Wie sieht der Strommarkt von morgen aus?

Wie könnte der Strommarkt der Zukunft aussehen?

Die Bundesregierung steht 2015 vor wichtigen Entscheidungen: Wie soll und muss künftig der Strommarkt aussehen, damit die Energiewende zum Erfolg wird und Deutschland auch morgen zuverlässig, kosteneffizient und umweltverträglich mit Energie versorgt werden kann? Bei dieser Frage geht es besonders um den Umbau des deutschen Kraftwerkparks und die Umgestaltung des Strommarkts. Denn beides ist für ein Gelingen der Energiewende von zentraler Bedeutung, sind sich Energieexperten sicher. Nun haben Wissenschaftler ein Konzept erarbeitet, das den deutschen Strommarkt revolutionieren könnte.

Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und die Firma Energy Brainpool wollen diese Woche ein gemeinsames Konzept vorstellen, das helfen soll, den Strommarkt in Deutschland besser an die momentanen radikalen Änderungen des deutschen Kraftwerkparks (von konventionellen Kraftwerken zu immer mehr Erneuerbaren) anzupassen und damit zum weiteren Erfolg der Energiewende beizutragen. Das berichtete das Magazin „Spiegel Online“ vergangenen Samstag.

Die Entwickler des Konzepts sind sich einig, dass der Strommarkt der Zukunft besonders flexibel auf mögliche Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage reagieren müsste. In dem Entwurf der Studie, die vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Auftrag gegeben wurde, ist deshalb von einer „Flexibilisierung“ die Rede. Diese für den Strommarkt umzusetzen sei von zentraler Bedeutung für die Energiewende.

Vor dem Umstieg auf die Erneuerbaren erzeugten einige große Kraftwerke den größten Teil der Leistung. Um vorübergehende Schwankungen auszugleichen, die beispielsweise in Zeiten größerer Nachfrage auftraten, wurden kleinere Gaskraftwerke eingesetzt. Dieses relativ statische System reichte früher völlig aus. Doch mit dem steigenden Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Kraftwerkpark gab es plötzlich wesentlich mehr kleinere Kraftwerke die, stark abhängig von Umwelteinflüssen wie Wind und Wetter, Strom erzeugen. Dadurch entstehen heute viel mehr Netzschwankungen.

Die Forscher vom Fraunhofer IWES und Energy Brainpool sind der Auffassung, dass die mangelnde Anpassung an diese Entwicklung momentan eines der größten Probleme des deutschen Strommarktes ist. Um es zu lösen und aus dem heutigen einen „flexibilisierten“ Strommarkt der Zukunft zu machen, haben sie folgendes Konzept erarbeitet:

Die Strompreise sollen künftig kontinuierlich an Angebot und Nachfrage angepasst werden. Sobald ein Strom- Überangebot herrscht, soll der Strompreis deutlich sinken. Wenn dagegen die Nachfrage größer als das Angebot ist, sollen die Preise deutlich steigen. Damit sollen die Menschen in Zeiten eines Überangebots dazu gebracht werden mehr Energie zu verbrauchen und im Gegenzug Energie zu sparen, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Über die Anpassung von drei Umlagen, die auf jeder Stromrechnung auftauchen, soll der Strompreis gesteuert werden. Die EEG- Umlage, die Netzentgelte und den Kraft- Wärme- Kopplungsbonus. Bei einem Überangebot werden alle drei Umlagen gesenkt, bei einem Unterangebot dagegen erhöht. So würde der Strom für die Endverbraucher entweder billiger oder teurer werden. Um dieses System umzusetzen, so sehen es die Wissenschaftler, müssten allerdings möglichst viele große Verbraucher und Versorger in Echtzeit miteinander kommunizieren können. Wie das gelingen soll, ist bislang allerdings noch nicht bekannt.

Durch dieses Konzept würde der Strommarkt deutlich flexibler, so das Fazit der Wissenschaftler. Außerdem würde es wahrscheinlich dazu führen, dass Technologien entwickelt werden, die Stromproduktion und -nachfrage stärker aufeinander abstimmen. Ein weiterer Vorteil: Da konventionelle Kraftwerke viel zu unflexibel auf das immer öfter stark schwankende Stromangebot reagieren, könnten diese sich nur schlecht an das neue System anpassen. Damit würden sie zunehmend unrentabel und infolgedessen wahrscheinlich abgeschaltet werden.

Ob und wann dieses Konzept umgesetzt wird, muss nun die Politik entscheiden. Auch ist bislang unklar, ob es gesetzliche Änderungen geben müsste, um das Projekt zu realisieren, 

1 Kommentar

  • Es ist bestimmt eine große, aber auch eine sicher lohnende Herausforderung, diese „Vernetzung“ und Abstimmung technisch umzusetzen. In Zeiten von boomenden Wearables und immer stärker voranschreitender Digitalisierung in der Wirtschaft würde ich das aber nicht für unmöglich halten. Nur müssen – wie der Autor schon gesagt hat – Politik und Wissenschaft mal präzisieren, wie sie sich die Umsetzung vorgestellt haben.