Trinkwasser als Energielieferant

Trinkwasser

Der Trick der Energieeffizienz besteht nicht darin, etwas Neues zu schaffen, sondern etwas Vorhandenes zu verbessern. So kann mehr Energie gewonnen oder eingespart werden. Ein wunderbares Potential bietet hierfür das Wasser oder genauer gesagt: Die bestehenden Wasserleitungen.

In der Schweiz nahm man sich den unzähligen verfügbaren Quellen an, um die Trinkwasserversorgung zu optimieren. Mit der Installation von Turbinen zwischen der Quelle und dem Reservoir kann die Wasserversorgung mit der Wasserkraft gekoppelt werden.

Energiepotential der Trinkwasserleitungen

Auch in den USA nutzen die Wasserwerke neuerdings das Prinzip: Dafür werden in den Leitungen Turbinen mit Vertikalachsen montiert. Die Strömungsgeschwindigkeit soll dadurch aber nicht beeinflusst werden. Bis zu 100 Kilowatt soll eine Turbine an Leistung generieren.

Eine nicht weniger interessante Nische hat der US-amerikanische Unternehmer Frank Zammataro mit dem Unternehmen Rentricity gefunden: Ebenso wie seine Kollegen nutzt er den Wasserdruck in den Trinkwasserleitungen zur Energiegewinnung. Doch seine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Drosselventile, durch die der Wasserdruck verringert wird. Statt der Drosselung kann nämlich auch eine Pumpe als eine Art Turbine die Energie des Wasserdrucks an einen Generator weitergeben. Dieses Flow-to-Wire-System nutzt die Wasserkraft zur Elektrizitätserzeugung. Die eingesetzte Technologie ist nicht neu – der Ansatz dagegen schon. Im Durchschnitt soll eine dieser Anlagen eine Leistung von 35 Kilowatt beziehungsweise 307.000 Kilowattstunden pro Jahr liefern.

Optimale Bedingungen fand das Unternehmen am eigenen Standort: In New York wird durch die Schwerkraft fast das gesamte benötigte Trinkwasser in die Stadtmitte transportiert. Das natürliche Gefälle verdankt die Stadt den nahe gelegenen Catskill Mountains, der Quelle für die Trinkwasserversorgung. Der Wasserdruck ist daher entsprechend hoch und muss reguliert werden, um ein Bersten der Leitungen zu verhindern. Auch aus diesem Grund wird das System vorerst für 18 Monate in New York getestet.

Die Initiatoren können dabei auf die Erfahrungen eines geglückten Projektes in New Hampshire zurück greifen: Dort generiert eine ähnliche Konstruktion in der Trinkwasserleitung 62 Kilowatt. Der Strom wird für die Wasserbehandlung genutzt und verleiht dem System das Siegel der Energieautarkie. Des Weiteren versucht sich das Unternehmen in der Abwasserbehandlung New Yorks mit dem gleichen Prinzip.

Erschwert wird die Idee, die Ventile zu ersetzen, durch die Lage der Wasserleitungen: Es gibt wenig Platz für die Installation und der Weg zum Stromnetz ist auch nicht geebnet.

Trinkwasserversorgung weist hohen Strombedarf auf

Dennoch ist die Idee sinnvoll, denn die städtische Versorgung mit Trinkwasser ist sehr energieaufwändig. Weltweit entfallen auf die Förderung des Grundwassers, den Transport sowie die Aufbereitung sieben bis acht Prozent des Energieverbrauchs. Und in industrialisierten Ländern liegt dieser Wert noch höher: In der Schweiz beispielsweise macht die Wasserversorgung 20 Prozent des Stromverbrauchs der Gemeinden aus. Das lässt noch viel Raum für weitere Mini-Wasserkraftwerke.

Doch auch in Deutschland gibt es Möglichkeiten, Energie einzusparen. Schauen wir nach München und seine Trinkwasserversorgung: Der Weg des Wassers von der Quelle im Mangfall- und Loisachtal bis in die Metropole weist einen bedeutenden Höhenunterschied auf. Das Potential für die energetische Nutzung des Wasserdrucks ist zumindest gegeben.

Jenny Lohse

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