Transportable Solaranlage bei Nomaden etabliert

Mongolische Ger; Foto: shutterstock

Auch in den abgelegensten Regionen der Erde sind dieser Tage Spuren westlicher Technisierung zu entdecken, die mit dem Rückzug regionaler Traditionen einhergehen. Will dieser „Fortschritt“ auch nicht in die Landschaft passen: Oft verbessern sich damit die Lebensbedingungen der Einheimischen. Sei es durch zunehmende Gesundheits- oder Stromversorgung.

So lässt beispielsweise Kyocera, ein japanischer Technologiekonzern, seit mehreren Jahren seine Solarmodule in der Mongolei aufstellen. Initiiert wurde das Ganze unter anderem von der Weltbank. Sie zielt mit ihrem 2006 gestarteten Projekt auf die Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten ab. Auch die GTZ war mit Solarprojekten in der Steppe beteiligt.

Grund für die flächendeckende Entwicklungshilfe ist das nicht ausgeschöpfte Potential für regenerative Energien. Deren Nutzung liegt in der Mongolei noch unter drei Prozent. Aufgrund des Kohleabbaus steigt die Umweltverschmutzung und auf 70 Prozent des Territoriums kämpft das Land inzwischen mit Verwüstung und akutem Wassermangel.

Viele Nomadenfamilien nutzen Akkumulatoren oder Benzin zur Erzeugung von elektrischem Licht, da sie über keine Stromleitungen verfügen. Dabei ist die Photovoltaik für ein dezentrales System viel geeigneter. Vor allem, wenn man das aride Klima und die Bevölkerungsverteilung betrachtet. Robust müssen die Module natürlich sein, damit sie auch bei rauem Klima funktionsfähig sind. Schließlich unterliegt der dünnbesiedelte Staat extremen Temperaturschwankungen.

Photovoltaik wird in der Mongolei vor allem kleinflächig installiert, indem die Nomaden auf ihren Behausungen, den Ger, eine Anlage anbringen. Schon 1992 bis 1996 gab es ein Projekt der japanischen Agentur NEDO und Kyocera. Nomadenfamilien wurden mit insgesamt 200 ortsveränderlichen Solar Home Systemen mit jeweils 100 Wattpeak ausgestattet. Im Jahr 2000 verabschiedete die mongolische Regierung ein landesweites Programm: Das Projekt „100.000 Solar Ger“ subventionierte die Verteilung von 50 Wattpeak Solarmodulen. Bis 2006 wurden somit 32.000 Solar Home Systeme installiert. Nach einer Untersuchung von 2006 fehlte jedoch der Service nach dem Verkauf und damit die Informationen zu Reparatur und Nutzung. Ein positives Zeichen konnte das Programm dennoch setzen, denn die Verfügbarkeit der Elektrizität erhöhte sich innerhalb von fünf Jahren von 16,7 auf 29 Prozent. Das Projekt soll nun gedrosselt werden.

Dieses Jahr haben sich die Weltbank und Kyocera zusammen getan und eine der größten netzunabhängigen Solaranlagen mit insgesamt 305 Kilowattpeak in der Wüste Gobi errichten lassen. Im folgenden Jahr wird der Flughafen in Ulan Bator von Kyocera und der Entwicklungshilfe der japanischen Regierung mit einer 453,18 Kilowattpeak Solaranlage ausgestattet.

Die geographische Ausweitung unseres automatisierten Lebens sollte demnach nicht nur schwarz-weiß – wie das Fernsehprogramm, das viele mongolischen Nomadenfamilien inzwischen empfangen – gesehen werden.

Jenny Lohse

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