Solargekühlte Spielstätten geplant

Doha (Hauptstadt von Katar)

Anfang 2015 werden die Aufträge für die zwölf Fußballstadien vergeben, die das Emirat Katar für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) 2022 bauen will – das Rennen um eine Beteiligung hat schon begonnen. Spannend bleibt nicht nur die Frage, wer die Zuschläge bekommt, sondern auch, ob die Stadien tatsächlich, wie angekündigt, mit erneuerbaren Energien gekühlt werden. Katar könnte damit der Solarenergie auf der Arabischen Halbinsel zum Durchbruch verhelfen.

Offen bleibt unterdessen die Frage, ob die WM 2022 tatsächlich im heißen Sommer stattfindet oder nicht vielleicht doch im kühleren Winter. Würden die Spiele im Winter durchgeführt, bräuchten die Stadien nicht klimatisiert zu werden. In seiner Bewerbung hatte Katar versprochen, alle Stadien mit Hilfe erneuerbarer Energien auf erträgliche Temperaturen herunter kühlen zu wollen.

Temperaturen auch nachts nicht unter 30 Grad

Einfach ist das nicht: Die Temperaturen fallen in Katar im Juni und Juli am Nachmittag selten unter 37 Grad und auch nachts sind noch 31 Grad üblich. Dabei müssten nicht nur die großen Stadien gekühlt werden, sondern auch möglichste viele andere Infrastruktureinrichtungen wie zum Beispiel Trainingsplätze, Fan Zones und die Zugangswege von den Bus- und Bahnstationen zu den Spielstätten.

Nach Informationen der MEED-Gruppe, die Informationen zu Geschäften in Nahost veröffentlicht, sind die technischen Herausforderungen enorm. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach eine Reihe von Lösungsansätzen. So könnten Solarparks gebaut und an die Stadien sowie das Stromnetz angeschlossen werden. Sie könnten dann große Klimaanlagen betreiben und die Beleuchtung sicherstellen. Die Erzeugungsleistung wird in Spitzenzeiten durch Biodiesel-Generatoren ergänzt.

Weil auch das nicht ausreicht, müssten konventionelle Kraftwerke hinzugezogen werden. Über das Jahr betrachtet, entspräche jedoch der durch erneuerbare Energien erzeugte Strom per Saldo dem Stromverbrauch der Stadien.

WM 2022: Nachhaltig gekühlte Sommerspiele

Ingenieure von Arup Associates haben bereits ein 500 Sitzplätze großes Modellstadion in Doha gebaut, das unter anderem mit Hilfe von Photovoltaik-Kollektoren gekühlt wird. So wie im deutschen Winter die Autositze geheizt, sollen im katarischen Sommer die Stadionsitze gekühlt werden.

Wie auch immer die Kühlungsfragen technisch gelöst werden, für die internationale Solarindustrie und Anbieter energiesparender Techniken wäre eine CO2-freie WM 2022 in Katar eine hervorragende Plattform, die Leistungsfähigkeit des Sektors unter Beweis zu stellen. Die Chancen sind gut: Katar hat nachhaltig gekühlte Sommerspiele versprochen. Ein Zurück gäbe es nur mit einem Gesichtsverlust. Für die kleine, aber stolze Nation keine akzeptable Option.

Daniel Seemann

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