkeit und des Risikopotenzials, sowie des Wärmeflusses am gewählten Standort und der Aufklärung über Geothermie im Allgemeinen, müssen vorrangig über den Nutzen der gewählten Technik für das Areal entscheiden, was aufgrund der hohen Kosten vielfach mit starken Anfangshemmnissen einhergeht.

Zwar bietet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eine Förderung für die Tiefengeothermie, die KfW-Bank lockt mit zinsgünstigen Darlehen für geplante Projekte und der Staat verspricht eine attraktive Einspeisevergütung, doch oftmals wird gerade wegen der immensen Anfangskosten, die bei anderen Energieprojekten weitaus geringer ausfallen, dennoch von Geothermieprojekten Abstand genommen. Schade, denn die Geothermie ist für eine nachhaltige Energieversorgung und eine umweltfreundliche Energiegewinnung eine wichtige Technologie und ein großer Schritt, um Deutschland zum Weltmarktführer in Sachen klimaschonende Energieträger zu bringen. Hierzu gehört jedoch eine ganzheitliche Betrachtung der vorhandenen Möglichkeiten im Bereich Klimaschutztechnologie, in der die Geothermie eine wichtige Rolle spielt.

Judith Schomaker

2 Bemerkungen

  • Die oberflächennahe Geothermie ist wohl eher eine geschickte Verkaufsstrategie der Energiekonzerne für deren überschüssigen Strom. Eine wirklich CO2-Einsparung findet wohl eher nicht statt, da der Wirkungsgrad der Stromerzeugung einschl. Transport bei etwa 30% liegt. Das bedeutet, das bei der Energiegewinnung durch Geothermie in etwa soviel Energie für Wärmetauscher, Pumpen etc. aufgewendet wird, wie dem Untergrund anfänglich entzogen wird. Wenn das Gestein nicht ganz so günstige Eigenschaften hinsichtlich Wärmeleitung und Wärmekapazität hat, wird mehr hineingesteckt als entzogen wird.
    Der Vorteil liegt zur Zeit für den Anwender darin, dass die Kosten für die Kilowattstunde Strom für Geothermie von den Energie erzeugenden Konzernen subventioniert werden, so dass die Verbrauchskosten vergleichsweise niedrig ausfallen. Die Ausfallkosten für diese Subventionierung werden wohl die restlichen Stromverbraucher mit ihrer Verbraucher durch einen erhöhten Strompreis bezahlen müssen.
    Ein weiteres nicht unerhebliches Problem dürfte die Nachhaltigkeit der Energielieferung aus dem Gestein sein. Einem Vortrag eines Referenten eines mit der Geothermie befassten Geologischen Landesamtes war vor einigen Monaten zu entnehmen, das für eine nachhaltige Energieentnahme (ca. 30 Jahre; so lange will man es ja schon nutzen) für ein Einfamilienhaus eine Grundstücksgröße von 2000 qm (!) notwendig ist. Bei kleineren Grundstücken wird der Nachbar angezapft. Was das für die Reihenhäuser bedeutet, die mit ihren 200 – 300 qm kleinen Grundstücken mit Geothermie beheizt werden sollen, kann sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen.
    Sinnvoll ist meines Erachtens Geothermie nur, wenn der Wärmeentzug im Winter durch eine Wämeeinspeisung im Sommer kompensiert wird, die Heizung also gleichzeitig als Kühlanlage konstruiert wird. Aber in welchem Einfamilienhaus ist das schon so?.
    Uner diesen Bedingungen wird dann aus der oberflächennahen Geothermie eine Solar- / Geothermie Heizung. Im anderen Fall über die Zeit wohl eine Elekroheizung mit großer CO2 Emission durch die Stromgewinnung.

    i. schiller
    geologe

  • Den Titel finde ich richtig gewählt, allein die Schlussfolgerung kann ich nicht ganz unterstützen.

    Auch ich halte eine “ganzheitliche” Betrachtung für angebracht, allerdings unter klarer Benennung der Risiken und einer klaren Aussage, wie diese auf ein vertretbares Maß reduziert und sicher beherrscht werden können. Gerade unter dem Eindruck, dass Bürger sich oft in Ihren Bedenken von der Politik nicht genügend beachtet und von den vermeintlichen “Profiteuren” übervorteilt fühlen, sollte ein großer Augenmerk auf diesem Themenfeld liegen. Dabei müssen technische Vorgänge verständlich erklärt, Risiken vorbehaltlos aber auch nicht sensationsheischend dargestellt und somit ein tragfähiger Konsens gefunden werden. Ansonsten werden wieder diejenigen das Wort führen und gar eine sehr bedenkenswerte Technik vor ihrem eigentlichen Durchbruch schon zu Grabe tragen, bevor diese ihr eigentliches Potential darstellen konnte.

    Wichtig dabei in meinen Augen: Geothermie ist nicht gleich Geothermie – oberflächennahe Geothermie birgt ganz andere Risiken und zu bedenkende Anforderungen an die Nutzung (wie vom Kollegen trefflich dargestellt) als die Tiefengeothermie – wenn dies nicht sauber kommuniziert wird, gibt es nur eine weitere große “Sprachverwirrung”, an deren Ende auch dieses Projekt nicht vollendet werden kann – nicht weil es nicht beherrschbar oder wirtschaftlich wäre – sondern weil es “zerredet” wurde.

    Ich finde wir sollten mit all unseren Kräften dazu beitragen, dass dies nicht geschieht – eine sorgfältige und nichts beschönigende Informationspolitik könnte hier bei eine tragende Rolle spielen.