Virtueller Stromexport

Akropolis in der Sonne

Sonnenstrom dort zu erzeugen, wo die Sonne im Überfluss scheint, klingt nur logisch. Windstrom dort zu erzeugen, wo es ordentlich weht, ebenfalls. Wäre da nicht das Problem mit dem Stromtransport. Neue Leitungen müssen her, um den Strom aus sonnen- und windreichen Regionen dorthin zu transportieren, wo die Voraussetzungen für die alternative Stromgewinnung nicht so gut sind. Der Ausbau des Stromnetzes kann jedoch kaum mit dem starken Ausbau der regenerativen Stromerzeugung Schritt halten, wie nicht zuletzt am deutschen Offshore Windstrom deutlich wird. Immer öfter müssen die Windräder stillstehen, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Des Rätsels Lösung hat nun Griechenland entdeckt – und will mit seiner Idee gleich ein wenig die angeschlagene Staatskasse aufbessern.

Athens Energieminister George Papakonstantinou ist zuversichtlich, dass Helios, Griechenlands staatliches Sonnenstromprojekt, sein Land aus der finanziellen Bedrängnis hebelt. Rund 60.000 neue Arbeitsplätze soll Helios bringen und dabei bis zu 15 Milliarden Euro aus dem Stromexport in die Staatskasse spülen. Zwei Größen, die das angeschlagene Griechenland dringend benötigt, um nach dem Ende des europäischen Hilfsprogramms in 2015 wieder alleine auf den Beinen zu stehen. Grundsätzlich keine schlechte Idee, denn mit 300 Sonnentagen sind die Voraussetzungen zur Sonnenstromgewinnung in Griechenland ideal. Doch alleine der Eigenverbrauch seines Stroms – Helios hat eine Leistung von 10.000 Megawatt im Visier, wenn erst einmal alle Paneele installiert sind – hilft Griechenland nicht aus der Misere. Das Land muss den Strom exportieren, damit Geld in die Staatskasse fließt und hierzu sind Hochspannungsleitungen nötig. Nur rund zehn Prozent des Sonnenstroms wollen die Griechen selber verbrauchen, 90 Prozent sollen in andere europäische Länder exportiert werden. Allerdings sind hierzu Hochspannungsleitungen über die Alpen und den Balkan nötig und nicht zuletzt auch Investoren, die es mit dem Projekt Helios aufnehmen. Die könnte jetzt allerdings die Papakonstantinous`sche Idee ins Boot spülen, denn rund zehn Prozent des Stroms sollen rein virtuelle exportiert werden.

Im Klartext heißt das: Der Sonnenstrom wird in Griechenland produziert und verbraucht, erscheint aber beim importierenden Land auf der „Habenseite“ des Energiekontos. Das könnte anderen Ländern dabei helfen, die EU-Klimaziele, bis zum Jahr 2020 in jedem EU-Land den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent zu steigern, einzuhalten. Besonders für Luxemburg und Italien dürfte ein virtueller Sonnenstromimport sehr attraktiv sein, haben sie doch bereits angekündigt, die Klimaziele nicht einhalten zu können. Auch Deutschland ist von einer virtuellen Stromabnahme nicht abgeneigt, verspricht es sich hierdurch doch die Senkung der eigenen Energiekosten.

Effektiv lassen sich durch den virtuellen Stromimport die Zahlen der eigenen Energiebilanz gekonnt frisieren und den Klimaverpflichtungen wird ebenfalls nachgekommen, doch produziert und genutzt wird letztendlich weiterhin der im eigenen Land produzierte „schmutzige“ Strom.

Judith Schomaker

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