Neues Konzept für Geothermie in Landau

Geothermieanlage

Noch reicht eine allgemeine Schautafel aus, wenn man sich die Funktionsweise des Landauer Geothermiekraftwerks ansehen mag. Denn in der Anlage wird mit dem Organic Rankine Cycle Verfahren gearbeitet. Hierbei werden unterirdische Wasserressourcen von 150 Grad Celsius energetisch genutzt. Das ist für die Geothermie insofern eine attraktive Ausgangsposition, als sie sich bei Temperaturen von über 100 Grad Celsius für die Stromerzeugung eignet.

Zusätzlich zur Stromversorgung kann die Anlage das restliche Wasser mit 70 bis 80 Grad Celsius auch für die Fernwärme nutzen. Der Energieträger aus dem Untergrund verbleibt dabei in einem geschlossenen Kreislauf. Er gibt die Wärme nur an ein Lösungsmittel ab, das eine Gasturbine antreibt.

Bald wird die Tafel allerdings um eine Skizze erweitert werden. Denn als es im Jahr 2009 in der Landauer Umgebung zu Erdstößen kam, geriet das dort ansässige Geothermiewerk als Hypozentrum in Verdacht. Inzwischen steht fest, dass eine Verbindung zwischen Beben und dem im Jahr 2007 fertig gestellten Werk besteht. Wenn man sich den Aufbau einer solchen Anlage ansieht, verwundert das nicht. So reichen die zwei nötigen Bohrungen für das Kraftwerk bis 3.000 Meter in die Erdkruste hinein. Denn in dieser Tiefe befindet sich das begehrte Thermalwasser. Mit Hilfe der Öffnung und des Drucks gelangt das Wasser bis zu 40 Meter Tiefe heran, die restliche Distanz überwindet es mit einer Pumpe. Damit das geförderte Wasser nicht verunreinigt wird, müssen erdölhaltige Schichten beim Bohren abgedeckt werden.

Eine zweite Bohrung führt das abgekühlte Thermalwasser wieder nach unten, um die Quelle nicht leer zu pumpen. Und das ist der Haken an der Sache. Denn der Druck auf das Gestein, der beim Hineinpressen des Wassers entsteht, führt zu den bereits erwähnten Erdstößen.

Auflagen sorgen für Umbau des Geothermiewerks

Daraufhin schritt das Bergamt ein und ordnete eine Nutzungsbeschränkung an. Das heißt, die Stärke des Wasserflusses musste reduziert werden, damit sich beim Rückfluss der Druck im Erdinneren verringert. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Entscheidung natürlich ungünstig: Im Jahr 2010 schaffte es das Geothermiewerk Landau auf nur 16.700 Megawattstunden, im darauffolgenden Jahr auf 11.200 Megawattstunden.

Die geringe Leistungsfähigkeit ist für die Betreiber Grund genug für einen Umbau der Anlage. In diesem Jahr genehmigte der Aufsichtsrat das Vorhaben. Dem Plan zufolge wird eine dritte Bohrung helfen, den Druckausgleich herzustellen. Voraussichtlich ab 2014 gebe es dann zwei Vertiefungen, die für das Ableiten des Wassers in den Untergrund sorgen sollen. Somit könnte wieder mehr Wasser gefördert und damit der Energieertrag gesteigert werden.

Insgesamt wird von acht Millionen Euro an Kosten ausgegangen, woran der Staat sich aber finanziell beteiligt. Des Weiteren können die Betreiber zukünftig auf seismische Messungen von zwölf Messtationen in der Umgebung zugreifen und den Wasserdruck danach einstellen.

Auch mit einer Verbesserung der Stromausbeute beträgt der Eigenverbrauch eines Geothermiewerks noch 25 bis 30 Prozent. Doch weil die erreichte Leistung seit Anfang des Jahres unabhängig von der Vergütung nach dem EEG ist, werden den Betreibern 25 Cent pro Kilowattstunde erstattet. Letztes Jahr steuerte die Geothermie in Deutschland 16 Millionen Kilowattstunden an Energie bei. Zukünftig zeigt es sich, ob die neue Strategie des Landauer Geothermiekraftwerks sowie die staatliche Förderung eine Steigerung erkennen lässt.

Jenny Lohse

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