Wegen Endlager-Suche: keine Tiefenbohrungen mehr

Geothermie in Gelting ©Enex/oh
Wer in der Zukunft für Geothermie bohren will, könnte bald eine Genehmigung dafür brauchen ©Enex/oh

Ob Bergbau oder die Suche nach Geothermie: in ganz Deutschland wird gebohrt. Doch dies wird in Zukunft nicht mehr so leicht möglich sein. Ab einer Tiefe von 100 Metern entscheiden bald die Landesbehörden und das neu gegründete Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit über die Genehmigung für eine solche Bohrung. Bei ihrer neuen Endlager-Suche wollen sie kein Risiko eingehen, dass ein potenzieller Standort durch solche Vorhaben unbrauchbar wird. Parallel ist allerdings auch die staatliche Bundesgesellschaft für Endlagerung mit einer weiterführenden Idee auf der Suche.

Ab Mitte August wird sich für den Bergbau und andere Tiefenbohrungen einiges ändern. Denn ab diesem Zeitpunkt wird das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ein Mitspracherecht bei zukünftigen Bohrungen haben. Ab einer Tiefe von 100 Metern müssen zuerst Landesbehörden und die BfE ihre Zustimmung geben. Dadurch wollen sie verhindern, dass potenzielle Endlager für Atommüll unbrauchbar werden. Bei Bohrungen von 100 bis 200 Metern haben die Behörden in Zukunft acht Wochen Zeit, um über eine Genehmigung zu entscheiden. Geht das Loch tiefer, ist ihnen keine zeitliche Frist gesetzt.

Bisher gab es eine solche Kontrolle nur für Gorleben. Hier herrscht eine sogenannte „Veränderungssperre“. Sie verhindert, dass der Salzstock, in dem der Atommüll gelagert wird, durchlöchert wird. Wie wirksam eine solche Sperre ist, zeigt das Beispiel Salinas-Projekt: Gegner der Atommülllagerung an diesem Ort hatten versucht mit Hilfe der Firma Salina Gorlebener Salz zu fördern. Dieses Projekt wurde jedoch gerichtlich gestoppt und dabei auf die durch Behörden verhängte Veränderungssperre verwiesen. Ähnlich wird es nun in ganz Deutschland aussehen. Denn überall, wo größere Granitvorkommen, Tonschichten oder Salzstöcke vorkommen, wird in Kürze vorsorglich nicht mehr gebohrt werden. „Kein Ort soll von vornherein bestimmt oder ausgeschlossen werden“, sagte BfE-Chef Wolfram König am Montag in Berlin. „Auch nicht dadurch, dass beispielsweise durch Tiefenbohrungen ein möglicherweise geeignetes Gesteinsvorkommen für die Endlagerung beeinträchtigt oder gar unbrauchbar wird.“

Das BfE hat auch die Möglichkeit ganze Gegenden als „zu schützende Gebiete“ zu definieren. Um dabei präziser zu werden hat auch die staatliche Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit ihren Untersuchungen begonnen. Mit ihrer Hilfe soll ein möglicher Standort immer weiter eingekreist werden. Anfangs wird auf Grund geowissenschaftlicher Daten eine Teilregion ermittelt, die in Frage käme. Durch weitere Untersuchungen, erst an der Erdoberfläche, anschließend auch unter der Erde, soll der Standort mit den bestmöglichen Bedingungen ermittelt werden. Bis es soweit ist, wird es allerdings noch bis mindestens 2031 dauern.

Quellen: Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung