Warum wir einen zyklischen Ansatz auf dem Weg zur Nachhaltigkeit brauchen

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren Nachhaltigkeitssziele gesetzt und ihre Bemühungen verstärkt. Jedoch mangelt es noch häufig bei der Umsetzung und Verwirklichung der Strategien – so die Einschätzung von Corey Glickman, VP – Global Head, Sustainability und Design Consulting Services bei Infosys. In diesem Gastbeitrag erläutert er, welche vier Bereiche für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitstransformation bedacht werden müssen und warum Unternehmen auf einen zyklischen Ansatz setzen sollten.

Eine weltweite Studie von McKinsey auf dem Jahr 2020 belegt: Führungskräfte und Investmentexperten sind sich weitgehend einig, dass ESG-Programme (Environment, Social, Governance) kurz- und langfristig signifikante Mehrwerte schaffen[i]. Zahlreiche Unternehmen haben mittlerweile – insbesondere seit 2020 – eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und den Wandel angestoßen. Allerdings geraten viele von ihnen bei der Planung und Umsetzung oftmals ins Stocken.

Zusagen oder Bemühungen zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen, des Kunststoffverbrauchs oder des Abfallaufkommens tragen nur wenig zu einem langfristigen Engagement zur Rettung des Planeten bei. Mittlerweile sehen sich viele Unternehmen mit strikten gesetzlichen Kontrollen, aktivistischen Investoren und dem Druck der Öffentlichkeit konfrontiert. Zweifellos könnten Firmen mehr unternehmen, um ein echtes ESG-Engagement zu demonstrieren. So lange Organisationen nicht in der Lage sind, dies nachzuweisen, werden ihre Nachhaltigkeitsbemühungen oftmals als „Greenwashing“ abgetan. Das Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal geht davon aus, dass 2022 in Europa vor allem von aktivistischen Investoren vorangetriebene Kampagnen geben wird[ii].

Eine holistische Nachhaltigkeitsreise aufbauen

Eine glaubwürdige Nachhaltigkeitstransformation erfordert einen zyklischen Ansatz, der vier Bereiche berücksichtigen sollte: Daten, Finanzen, Technologie und Kultur. Eine 360°-Sicht auf Nachhaltigkeit erfordert ein Zusammenspiel zwischen diesen vier Säulen.

Daten

Eine umfassende Auswertung verschiedener Datensätze – einschließlich Energieverbrauch, CO2-Fußabdruck und Abfallaufkommen – ist ein logischer Ausgangspunkt für Nachhaltigkeitsentscheidungen. Auf diese Weise sind Organisationen in der Lage, ihre bestehenden Nachhaltigkeitsleistungen genau mit spezifischen Zielen oder gar mit denen ihrer Wettbewerber zu vergleichen. Damit Firmen ein ganzheitliches Verständnis ihrer aktuellen Nachhaltigkeitsbemühungen erhalten, sollten Daten von verschiedenen Akteuren der Wertschöpfungskette gesammelt werden. Dazu gehören Lieferanten, Verkäufer und Partner. Während des gesamten Prozesses der Datenerfassung ist es wichtig, dass eine dritte, unabhängige Partei die Informationen zu Diversität, Unternehmensführung und nachhaltigen Entwicklungszielen meldet und prüft.

Finanzen

Keine Veränderung darf auf Kosten der Existenzfähigkeit des Unternehmens gehen. Daher müssen ESG und finanzielle Leistung zusammen betrachtet werden. Darüber hinaus müssen Organisationen sich an sich ändernde Vorschriften halten und gleichzeitig die Interessen der Aktionäre wahren. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ESG auf Kosten des Gewinns geht. Unternehmen müssen allerdings angemessen vorausplanen, um sicherzustellen, dass ihre ESG-Verpflichtungen kommerziell tragfähig sind.

Technologie

Technologie unterstützt einen reibungslosen Datenfluss und birgt das Potenzial, Dekarbonisierungs- und andere Nachhaltigkeitsprogramme neu zu konzipieren, um eine größere Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig werden immer mehr Geschäftsbereiche in die Cloud verlagert. Unternehmen müssen sich allerdings im Klaren sein, dass die Cloud selbst ein Energiefresser sein kann. Um dennoch nachhaltig zu operieren, empfiehlt sich die Kooperation mit Hyperscalern, die Einrichtungen mit einem möglichst geringen CO2-Fußabdruck anbieten. Ein Beispiel dafür ist Daimler: Der Automobilkonzern ist in eines der umweltfreundlichsten Rechenzentren Europas umgezogen, um bei seiner Nachhaltigkeitsmission einen großen Schritt voranzukommen[iii].

Kultur

Die kulturelle Bereitschaft zum Wandel innerhalb eines Unternehmens variiert je nach Geschäftsentscheidungen, die sich wiederum auf die Beziehungen zu den wichtigsten Stakeholdern auswirken. Ein kultureller Wandel muss auf allen Ebenen – Verbraucher, Belegschaft, Vorstandsmitglieder, Lieferkette etc. – vom ersten Tag an stattfinden. Ein Automobilhersteller könnte beispielsweise beschließen, Fahrzeuge mit längerer Lebensdauer zu produzieren und gleichzeitig den Energieverbrauch in seinen Fabriken zu senken. Verfügen Produktionsleiter nicht über ein Geschäftsmodell, das die Umstellung der Betriebsabläufe unterstützt, werden sie sich unter Druck gesetzt fühlen, diese Ziele zu erreichen. Gleichzeitig sind sie den Aktionären gegenüber rechenschaftspflichtig – und widersetzen sich daher dem Wandel.

Umsetzung des zyklischen Nachhaltigkeitsansatzes

Organisationen müssen den Übergang zur Nachhaltigkeit auf Grundlage eines genauen Verständnisses der Geschäftstätigkeit, der Reife der Wertschöpfungskette und der Transparenz der Berichterstattung planen und umsetzen, um eine Bewertung durch Investoren zu ermöglichen. Nachhaltigkeitspläne sollten zukunftsorientiert sein sowie klare Messgrößen und wissenschaftlich fundierten Ziele enthalten. Außerdem müssen Wachstumspläne und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen und sich gegenseitig beschleunigen.

Die „Ökologisierung“ physischer und digitaler Ressourcen – von Bürogebäuden und Transportmitteln bis hin zu Code, Datenspeicherung und virtuellen Umgebungen – ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung ganzheitlicher Nachhaltigkeit. Ein signifikanter Teil des Übergangs ist die Auswahl umweltfreundlicher Anbieter, die mit den Werten der jeweiligen Organisation übereinstimmen. Ein Bergbauunternehmen könnte sich beispielsweise für einen Anbieter entscheiden, der ausschließlich E-Fahrzeuge einsetzt. Eine Firma, die Computerhardware und Drucker vertreibt, könnte neue Geschäftsmodelle erforschen, die Anwender dazu ermutigen, ihre Produkte länger zu nutzen. Sie könnten ihren Kunden auch datenbasierte Einblicke bieten, die ihnen helfen, ihren CO2-Fußabdruck oder ihren Energieverbrauch zu verstehen.

Auch wenn diese Entscheidungen nicht einfach sind, zeigen Studien, dass ESG-Programme zum Shareholder Value beitragen. Aus diesem Grund sollten sich Firmen bemühen, aktiv an der Kohlenstoffwirtschaft teilzunehmen – und zwar durch praktikable Ausgleichsstrategien, die den Kohlenstoffhandel, die Finanzierung grüner Anleihen und CSR einschließen.

Der wohl wichtigste Schritt ist der Aufbau einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Kultur. Nur dann werden all diese Bemühungen zusammengeführt und sichergestellt, dass der Übergang der Unternehmen zu einer nachhaltigen Organisation vollständig und ganzheitlich ist.

Ouelle und © Foto Corey Glickman: Infosys

[i] https://www.mckinsey.com/business-functions/sustainability/our-insights/the-esg-premium-new-perspectives-on-value-and-performance
[ii] https://www.alvarezandmarsal.com/sites/default/files/2021-12/A&M%20Activist%20Alert%20(AAA)%20Forecast%20and%20outlook%20for%202022_0.pdf
[iii] https://www.hpcwire.com/off-the-wire/infosys-collaborates-with-one-of-europes-greenest-datacenters-to-accelerate-daimlers-transition-to-sustainable-mobility/

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