Innovativer Schritt bei der Erdwärmenutzung

Die Geothermie ist mit zahlreichen Risiken behaftet. Die Technologien, die zur Nutzbarmachung der Erdwärme nötig sind, können dabei nicht nur aus geologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht Probleme mit sich bringen. Eine neue Technologie soll nun die wirtschaftlichen Risiken minimieren und kostspielige Fehlbohrungen vermeiden.

Im Inneren der Erde, in Tiefen von mehr als 40 Kilometern, lodert eine glühend heiße Masse aus geschmolzenem Gestein. Über diese Masse schließt sich die Erdkruste an, die jedoch nicht homogen, sondern an einigen Stellen mit Rissen, Spalten und Löchern durchzogen ist. Die Bewegungen im Erdinneren sorgen dafür, dass in einigen Regionen ein höherer Wärmestrom herrscht – etwa in vulkanischen Regionen, wie dem Karpatenbecken oder dem Oberrheingraben – als in geologisch längst inaktiven Gebieten, wie der Russischen Tafel oder dem Kanadischen Schild. Auch im Norddeutschen Becken sowie im süddeutschen Molassebecken sind die Bedingungen besonders günstig.

Bevor Erdwärme als erneuerbare Energiequelle überhaupt genutzt werden kann, muss also zunächst der richtige Ort für ein Erdwärmeprojekt gefunden werden. Erst dann kommen, je nach Temperatur der erschlossenen Erdwärmequelle, die unterschiedlichen Verfahren (Hydrothermale Verfahren, Hot-Dry-Rock-Technik, Dry Stream-Verfahren, Flash Steam-Verfahren) zur Umwandlung der Erdwärme in nutzbare Energie in Frage.

Bislang war die Vorhersagegüte der Datenerhebung für einen wirtschaftlichen Betrieb von Geothermieanlagen wenig verlässlich. Prognosen über Wasservolumen und Temperaturniveau als Kerndaten schon vor Bohrbeginn genau zu definieren, gestaltete sich mit den gängigen Verfahren als schwierig. Die Folge: Häufige Fehlbohrungen, die ein geplantes Geothermieprojekt schnell unwirtschaftlich machen konnten.

Die Goethermische Kraftwerksgesellschaft Traunreut arbeitet derzeit an einer ganz neuen Technologie, mit der sich das Prognoseverfahren deutlich präzisieren lässt. Durch Korrektur der aus geophysikalischen Bohrlochmessungen unmittelbar am Bohrkern gewonnenen Daten mit einer dreidimensionalen Seismik des Bohrungsumfelds, könnte sich das Risiko von Fehlbohrungen deutlich minimieren lassen.

Auch Bayerns Wirtschafts- und Energieminister ist von diesem neuen Verfahren, das im Rahmen des Programms „Rationelle Energiegewinnung und -verwendung“ mit 400.000 Euro unterstützt wird, überzeugt. Schließlich lässt sich das Verfahren auch bei anderen Tieferngeothermie-Projekten einsezten und kann somit einen großen Teil zur bayerischen Energiewende beitragen.

Judith Schomaker

1 Kommentar

  • Es tut sich also doch was in Deutschland! Während nach Aufnahme der geothermischen Stromerzeugung ins EEG zunächst nur sehr viele Projekte als Claims reserviert wurden und eigentlich nur in Landau und Oberhaching ein hydrogeothermisches Kraftwerk mit Dublettenbohrung errichtet wurde, gehts jetzt auch bei uns voran. In Groß-Gerau entsteht z. B. ein Vorzeigeprojekt in Sachen Planung und Kommunikation: [url]http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/geothermiekraftwerk-gross-gerau-nimmt-konkrete-formen-an-4021.html[/url] Hier sind nun alle wichtigen seismischen Untersuchungen abgeschlossen und das Projekt geht in die heiße Phase. Und selbst in Hannover tut sich was. Das macht Mut und Hoffnung, dass sich die Tiefe Geothermie auch in Deutschland in den nächsten Jahren etablieren wird.