Geteilte Ansichten

In Sachen Windkraftanlagen scheiden sich die Geister mancherorts ganz erheblich. Nicht überall läuft es so reibungslos ab, wie in Nordhessen, denn hier hat die Landesregierung bereits beschlossen, dass künftig mehr Windräder gebaut werden dürfen. Ein Konzept mit dem auch die nordhessischen Bürgermeister gut leben können.

Künftig werden an Diemel- und Edersee noch mehr „Spargel“ in die Höhe ragen und für ordentlich sauberen Strom sorgen! Angst vor einer „Landschaftsverschandelung“ und einer damit verbundenen Touristeneinbuße hat hier kaum jemand. Schließlich sollen beispielweise die geplanten Windräder in Waldeck ein wenig in Deckung gehen und nicht gleich auf den ersten Blick ins Auge fallen. Sie sollen ganz dezent in bestehende Waldgebiete integriert werden, was nicht nur der Optik zuträglich sein soll, sondern gleichzeitig die wirtschaftliche Sicht stützt. Da eine durchschnittliche Windkraftanlage mindestens 100 Meter hoch ist, könne diese problemlos in die Forstwirtschaft eingebaut werden, ohne die Waldbewirtschaftung zu stören oder landwirtschaftliche Flächen zu verbrauchen. Außerdem ist auch eine touristische Nutzbarkeit nicht von der Hand zu weisen, etwa als grandioser Aussichtsturm. Aber auch herkömmliche Nutzflächen für Windkraftanlagen sehen die Verantwortlichen als Bereicherung, gerade für die ohnehin gebeutelten Landwirte. Eröffnet sich doch hierdurch eine lukrative Einnahmequelle für die Eigentümer der betroffenen Flächen.

Ganz anders sieht es hingegen im hohen Norden aus. Hier scheint sich der Kampf gegen die Windkraft zum reinsten Kollektivhobby zu entwickeln. Schulendorf, Klinkrade und Bälau erwarten mit Spannung die geplante Bürgerabstimmung, die sich so massiv gegen den Ausbau der Windkraft in ihren Orten wehren. Die Angst vor starker Lärmbelästigung und finanziellen Einbussen bei den Immobilienpreisen spielt hier bei einem Großteil der Bürger eine gewichtige Rolle, um sich gegen die Windkraft zu entscheiden. Auch die Beeinträchtigung der Umwelt, das allseits diskutierte „Vogelproblem“ und die „Verschandelung“ der Landschaft gehören zu den vielen Argumenten gegen die Windanlagen. Dabei gilt es, genau abzuwägen, wo die Prioritäten gesetzt werden sollen. Dem Klimawandel begegnen und auf Dauer Natur und Umwelt schützen oder in einer „unverbauten“ Landschaft mit einer großen Vogelvielfalt leben – bis diese durch den Klimawandel unwiederbringlich zerstört wird?

Judith Schomaker

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