Geothermie im Land der Maori und Mapuche

Nach einer Legende der Ureinwohner Neuseelands geriet der Hohepriester Ngatoroirangi in einen Schneesturm und rief um Hilfe. Seine Schwestern erhörten seinen Ruf und schickten ihm zum Schutz das Feuer. Zurück blieb der Pfad, der durch das Feuer entstand – geologisch eher bekannt als das Erdwärmefeld Neuseelands.

Die Energiequelle gehört zum pazifischen Feuerring und ist mit Vulkanen und Erbeben verbunden. Durch Transformstörungen gleiten die Erdplatten in entgegengesetzter Richtung aneinander vorbei und das verursacht Spannungen. Das Magma dringt in die Risse vor. Deshalb sind die Temperaturen auch in geringer Tiefe ungewöhnlich hoch. Ein geothermisches Potential, das sich zur Produktion von Strom nutzen lässt. Inzwischen steuert die Geothermie – mit einer Leistung von 750 Megawatt – 14 Prozent zur Elektrizitätserzeugung Neuseelands bei. Bis zum Jahr 2015 werden sogar 1.120 Megawatt erwartet.

Geothermie als Chance für Chile
Die langjährigen Erfahrungen im Bereich der Geothermie lässt Neuseeland als Experten in anderen Ländern glänzen, so auch in Chile. Denn das Land liegt ebenso am Feuerring. Am Gefälle der Anden befindet sich die längste Vulkankette der Welt und ein Geothermiepotential von 16.000 Megawatt an Leistung. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in dem Land an der Erdwärme geforscht. Dennoch gibt es in Chile – wie in ganz Südamerika – bisher keine einzige Geothermieanlage. So sind die fünf Prozent erneuerbare Energien im Strommix vor allem der Biomasse und Wasserkraft zu verdanken. Bis zum Jahr 2024 sollen 15 bis 20 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien stammen. Um dies zu bewerkstelligen, ging Chile nun eine strategische Partnerschaft mit Neuseeland ein – gerade, um technologisches Know-how zur Geothermie geliefert zu bekommen.

Nahe des Vulkans Tolhuaca im Süden Chiles investiert das neuseeländische Unternehmen Mighty River Power bereits in ein Geothermieprojekt. Nächstes Jahr geht es in Betrieb, um nach und nach 70 Megawatt an Leistung bereitzustellen.

Auswirkungen der Geothermienutzung
Mit dem Betrieb von Erdwärmekraftwerken wird der Grundwasserspiegel allerdings oft herabgesetzt. So auch in Neuseeland im Geisirfeld Wairakei. Mit der Entnahme des Thermalwassers verschwanden die Geisire und Quellen. Aus diesem Grund wird inzwischen auf eine Reinjektion des Wassers geachtet.

Für die südamerikanische Umweltorganisation Acción Ecológica sind die Beeinträchtigungen durch die Geothermie im Vergleich zu anderen Energieressourcen dennoch akzeptabel. Was wohl auch daran liegt, dass die populäre Wasserkraft in Chile enorme Landschaftsveränderungen nach sich zieht.

In Chile und Neuseeland leben indigene Völker auf den vielversprechenden Erdwärmevorkommen. Deshalb sollten sie in die Entscheidungen zur Nutzung einbezogen werden. Inzwischen sind viele Maoris aktiv an der elektrischen Nutzung der Geothermie beteiligt – nicht nur als Landbesitzer, sondern als Anteilseigner der Geothermieunternehmen. Dieses Konzept sollte auch in die Projekte Chiles mit einfließen. Leider wird bisher nicht einmal die Meinung der Mapuche Gemeinden in die Besprechungen involviert.

Jenny Lohse

Add comment