Ausbau der Erneuerbaren Energien – wie soll es weitergehen?

Der Energie- sowie der Verkehrssektor gelten als entscheidend für den Klimaschutz und spielen entsprechend eine sehr wichtige Rolle für das Erreichen der Klimazielen auf EU- und auf Bundesebene.

In Deutschland soll der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr bis 2030 auf 28 Prozent steigen – und damit doppelt so hoch sein, wie von der EU vorgesehen. Das geht aus einer aktuellen Gesetzesänderung der Bundesregierung hervor. Dabei sind auch größere Anreize für grünen Wasserstoff und den Ausbau von Ladesäulen vorgesehen sowie auch das Ende von Palmöl als Biokraftstoff ab 2026.

Deutschland will EU-Vorgabe übertreffen

Die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien im Verkehr sieht vor, dass der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch im Verkehrssektor 2030 in der EU mindestens bei 14 Prozent liegen muss. Deutschland erfüllt diese EU-Vorgaben über die Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote) und will sie mit der neu beschlossenen Gesetzesänderung deutlich übertreffen.

Grünstromanteil von 65 Prozent bis 2030?

Das weitere Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 einen Grünstromanteil von 65 Prozent zu erreichen.  Das besagt das neue EEG von 2021. Wie lässt sich aber dieses Ziel mit einem rein marktgetriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien ohne Subventionen vereinbaren? Eher schwierig, zeigen die neuen Analysen von Aurora Energy Research.

Die erneuerbaren Kapazitäten bis 2030 vorgesehen in dem EEG 2021 sind um 33 Prozent höher als die des EEG von 2017. Es sind fast 50 Gigawatt mehr geplant und davon allein bei Photovoltaik ein Plus von 35 Gigawatt. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen aber leider vermuten, dass diese Planungen – ohne zusätzliche Anreize – in der Realität zumindest teilweise scheitern werden.

Ein Beispiel dafür sind unterzeichnete Auktionen bei der Onshore-Windenergie sowie bei der Biomasse, die im neuen EEG zu einer Lücke von acht bis neun Gigawatt führen könnten. Auch bei der Photovoltaik sind Untererfüllungen zu erwarten. Vor allem bei Projekten, die nicht an Auktionen teilnehmen müssen, war der Ausbau in der Vergangenheit deutlich langsamer als er im Sinne der neuen EEG-Ziele in den kommenden Jahren sein müsste. Bis 2030 könnten aus diesem Grund bis zu zehn Gigawatt Photovoltaikkapazitäten fehlen.

Steigender Stromverbrauch

Die fehlenden Erneuerbaren-Kapazitäten sind aber laut Aurora Energy Research nicht der einzige Faktor, der das Erreichen des 65-Prozent-Ziels unwahrscheinlich macht.

Dazu kommt die Entwicklung des Stromverbrauchs, der immer weiter steigt, da im Rahmen des Klimaschutzprogramms immer mehr Sektoren elektrifiziert werden sollen. Die 580 Terrawattstunden Brutto-Stromnachfrage, die das BMWi für 2030 prognostiziert und auf denen die gesamten EEG-Planungen beruhen, sind daher zu niedrig angesetzt. Aurora Energy Research geht von 630 Terrawattstunden aus. Die BnetzA, das EWI und andere Institutionen erwarten eine ähnliche oder sogar noch höhere Nachfrage bis 2030.

Nimmt man nun die 630 Terrawattstunden als realistischere Prognose für den Stromverbrauch, reichen schon die Zielvorgaben des EEG gerade mal für 62 Prozent Erneuerbaren-Anteil – wenn es trotz der oben beschriebenen Probleme gelingen sollte, die vorgesehenen Kapazitäten bis 2030 tatsächlich zu schaffen. Geht man von dem schlimmsten Fall aus, dass die genannten Lücken alle eintreten, würde der Erneuerbaren-Anteil nur bei 54 Prozent liegen – und damit weit weg vom 65-Prozent-Ziel.

Marktbasierter Ausbau der erneuerbaren Energien

Laut des neuen EEG soll der Ausbau der erneuerbaren Energien künftig „so weit wie möglich marktgetrieben“ erfolgen. Die Analyse von Aurora Energy Research zeigt aber, dass ohne Subventionen das 65-Prozent-Ziel in noch weitere Ferne rückt.

Würde zum Beispiel ab 2027 nur noch marktbasiert ausgebaut, erreichten die Erneuerbaren bis 2030 49 Prozent Anteil am Stromverbrauch. Für ein solcher Ausbau ist es vor allem wichtig, dass die Anlagenbetreiber ausreichend Erlöse aus dem Stromverkauf erwarten können. Aber je mehr Erneuerbare im Markt sind, desto stärker wird die Preis-Kannibalisierung.

Laut der Analyse von Aurora Energy Research bleibt ein marktgetriebener Erneuerbaren-Ausbau ohne Subventionen zwar möglich, wird aber sehr wahrscheinlich nicht ausreichend sein, um das 65-Prozent-Ziel zu erreichen.

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