Von der Seefahrt abgeguckt

Erneuerbare Energien gibt es im Überfluss, fossile Quellen hingegen werden irgendwann erschöpft sein. Eine wohl mittlerweile allen bekannte Aussage! Das Problem ist nur, dass erneuerbare Energien nicht immer verfügbar sind. Photovoltaik ist nur möglich, wenn die Sonne scheint und Windkraftanlagen machen nur Sinn, wenn es draußen windig ist.

Eine Lösung, um diese Energiequellen auszuschöpfen, genau dann, wenn sie verfügbar sind, zeigt uns die Schifffahrt. Genau vor unserer Nase, am Urlaubsort am Meer beispielsweise, fahren völlig autarke Schiffe – frei und unabhängig vom Stromnetz, ausgestattet mit jedem erdenklichen Komfort. Sie brauchen keinen Stromanschluss, um ihren Kühlschränken angenehm temperierte Getränke zu entlocken oder sich die Zeit auf hoher See mit dem ein oder anderen Filmvergnügen zu vertreiben. Bei genauer Betrachtung dieser Schiffe fallen die Solarzellen und die kleinen Windräder auf, die sich stetig drehen und dabei kaum ein Geräusch von sich geben.

Genau dieser multiple Nutzen macht die Segler der Meere so unabhängig. Längst vergessen sind die Zeiten, in denen laute Dieselgeneratoren für den nötigen Strom und damit für den gewünschten Luxus sorgten. Schließlich ist es das, was jedes Seglerherz für einen gelungenen Urlaub benötigt: Wind und Sonne. Eines von beidem ist fast immer verfügbar und warum nicht einen doppelten Nutzen daraus schlagen? Wind ist schließlich nicht nur zum Segeln da und die Sonne hat noch weitaus mehr Nutzen, als sich unter ihrer Glut die Haut zu bräunen. Wenige Quadratmeter Solarpaneele reichen einem Segelschiff, genügend Strom zu produzieren, um unabhängig vom Stromnetz alle Vorzüge der unsichtbaren Elektrizität zu genießen. Und ist der Himmel einmal bedeckt, so weht bestimmt das ein oder andere Lüftchen, um die Rotoren des Windrades zur Stromproduktion anzuheizen.

In diesem Mix der Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung liegt aber nicht nur der Schlüssel für Segelschiffe, auch für die Landbewohner bietet eine Kombination der unterschiedlichen Energiequellen eine rundum befriedigende Lösung. Die massiven Förderprogramme gaukeln dem ambitionierten Bürger vor, sich lediglich auf eine dieser Lösungen zu stürzen. Ein Energiemix hingegen verspricht wesentliche Vorteile, die vielen verschlossen bleiben. Warum nicht Solarkollektoren auf dem Dach mit einer Windkraftanlagen im Garten kombinieren? Kommt dann noch das Ausnutzen der Erdwärme hinzu, ist man garantiert gänzlich von fossilen Energien unabhängig.

Judith Schomaker

2 Bemerkungen

  • Zu deinem Beitrag ist anzumerken, dass das auf den Segelbooten nur funktioniert, weil mit der elektrischen Energie auch im Verbrauch äußerst sparsam umgegangen wird. So wird beispielsweise der Kühlschrank eigentlich nur im Hafen oder bei Motorfahrt heruntergekühlt (gefrorene Eier am Morgen können vorkommen) und während des Segelns abgeschaltet. Da er wie eine Kühltruhe nach oben öffnet, hält er die Kälte lange. Zum Kochen wird sowieso Gas verwendet.

    Eigentlich hat man während des Segelns als Stromverbraucher nur den GPS-Empfänger (heute meist mit großem bunten Bildschirm und Seekartendarstellung), das Funkgerät und nachts die Positionslaternen. Das geht auch, weil es beim Schiffsbau nicht so sehr auf das Gewicht ankommt und daher unter Deck fette Akkumulatoren (Größenordnung: Nennkapazität 350 Ah, Nutzkapazität 200 Ah) installiert werden können. Nautische Energiefresser sind vor allem das Radar, gefolgt vom Autopilot. In Situationen, in denen man auf das Radar angewiesen ist, läuft der Motor allerdings meist aus Sicherheitsgründen sowieso schon. Es nutzt beim Segeln aufgrund der Schieflage des Schiffes auch nicht so viel wie bei der Motorfahrt: Auf der einen Seite sieht man zuviel Wasser, auf der Anderen zuviel Himmel. Auch ein Autopilot ist kein klassisches Hilfsmittel des Seglers, erstens weil Segler Puristen sind, zweitens weil er den Kurs relativ zum Kompass hält, und nicht relativ zum Wind.

    Eine elektrische Ankerwinde hat (bei 12 Volt) 100 Ampere Anschlussleistung und sollte nur bei laufendem Motor im Leerlauf mit ausreichend Gas bedient werden.

  • Ich denke, was wir von der Seefahrt lernen können, ist vor allem der sparsame Umgang mit Energie, das bedeutet, mehr mit der Sonne zu leben (auf dem Wasser stellt sich das von alleine ein), wenige Räume mit hohem Nutzwert zu schaffen und: Mitdenken. Auch hier ist noch viel zu tun. Auf einer Yacht hat man die Schalttafel mit den Hauptschaltern aller elektrischen Verbraucher immer vor Augen. Das ließ mich gerade mal einen Rundgang durch meine Wohnung machen: In der Küche brannte die volle Illumination, die Kaffeemaschine stand im vorgeheizten Modus. Wozu? Ich hatte meinen Kaffee heute bereits getrunken und sitze im Wohnzimmer am PC.

    Ob es funktionieren würde, den Kühlschrank tagsüber abzuklemmen und von 23 bis sechs Uhr auf kälteste Stufe kühlen zu lassen? Oder ob dann mein Eis zwischendurch antaut? Es käme auf einen Versuch an. Für meinen Waschtrockner, der Waschen und Trocknen nacheinander non-stop durchführen kann, würde sich der Nachtbetrieb auch anbieten; leider ist das in meiner Mietwohnung aufgrund der Lärmschutzbestimmungen nicht möglich.

    Würde man diese Gedanken beim Bau eines Hauses berücksichtigen, könnte man mehr gewinnen, mir fallen das Vorsehen eines akkustisch abgeschirmten Wäsche-Raumes ein; der Installation einer zentralen elektrischen Schalttafel mit Kontroll-LEDs (und damit des Sicherungskastens) im primären Aufenthaltsraum muss hingegen die Mehrbelastung des Raumes durch elektrische Wechselfelder entgegengestellt werden. Sollte in einem Haus jedoch ohnehin KNX installiert sein, sollte es eine solche Komponente geben.