Erdwärme als Chance für Japan

Geothermie

Im Land der aufgehenden Sonne gehört das Baden in natürlichen warmen Quellen zu einer alten Tradition. Das Eintauchen in die sogenannten Onsen soll nicht nur entspannen, sondern auch Krankheiten heilen. Die japanischen Inseln bieten dank der Lage an der geologischen Bruchzone aber auch andere Nutzungsmöglichkeiten: An die 537 Megawatt an elektrischer Leistung werden in Japan durch Erdwärme bereitgestellt – ähnlich dem Betrag der in Island genutzten Erdwärme.

Und dass, obwohl das Potential in Japan ungleich höher liegt: Schon in einer Tiefe von einem bis vier Kilometern herrschen an vielen Stellen Temperaturen von 250 bis 380 Grad Celsius. Nun wird damit begonnen, das Potential weiter auszuschöpfen. Ab dem Jahr 2014 wird ein Geothermiekraftwerk in Tsuchiyu voraussichtlich 250 Kilowatt an elektrischer Leistung generieren. Die Stadt befindet sich 15 Kilometer von Fukushima entfernt und hat noch heute unter der Kernschmelze von 2011 zu leiden. Viele ansässige Thermalbäder, die das heiße Wasser nutzen, mussten geschlossen werden. Denn Mineralquellen haben durch Ängste vor Kontamination stark an Popularität und Umsatz eingebüßt. Mit Geothermie soll die regionale Wirtschaft wieder angekurbelt werden. In der Gegend sind weitere Erdwärmeprojekte möglich. Neun Unternehmen planen hier den Bau von Geothermieanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von 270 Megawatt.

Entwicklung der Geothermie in Japan

Der Bau des letzten Erdwärmekraftwerks in Japan liegt schon 13 Jahre zurück. Dabei kontrollieren japanische Unternehmen mehr als die Hälfte des Weltmarkts für geothermische Turbinen. Umso seltsamer, dass die Vormachtsstellung in Japan selbst kaum zu spüren ist.

Im Inland konzentrierten sich Regierung und Industrie lieber auf die Atomkraft als Energielieferant. Durch das Abschalten von 54 Atomkraftwerken nach der Kernschmelze fehlten auf einmal Stromleistungen in Höhe von 50.000 Megawatt. Teure Energieimporte mit einer verstärkten Abhängigkeit vom Ausland waren und sind die Folge. Um die Differenz des nötigen und vorhandenen Strombetrages auszugleichen, werden die Verbraucher außerdem zum Stromsparen angehalten.

Der Engpass bewegte die Regierung Mitte Juli dieses Jahres dazu, die Reaktoren zwei und drei des Kernkraftwerks Oi wieder an das Netz anzuschließen. Doch die Mehrheit der Bevölkerung wehrt sich gegen die Rückkehr in das Atomzeitalter und fordert die Entwicklung erneuerbarer Energien. Neu ist die Idee, Geothermie auf den Inseln zu nutzen, übrigens nicht. Schon im Jahr 1925 fanden in Japan Experimente zur Erdwärmenutzung statt. Vor 46 Jahren ging dann die erste wirtschaftlich genutzte Anlage ans Netz. Momentan stehen in Japan 18 Geothermiekraftwerke, die zu 0,2 Prozent an der nationalen Stromproduktion beteiligt sind.

Hilfestellung kommt von der Regierung Japans

Laut dem Institut für nachhaltige Energiepolitik könnte die Geothermie in Japan in zehn Jahren ähnlich leistungsstark sein wie die Atomkraft vor dem Unfall in Fukushima. Den Takt gibt dabei die Regierung an. So weichte das Umweltministerium den Schutzbedarf der Nationalparks auf, da sich mehr als 80 Prozent der geothermalen Ressourcen in diesen Schutzgebieten befinden. Hierzu gehören auch die oben erwähnten Projekte. Zudem stehen den Betreibern neue Einspeisevergütungen mit 43 Cent pro Kilowattstunde zu. Und staatliche Zuschüsse für Forschung und Tests tun letztendlich ihr Übriges, um der erneuerbaren Energiequelle Aufschwung zu geben.

Jenny Lohse

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