Welchen Beitrag Geodaten für eine erfolgreiche Energiewende leisten können

Daniel Priem, Senior Expert Mobility & Sustainable Cities bei Ubilabs, erklärt an fünf Beispielen, wie Erkenntnisse aus dem Bereich Location Intelligence zum wesentlichen Erfolgsfaktor für eine zeitnahe Energiewende werden können.

Location Intelligence bezeichnet die Sammlung, Aufbereitung und Analyse von Daten in räumlichen Zusammenhängen, sogenannten Geodaten. Aus diesen ortsbezogenen Daten lassen sich zahlreiche Erkenntnisse gewinnen, die für eine Vielzahl von Branchen relevant sind – insbesondere, wenn es um die Planung und Verwaltung von Infrastrukturen oder Mobilität geht. Hieraus wiederum ergibt sich ein großes Potenzial für Lösungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit oder Umweltschutz. Im Folgenden soll an fünf Bereichen beispielhaft aufgezeigt werden, wie Erkenntnisse aus Geodaten die Energiewende schneller zum Erfolg führen können.

Energieeffiziente Stadtplanung

Im Zusammenhang mit der Energiewende sind Städteplaner:innen mit besonders komplexen Fragen konfrontiert. Für sie gilt es, das soziale und berufliche Leben der Stadtbewohner:innen möglichst ressourcenschonend zu ermöglichen. Wohnungen und Büroflächen, Industrie und Verkehr, Grünanlagen und Freizeitangebote müssen mit dem Umweltschutz in Einklang gebracht werden.

Geodaten-basierte Planungstools können einen entscheidenden Beitrag für den nachhaltigen Infrastrukturausbau leisten. Sie unterstützen bei der energieeffizienten Planung von Neubauten genauso wie bei der zukunftsfähigen Gestaltung des öffentlichen Verkehrs. So lassen sich durch die Aufbereitung, Analyse und Visualisierung standortbezogener Daten unter anderem folgende Fragen beantworten: „Welche Gebäudeausrichtung ist besonders energieeffizient“, „Wo lohnt sich die Installation von Sonnenkollektoren oder Photovoltaikanlagen“, „Wo und wann werden öffentliche Verkehrsmittel besonders nachgefragt“, „Wo werden mehr Radwege benötigt“ oder „Wie lässt sich die Verkehrsbelastung im Stadtzentrum reduzieren“. All diese Antworten helfen Städten dabei, ihren Bewohner:innen ein Energie- und Ressourcen-sparendes Leben zu ermöglichen.

Reduzierung von CO2-Emissionen

Wenn es um die Reduzierung von CO2-Emissionen geht, ist das „Carbon Accounting“ ein wichtiger erster Schritt: Auf Basis von Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks kann eine fundierte Analyse von CO2-Einsparungspotenzialen erfolgen – sei es um emissionsärmere Bau- und Produktionsprozesse, optimale Transport- und Lieferwege oder ressourcenschonendere Entsorgungsmöglichkeiten zu erreichen.

Location Intelligence ermöglicht darüber hinaus eine klimafreundliche Standort- und Einsatzplanung, die Verkehrswege genauso berücksichtigt wie Sonneneinstrahlung oder andere ortsbezogene Charakteristika. Gänzlich unverzichtbar sind Geodaten für eine optimale, emissionsarme Routenplanung. Sie lassen sich zudem mit aktuellen Wetter-, Verkehrs- oder Veranstaltungsinformationen zusammenführen und über interaktive Tools auch für untrainierte Anwender:innen nutzbar machen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Firma Boschung arbeitet seit einigen Jahren mit einer mobilen RWIS-App (Road Weather Information System). Diese von Ubilabs entwickelte App visualisiert Messdaten von Wetterstationen an Straßen und Flughäfen auf einer interaktiven Google-Karte – so können sich Disponent:innen und Fahrer:innen von Räumfahrzeugen sofort auf veränderte Straßenverhältnisse einstellen und den gezielten Einsatz von Schneepflügen, Kehrmaschinen und Enteisern optimal und möglichst ressourcenschonend planen. 

Mobilitätswende

Eine wirksame Energiewende kann nur durch eine gleichzeitige Mobilitätswende gelingen. Für diese ist die Ablösung von Verbrennungs- durch umweltfreundliche Elektromotoren ein wichtiger Grundpfeiler. Neue Mobilitätskonzepte gehen jedoch weit darüber hinaus. Sie zielen darauf ab, das Auto (insbesondere in Städten) zunehmend durch umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie Fahrräder oder Elektrofahrräder zu ersetzen. Auch der bedarfsgerechte Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs oder das betriebliche Mobilitätsmanagement gehören zu den Zielen der neuen Mobilität. Ein weiterer wichtiger Pfeiler sind Shared-Mobility-Konzepte wie Car- oder Bikesharing sowie Mitfahrzentralen.

Beim Thema Mobilität ist die Location Intelligence bei ihrer Kernkompetenz angelangt: der Auswertung ortsbezogener Informationen und Bewegungsdaten. Die Aufbereitung, Analyse und Visualisierung von Geodaten liefert wesentliche Erkenntnisse, um Mobilitätsangebote gleichermaßen benutzerfreundlich und wirtschaftlich zu gestalten. Sei es ein bedarfsgerechtes Flottenmanagement, die optimale Einsatzplanung des ÖPNV, der Ausbau von Ladeinfrastrukturen oder die Routenoptimierung für E-Fahrzeuge. Leicht verständliche Dashboards beantworten unter anderem Fragen wie „Wo sind Ladesäulen am meisten ausgelastet“, „Zu welchen Zeiten kommt es an welchen Orten zu Engpässen bzw. einem Überangebot“, „An welchen Standorten werden Car-Sharing-Angebote besonders selten bzw. besonders häufig nachgefragt“ oder „Auf welcher Route komme ich mit meinem E-Fahrzeug am schnellsten ans Ziel“.

Erhöhung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energiequellen

Kommen wir zum meistdiskutierten Dreh- und Angelpunkt der Energiewende, dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Betreiber von Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Photovoltaiksystemen stehen vor der Herausforderung, ihre kostenintensiven, stetig wachsenden Anlagen effizient zu verwalten, zu warten und zu optimieren. Auch hierbei können Geodaten einen entscheidenden Beitrag leisten.

So lassen sich mithilfe von Dashboards die einzelnen – geplanten oder bereits existierenden – Anlagen erfassen, mit Klima- sowie weiteren relevanten Standortdaten zusammenführen und nutzerfreundlich visualisieren. Die daraus resultierenden Erkenntnisse helfen bei der Auswahl und Potenzialanalyse idealer Standorte für Wind- oder Solarparks. Genauso tragen sie aber auch zur Steigerung ihrer Wirtschaftlichkeit bei. Von der Menge des Stromertrags über Wartungsinformationen bis hin zu vorausschauenden Performanceprognosen: In puncto Effizienzsteigerung kann die Aggregation von Daten eine große Bandbreite noch nicht erschlossener Potenziale freisetzen.

Andererseits haben solche Dashboards auch für die Wartung einen ganz praktischen Nutzen. Anhand der Analysen lassen sich Servicetechniker gezielt dort einsetzen, wo sie gebraucht werden.

Überzeugungsarbeit und Marketing

Die Energiewende geht mit gravierenden Änderungen im Alltag einher und lässt sich daher ohne das Engagement der Bevölkerung nicht bewältigen. Dies wiederum setzt ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und die Herausforderungen des Klimaschutzes voraus. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Verbraucher:innen zukünftig bewusstere Entscheidungen treffen – und im Sinne des Klimaschutzes die ein oder andere Einschränkung akzeptieren. Daher sollte die Bedeutung allgemeinverständlich aufbereiteter Informationen nicht unterschätzt werden – ein weiterer Bereich, bei dem Location Intelligence einen wichtigen Beitrag leisten kann.

Auch hier sind die Anwendungsmöglichkeiten vielfältig. Sie beginnen bei der Aufklärung der Öffentlichkeit zum Thema Klimawandel – bekannte Beispiele hierfür sind die interaktive Klimakarte der ARD oder die Visualisierung ökologischer Zusammenhänge im „Climate from Space“-Projekt der ESA, die beide von Ubilabs umgesetzt wurden.  Und sie reichen bis hin zum Marketing im Bereich regenerative Energien. Denn auch die gezielte Ansprache von Interessent:innen trägt zum bevölkerungsweiten Umstieg auf klimafreundliche Energiequellen und zur Änderung von Verhaltensmustern bei. So könnten zum Beispiel Hersteller von Photovoltaiksystemen mit Hilfe webbasierter Tools potenziellen Neukund:innen eine individuelle Potenzialanalyse anbieten, mit der sich die Leistung und Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage am eigenen Gebäude vorausbestimmen ließe.

Kurz: Die vorausschauende Planung und effiziente Verwaltung von relevanten Infrastrukturen ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Thema Energiewende. Ortsbezogene Daten spielen bei allen Standort- und Mobilitäts-Fragen eine zentrale Rolle. Ein Punkt ist zudem von besonderer Bedeutung: Die genauesten Analysen helfen wenig, wenn sie für Anwender:innen zu komplex und unverständlich sind. Daher sollte immer ein großes Augenmerk auf die Entwicklung leicht verständlicher, intuitiv nutzbarer Dashboards gelegt werden – wobei sich im Falle von ortsbezogenen Informationen Kartenanwendungen naturgemäß besonders eignen, um Zusammenhänge auf einen Blick klarzumachen.

Bildquelle und ©: Ubilabs

Unterstützen sie das Clean Energy Project

Wir empfehlen den neuen Brave Browser.
Er ist schnell und bietet Privatsphäre:
BRAVE
Mit Brave unterstützen Sie auch das CleanEnergy Project.
Einfach und unkompliziert.

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Magazin für Menschen auf der Suche nach Informationen über Nachhaltigkeit.

Autoren, die über Nachhaltigkeit berichten und sich unserem Team anschließen möchten, sind herzlich willkommen.

 


CleanEnergy Project is supported by GlobalCom PR Network, an international alliance of public relations agencies.