Trendwende in der Schifffahrt

SkySails

Auf hoher See dreht der Wind langsam in eine neue Richtung. Stetig steigende Treibstoffkosten, neue Vorschriften und die starke Belastung unserer Umwelt zwingen viele Schifffahrtsunternehmen dazu, einen neuen Kurs einzuschlagen. Das Hamburger Unternehmen „Skysails“ läutet die Renaissance einer bewährten Antriebskraft ein: die des Windes.

Nach wie vor sind Frachtschiffe das kostengünstigste Transportmittel, das Handelstreibenden zur Verfügung steht. Gleichzeitig entwickelte sich die Schifffahrt in den vergangenen Jahren zum drittgrößten Verursacher klimarelevanter Schadstoffe. Übertroffen wird sie momentan vom Straßenverkehr und der Industrie. Über 90 Prozent aller Güter des Welthandels werden gegenwärtig auf dem Seeweg transportiert.

Obwohl große Schiffsmotoren fast ausnahmslos mit stark schadstoffhaltigem Schweröl betrieben werden, wird der maritime Verkehr dennoch klimapolitisch vernachlässigt. Die „International Maritime Organization“ beschloss im Frühjahr 2008 eine Verordnung, die eine Senkung der Schwefelemissionen beinhaltet. Diese Verordnung wird ab 2020 gültig. Da andere Vorschriften bereits früher wirken, sucht die Branche nach neuen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung des Schiffdiesels. Die Potentiale sind jedoch weitgehend erschöpft. Treibstoffeinsparungen im Bereich von ein bis zwei Prozent sind kostenintensiv und nicht einfach zu realisieren. Fünf Prozent Einsparung beim Treibstoff gelten bereits als sensationelles Ergebnis.

Systeme von Skysails hingegen nutzen den Wind als kostenlose und umweltschonende Antriebskraft. Die drei Hauptkomponenten sind ein Zugdrache mit Seil, eine automatische Steuerung sowie eine Vorrichtung zum Start und zur Landung des Drachens. Vereinfacht formuliert unterstützt der Zugdrache in der Luft den Antrieb des Schiffes. So wird der Treibstoffverbrauch deutlich reduziert. Laut Angaben von Skysails können die Treibstoffkosten eines Schiffes zwischen zehn und 35 Prozent im Jahresdurchschnitt gesenkt werden. Bei optimalen Windbedingungen ist eine vorübergehende Effizienzsteigerung von bis zu 50 Prozent möglich.

Jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit führten dazu, dass die Gewinner des „Clean Tech Media Awards 2008″ momentan Zugdrachen mit einer Größe von 160 bis 600 Quadratmeter anbieten. Bereits ein kleines Modell mit 160 Quadratmeter erzeugt eine Zugkraft, die sich mit dem Schub des Triebwerkes eines Airbusses A318 messen kann.

Der Beweis, dass der neuartige „Hybridantrieb“ auf dem Wasser funktioniert, wurde in den vergangenen Jahren in zahlreichen Praxistests erbracht. Aktuell stattet das Unternehmen drei neue Frachtschiffe mit seinem System aus. Auch die „Maartie Theadora“, die mit einer Länge von 141 Meter Deutschlands größtes Fischereifahrzeug ist, erhält demnächst Unterstützung aus der Luft.

Die ausgeklügelten Systeme von Skysails haben das Potential, die Schifffahrt zu revolutionieren. Gleichzeitig tragen sie zum Schutz unserer Meere und unserer Umwelt bei. Bleibt zu hoffen, dass auf unseren Weltmeeren zukünftig öfters ein „Skysails ahoi!“ zu hören sein wird.

Joachim Kern

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