Äthiopien plant größtes Erdwärmekraftwerk Afrikas

Im Südwesten Äthiopiens wird in Zukunft ordentlich Dampf gemacht. Denn nächstes Jahr beginnen dort die Testbohrungen für ein Geothermiekraftwerk. Mit 1.000 Megawatt an Leistung könnte es das größte ganz Afrikas werden.

Äthiopien holt sich Expertise aus Island

Ende September dieses Jahres beschloss die Regierung Äthiopiens zusammen mit dem Unternehmen Reykjavik Geothermal die Errichtung der Anlage. Weil die isländische Firma die Funktion des Konstrukteurs sowie Betreibers übernimmt, handelt es sich um das erste vom Staat unabhängige Energieprojekt in Äthiopien. Die Einbeziehung ist notwendig, denn das vier Milliarden US-Dollar teure Vorhaben ist ohne erfahrene Hilfe aus dem Ausland nicht zu stemmen. Der Bau des Megaprojektes wird voraussichtlich acht bis zehn Jahre in Anspruch nehmen: Bis zum Jahr 2015 sollen dank der Erdwärme zehn Megawatt an Leistung bereit gestellt werden. Drei Jahre darauf werden es eventuell bereits 500 Megawatt sein. Um eine gesicherte Abnahme zu gewährleisten, kauft der äthiopische Energiekonzern Ethiopian Electric Power Corporation den vorhandenen Strom für 25 Jahre ab.

Grabenbruch bietet günstige Voraussetzung für Geothermie

Die Wahl für ein Erdwärmekraftwerk fällt dabei nicht ohne Grund auf Äthiopien. Denn ein Riss durchzieht das Land: Der ostafrikanischen Graben vergrößert sich jedes Jahr um einen Zentimeter, weil die Erdplatten auseinanderdriften. Begleiterscheinungen sind aktive Vulkane, Seen und themale Quellen. Das Gelände des Corbetti Caldera in Äthiopien ist die zentrale Stelle der zukünftigen Testbohrungen, um heißes Wasser anzuzapfen.

Das Vorhaben gehört aber nicht zum ersten beschlossenen Geothermie-Projekt des Landes. Auch, wenn Erdwärme zur Zeit mit weniger als einem Prozent an der Stromversorgung in Äthiopien beteiligt ist, existiert eine Testanlage aus den 90er Jahren im Land. Zu Beginn der Installation konnte sie 7,3 Megawatt an Leistung bereitstellen. Diese Anlage namens ‚Aluto Langano‘ soll ausgebaut werden.

Wasserkraft bleibt wichtigste Energiequelle

Für die Regierung in Addis Ababa spielt die Erdwärme in der Energieversorgung zukünftig eine Schlüsselrolle. Gleichwohl wird die meiste Energie auch in Zukunft vor allem aus der Wasserkraft kommen. Für viel Kritik sorgt die zur Zeit entstehende Millennium Talsperre mit 6.000 Megawatt an Leistung – vor allem von Seiten der Staaten, denen somit weniger Nilwasser zur Verfügung stehen wird.

Neben ökologischen Auswirkungen wie der Entwaldung der letzten intakten Gebiete, Erosion und Ablagerung von Sedimenten leidet auch die ansässige Bevölkerung, die für das Wasserkraftprojekt systematisch vertrieben wird. Und die Regierung Äthiopiens ist bekannt dafür, nicht zimperlich mit ‚Gegenspielern‘ umzugehen.

Die Staatsmacht hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Äthiopien soll massiv zum Stromexportland aufsteigen. Und das vor allem mit erneuerbaren Energien. Schon heute beliefert das Land die Nachbarn mit Elektrizität. Die eigene Bezeichnung ‚Powerhouse of Africa‘ kommt demnach nicht von ungefähr.

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Etwas seltsam mutet aus diesem Grund die Zahl an, die für die Stromversorgung der eigenen Bevölkerung steht: Nur 20 Prozent der Äthiopier sind an das Netz angeschlossen. Zumindest setzt die Regierung sich zum Ziel, dies bis 2018 zu ändern und den Prozentsatz auf 100 zu erhöhen – Nun auch mit Hilfe der Erdwärme. Diese hat im Gegensatz zur Wasserkraft geringere Auswirkungen auf Land und Leute, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Auch andere Länder am Graben Ostafrikas weisen ein hohes Geothermie-Potential auf. Vielleicht ziehen sie durch den Senkrechtstart Äthiopiens bald nach.

Jenny Lohse

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