Umbruch im Nahen Osten gut für Ausbau erneuerbarer Energie

Wüste; Foto: shutterstock

Der demokratische Umbruch im Maghreb kann durchaus als Chance gesehen werden, dem Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region einen Schub zu geben. Die bisherige politische Realität in der Region war vor allen Dingen von Stagnation, Korruption und Chancenlosigkeit für alle diejenigen geprägt, die nicht zum engeren Kreis der jeweiligen Regime zählten.

Auch im Sinne technischer Zusammenarbeit waren die bisherigen Regime ein Unsicherheitsfaktor. Demokratischer Wandel und plurale Entscheidungs- und Entwicklungsstrukturen könnten dies nun ändern, indem sich die Regime für Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien mehr öffnen als bisher.

Nutzbarmachung der regenerativen Energiepotentiale in der Region

Energiepolitisch gesehen galten die Länder des südlichen Mittelmeers in der westlichen Wahrnehmung vor allem als Lieferanten fossiler Energieformen wie Öl und Gas. Allen voran setzt sich das Desertec-Projekt für die Nutzbarmachung der regenerativen Energiepotentiale in der Region ein – aus Windenergieanlagen an den Küsten und großen Photovoltaikanlagen und Parabolrinnenkraftwerke im Landesinneren.

Der Anteil an direkter Solarstrahlung liegt in Nordafrika sehr viel höher als in unseren Breitengraden, was den Bau von leistungsfähigen solaren Konzentratorkraftwerken mit Parabolrinnen oder Spiegeln möglich macht und so die solare Energiegewinnung bis in die Nachtstunden ausdehnt. Doch neben Solar- und Windkraftanlagen im Kraftwerksmaßstab werden im Maghreb auch kleine, dezentrale Anlagen zur ländlichen Elektrifizierung gebraucht.

Auch der Maghreb selbst braucht erneuerbare Energie

Auch die Länder des Südens brauchen ihre Energie vor allem im eigenen Land selbst zum Aufbau neuer lokaler (Versorgungs-)Strukturen. Der Norden kann dabei vor allem in der technischen Zusammenarbeit konstruktiv zum Aufbau von neuen Strukturen und Kooperationen beitragen. Gleichzeitig könnte so den schon heute häufig gut ausgebildeten Menschen im Maghreb neue Perspektiven in ihren Ländern gegeben werden. Dazu kommt, dass der Energieverbrauch in den Ländern des Maghreb derzeit pro Jahr um gut fünf Prozent (Stromverbrauch um acht bis neus Prozent) steigt und zu 96 Prozent auf fossilen Energieträgern, vor allem dem Öl, basiert.

Der Ausbau erneuerbar Energien könnte Arbeitsplätze und Einkommen sichern, Bildungsperspektiven aufzeigen, die Elektrifizierung netzferner Regionen mit dezentralen, auf Inselsystemen basierenden Stromversorgungsnetzen ermöglichen und für mehr Unabhängigkeit der Bevölkerung von den eigenen schwindenden Ölvorräten sorgen.

Daniel Seemann

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