Verkehrte Welt!

Versklavte Kinder

Ein Kommentar von Bernhard Ahlers

Bei der Bezeichnung „Biotreibstoff“ kommen vielen Lesern unverzüglich die Schlagworte Hunger, Lebensmittelpreise, Regenwälder, Palmölplantagen in den Sinn. „Treibstoffe des Todes“ wird er zuweilen genannt, oder „Biokraftstoffe bringen Mord und Vertreibung mit sich“.

Nach den Wünschen der Öllobbyisten und diversen Organisationen, die mit Hilfe der Petro-Dollars Studien erstellt haben, sollte Biotreibstoff umgehend „verboten“ werden. Nicht nur, weil sie die Umwelt schädigen, die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben und für den Hunger in der Welt verantwortlich sein sollen, nein, Biotreibstoffe seien auch schlecht für unsere Autos. Die Motoren vertrügen keinen Biotreibstoff, streikten nach kurzer Zeit und die Autos könnten sogar explodieren.

Nichts davon hat sich bis heute bewahrheitet.

Am Welthungertag, dem 16. Oktober 2012, wurde die Zahl der hungernden Menschen mit 870 Millione veröffentlicht. In den 1970ern waren es 850 Millionen, 1990 sogar 970 Millionen Menschen, die nicht genügend zu essen hatten. Eine Zeitspanne weit vor der Existenz von Biotreibstoff und bei halber Weltbevölkerung.

Wir gehen gerne gepflegt und gestylt in den Tag. Kosmetika spielt hier eine große Rolle. Über 80 Milliarden Euro ist der Markt allein in Europa schwer. Die Rohstoffe für die Produktion unser Badezusätze, Pflegeduschen, Haarshampoos und sonstigen Kosmetika haben einen pflanzlichen (Bio-) Ursprung. Kokos- und Ölpalmen spielen hier die Hauptrolle. Über 60 Prozent der Erträge aus den „Monokulturen“ finden den Weg in die chemische Industrie, weitere 35 Prozent werden für unsere Lebensmittel (Margarine, Pfannenfett und mehr) benötigt. Für „Biotreibstoff“ bleibt der Rest von fünf Prozent.    

Trotz extrem niedriger Getreideernten im letzten Jahr und einer Rekordproduktion von Biotreibstoffen, ist der Lebensmittelpreisindex der zehn wichtigsten Lebensmittel im Jahr 2012 gesunken. 

Aber wie sieht unsere Alternative aus?

Wenn wir kein Biotreibstoff tanken, stehen nur die fossilen Kraftstoffe Diesel und Benzin zur Verfügung. Kein Mensch verschwendet einen Gedanken an die ruinösen Folgen, die Förderung, Transport und Verbrennung der Kohlenwasserstoffe für unsere Umwelt bedeuten und wie viel Elend, Hunger und Tod die Menschen in den Förderländern erleiden. Ölkatastrophen, solange sie nicht vor unserer Haustür passieren, sind schnell vergessen. Was interessiert uns die Ölförderungen in Nigeria, Kanada oder Russland? Welche Umweltzerstörung und menschenverachtende Gewinnmaximierung das Öl für unsere Heizungsanlagen, Autos und Kraftwerke unseren Lebensstandard sichert, zeigt zum Beispiel dieser Film

Über 400 Millionen Jahre hat unsere Erde gebraucht, um den lebensfeindlichen Anteil des Kohlendioxids (CO2) aus der weltumspannenden Lufthülle in Sauerstoff (O2) umzuwandeln. In Form von Öl, Gas und Kohle wurde es in den Tiefen der Erdkruste eingelagert. Sauerstoffangereicherte Luft zum Atmen und ein gemäßigtes Klima bildeten erst die Grundlage für ein vielfältiges Leben auf der Oberfläche.

Pausenlos saugen imperiale Bohrtürme die schwarze Flüssigkeit aus den Adern des Planeten und blasen Tag für Tag mehr als 95 Millionen Tonnen des todbringenden und umweltzerstörenden CO2 in unsere Atemluft.

Die Beseitigung der Schäden, die durch Naturkatastrophen und schleichenden Klimawandel immer häufiger entstehen, gehen mittlerweile in die Milliarden. Versicherungen mussten allein 2012 über 220 Milliarden US-Dollar für Schadensregulierungen in den USA aufbringen.

Aber dieses System wird so lange geschützt, bis der letzte Tropfen an die Oberfläche geholt und in die Luft gepustet wurde, bis die Polkappen geschmolzen, viele Inseln im Meer versunken, Stürme, Überflutungen und Dürre zum Alltagsleben zählen werden.

Da die schwarze Flüssigkeit nicht mehr in großen Mengen zur Verfügung steht, brauchen wir nicht mehr allzu lang warten. Dann werden all diejenigen, die heute noch die Biokraftstoffe verteufeln, einen Lobgesang auf ein umweltfreundliches Produkt abhalten nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“!  

Aber heute wird jeder Keim des Neuen, der allein durch den Asphalt der Öl-Autobahnen sprießt, ausgerissen. Dafür sorgen die Leute, die den Asphalt befahren. Ihre Gewinne sind viel zu wichtig. Sprießende Keime machen sich nicht gut auf den Protokollstrecken.  

In einigen Jahrzehnten, wenn das schwarze Gold, die Gas- und Kohlelager allesamt gefördert und verbrannt sind, wird der CO2-Anteil in der Atmosphäre wieder so konzentriert sein wie vor 300 Millionen Jahren. Die Dinosaurier haben es geschafft über eine Zeitspanne von 30 Millionen Jahren die Erde zu bevölkern. Der Mensch vernichtet sich binnen einiger tausend Jahre selbst. Der Erde ist das egal, sie kann besser ohne den Menschen auskommen und von vorne anfangen.

Tod und Verderben bringen nicht die verteufelten Biotreibstoffe, vielmehr unser Technikzwang, unsere Bequemlichkeit, der Drang immer alles „elektrisch“ zu machen. Strom kommt immer und in scheinbar ungegrenzten Mengen aus der Steckdose. Kohlendioxid entweicht den elektrischen Geräten keines. Aber am Ende jeder Leitung schaufeln wir Kohlen, Gas und Öl in die Öfen der Kraftwerke, die die Turbinen der Generatoren antreiben. Die Schlote der Kraftwerksanlagen sind es, nicht die Verbraucher, die Unmengen an CO2 und weitere Schadstoffe in die Luft pusten.

Und die Grundstoffe für Batterien, Handys, Elektromotoren, Displays und Solarkollektoren – keines davon wächst auf Bäumen oder sprießt aus dem Boden. Seltene Erden heißen heute die Rohstoffe, ohne die keines der Geräte produziert werden könnte. Kein Benutzer, kein Politiker hinterfragt den Umweltschutz. Coltan, nur einer der unverzichtbaren Rohstoffe, ist selten, teuer, hoch begehrt. Im Kampf um die Kontrolle der Coltan-Minen in Zentralafrika haben schon fünf Millionen Menschen ihr Leben verloren. Für den Abbau werden versklavte Kinder eingesetzt.

Anders als Biotreibstoffhersteller benötigen Produzenten von Solar- und Windstrom, Ölkonzerne für ihren Diesel und Benzin, keinen Umweltschutznachweis.

Biotreibstoffproduzenten werden per Gesetzt (Biokraft-NachV) gezwungen, alle umweltrelevanten Einflüsse, vom Anbau, den Transport, bis zur Konvertierung und Lagerung, zu dokumentieren und zu zertifizieren.  

Rohöl, Kohle, Gas und alle die anderen Rohstoffe, die unsere Umwelt vernichten, können ohne jedwede Einschränkung, ohne Widerspruch, eingesetzt und verbraucht werden. Umweltfreundliche und CO2-Neutrale Kraftstoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden, müssen sich öffentlich rechtfertigen.  

Was ist das für eine verkehrte Welt!

2 Bemerkungen

  • Danke für diesen Beitrag! Ich bin froh, dass es noch Menschen gibt, die erkennen, dass dies Nebelkerzen sind und die Entwicklung von Biokraftstoffen grundsätzlich zum Umweltschutz beitragen. Sicherlich gibt es auch hierbei Fragen zu klären, aber solche Entwicklungen als umweltschädigender als fossile Kraftstoffe darzustellen ist schlicht falsch und offenbar gewollt, um deren Entwicklung im Keim zu ersticken.