Wüstenstrom verbindet

Ein gemeinsamer Stromverbund für Nordafrika, den Nahen Osten und Europa (EUMENA) bringt allen Beteiligten deutliche Vorteile. Dies ist das zentrale Ergebnis der Studie „Desert Power 2050“ der Desertec Industrieinitiative (Dii), die mit ihren 57 Partnern aus 15 Ländern die Desertec Vision Realität werden lässt.

„Eine CO2-freie und nachhaltige Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien erreichen wir am besten durch Zusammenarbeit zwischen den Menschen in Europa und auf beiden Seiten des Mittelmeers. Hier muss ein Markt entstehen. Mit Wind und Sonne lassen wir das fossile Energiezeitalter gemeinsam hinter uns und verwirklichen die Desertec Vision“, macht Dii-Geschäftsführer Paul van Son deutlich.

Wind und Sonne spielen 2050 die zentrale Rolle
„Desert Power 2050“ zeigt, dass die reichlich vorhandenen Sonnen- und Windressourcen in der EUMENA-Region einen gemeinsamen Stromverbund mit einem Anteil von über 90 Prozent erneuerbaren Energien möglich machen. Zum Vorteil aller Beteiligten: Die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens (MENA) könnten ihren wachsenden Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken und mit dem überschüssigen Strom eine Exportindustrie aufbauen. Durch den Import von bis zu 20 Prozent seines Stroms aus den Wüsten hat Europa laut Dii die Chance, pro Megawattstunde Wüstenstrom 30 Euro zu sparen. Dadurch können auch die EU-Klimaschutzziele auf eine kostengünstige Weise erfolgreich umgesetzt werden.

Nord und Süd würden die Kraftzentren des Stromverbunds, getragen von Wind- und Wasserkraft in Skandinavien sowie Wind- und Sonnenenergie in der MENA-Region. Wind und Sonne spielten im gemeinsamen Energiemix mit einem Anteil von rund der Hälfte beziehungsweise einem Viertel die zentrale Rolle. Angebot und Nachfrage ergänzen sich nach den Ergebnissen von „Desert Power 2050“ in idealer Weise sowohl räumlich als auch zeitlich. So wird die MENA-Region mit ihrem über das Jahr stabilen Angebot an Solarenergie den Stromverbrauch während des kalten Winters in Europa mit decken können, ohne dass dort teure Überkapazitäten aufgebaut werden müssen. Ein weiterer Effekt des Stromverbunds ist die verbesserte Versorgungssicherheit für alle beteiligten Länder. In einem auf erneuerbaren Energien basierenden Verbund würde die Selbstversorgung dominieren, ergänzt durch preisgünstige Importe aus Süd und Nord.

Netzausbau dringend notwendig
„Erneuerbare Energie in den Gebieten mit den besten Ressourcen zu erzeugen und von dort in nachfragestarke Regionen zu bringen – das ist die gemeinsame Zukunft der EUMENA-Region und dafür müssen jetzt die Grundlagen geschaffen werden“, betont Dii-Geschäftsführerin Aglaia Wieland und setzt hinzu: „Netzausbau über nationale Grenzen hinaus und die Schaffung eines regulatorischen Rahmens für Wüstenstrom sind die wichtigsten Themen für die nächsten Jahre. Die heute zu treffenden politischen Entscheidungen werden bestimmen, ob der Weg zu einem nachhaltigen Stromverbund erfolgreich beschritten wird.

Dii-Referenzprojekte in den Maghreb-Staaten erreichen Volumen von 2,5 Gigawatt
Dii bereitet in Marokko, Algerien und Tunesien Referenzprojekte in einer Größenordnung von 2,5 Gigawatt vor. Davon entfallen aktuell 500 Megawatt auf Marokko. Die Hälfte dieses Vorhabens ist bereits mit 150 Megawatt Solarthermie und 100 Megawatt Photovoltaik und Wind genauer definiert. 2014 soll in diesen Anlagen der erste Strom erzeugt werden. Die Planungen für Algerien und Tunesien belaufen sich auf jeweils ein Gigawatt. Die Basis für alle Referenzprojekte sind Länderstrategien, die von Dii in enger Zusammenarbeit mit Verantwortlichen und Partnern vor Ort entwickelt werden.

Dii Desert Energy Conference

Vom 7. bis 9. November 2012 veranstaltet Dii im Auswärtigen Amt in Berlin die 3. Dii Desert Energy Conference. Rund 500 internationale Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft werden dort über Netzausbau, Kostensenkung bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und deren Marktintegrationdiskutieren. Das Konferenzprogramm ist unter www.dii-eumena.com/conference/program einsehbar.

Im Zusammenhang mit der Konferenz schreibt Dii erstmals Stipendien für fünf junge Journalisten aus Nordafrika und dem Nahen Osten aus, um ihnen einen Besuch der Konferenz zu ermöglichen. Bereits zum zweiten Mal prämiert Dii mit dem Desertec Best Paper Award herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Akademiker im Zusammenhang mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien in Nordafrika, dem Nahen Osten und Europa. Der Preis wird erneut gemeinsam mit dem Desertec University Network ausgelobt, das wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Erneuerbaren fördert. Die Autoren der vier besten Arbeiten werden zur 3. Desert Energy Conference eingeladen. Beide Ausschreibungen laufen bis zum 8. Oktober 2012.

Daniela Becker

1 Kommentar