Geothermie in Ismaning startet durch

Bohranlage der Geothermie in Ismaning

Im Jahr 2011 trug die Tiefengeothermie 0,3 Millionen Kilowattstunden zur Wärme- und Warmwasserversorgung in Deutschland bei. 200 Anlagen waren dafür im Einsatz.

Auch in Ismaning im Landkreis München wurde derweil eine Geothermieanlage in Betrieb genommen. Der Standort ist aufgrund des süddeutschen Molassebeckens günstig gewählt. Hier finden sich thermale Tiefengewässer, die nur langsam durch die Risse der Kalkschicht fließen.

Die in Ismaning gemessenen Temperaturen des Thermalwassers betragen 75 Grad Celsius. Das ist zwar zu gering für die Generierung von Strom, es reicht aber für eine thermische Leistung von sieben bis acht Megawatt.

Für die Nutzung wird das heiße Thermalwasser aus der Tiefe gepumpt und durch einen Wärmetauscher geleitet. Dann gelangt das abgekühlte Wasser durch ein zweites Bohrloch wieder in den Untergrund. Der Wärmeträger beliefert die Gebäude der Gemeinde mit Wärmeenergie. 70 Prozent der Investitionskosten werden bei diesen Anlagen für die Wärmeverteilung verwendet. Die restlichen Gelder dienen der Bohrung und dem Heizkraftwerk.

Entwicklung des Geothermieprojektes 

Nach jahrelangen Diskussionen entschied sich der Gemeinderat von Ismaning im März des Jahres 2011 für die Nutzung der Geothermie. Ausschlaggebend war vor allem die Akzeptanz und Beteiligung der Bürger sowie eine große Transparenz.

Das erste Bohrloch entstand im Sommer 2012. Anders als geplant wird diese Bohrung nicht zur Förderung, sondern zur Rückführung genutzt. Denn die Temperatur des Wassers ist an der Bohrstelle geringer als erhofft. Dagegen konnte die Messung der zweiten, 2.000 Meter tiefen Bohrung die Erwartungen übertreffen.

Im November 2012 begann die Nutzung beider Pumpen, indem der Kreislauf des Thermalwassers initiiert wurde. Damit ist die Anlage betriebsbereit, wird aber bis zum Frühjahr 2013 noch getestet. Die Versuche beziehen sich auf den Pump- und Injektionsvorgang. Dabei wird das Schüttungs- und Aufnahmevermögen der Pumpen beobachtet. Bisher beträgt die gemessene Förderrate rund 85 Liter pro Sekunde.

Dennoch befindet sich die Anlage weiter im Ausbau, ebenso wie das Fernwärmenetz. Auch eine Tauchpumpe muss noch angeschafft werden. Bisher ist die Maschine, die das Wasser nach oben befördert, nur gemietet. Für eine ausreichende Versorgung existiert zudem ein Gaskessel, der fünf Megawatt an Leistung bereitstellt.

In Ismaning könnten zukünftig 25 bis 30 Prozent der Wärmeversorgung aus der Geothermie stammen. Bis zum Jahr 2030 nimmt die Gemeinde sich vor, auch andere erneuerbare Energiequellen in die Wärmeproduktion mit einzubeziehen. Und dabei soll auch die Nähe zum Versorgungsort berücksichtigt werden.

Jenny Lohse

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