Tadschikistan und sein ewiges Wasserkraftwerk

Gebirgsbach in Tadschikistan

Im Forbes Magazin wird der RogunStaudamm Tadschikistans als Mittel zur Stabilisierung Afghanistans angepriesen. Mit dem Argument, Wirtschaftswachstum sei notwendig für Demokratie, solle Tadschikistan beim Bau des Wasserkraftwerks unterstützt werden. Demzufolge könne das Land auch seinen Nachbarländern Strom liefern. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn wie soll ein Staat einem anderen zur Demokratie verhelfen, wenn er selbst weit davon entfernt ist?

Staudamm mit langer Geschichte

Noch zu Zeiten der Sowjetunion begann der Bau des Rogun-Staudammes. Mit ihm sollte die Wasserzufuhr für den Baumwollanbau in Usbekistan besser geregelt und nebenbei Strom produziert werden. Als Tadschikistan im Jahr 1991 unabhängig wurde, fehlte es aber an Geld für den Weiterbau. Und der damalige Bürgerkrieg beschleunigte den Verfall des halbfertigen Dammes. Um das Projekt fortzuführen, wurde die Bevölkerung verpflichtet, Aktien für den Rogun-Staudamm zu kaufen.

Stromsituation in Tadschikistan

Schon jetzt liegt der Schwerpunkt der Energieversorgung auf der Wasserkraft. Im Winter ist der Pegel des Flusses mit dem Namen ‚Wachsch‘ allerdings recht niedrig. Folglich wird in dem bisherigen Rogun-Wasserkraftwerk weniger Strom produziert. Zur Einsparung kappt die Regierung in den Wintermonaten des Nachts den Strom bei einem Großteil der Bevölkerung.

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Trotz der Energiearmut spricht vieles gegen das neue 3.600-Megawatt-Wasserkraftwerk. Da wäre zum einen die Zwangsumsiedlung vieler Familien und zum anderen die Platzierung des Rogun-Dammes in ein Erdbebengebiet.

Die Weltbank schlägt in zwei Studien eine Alternative mit unterschiedlicher Höhe und Leistung des Staudammes vor. Für den Bau sagte sie bislang keine finanzielle Hilfe zu.

Rogun-Staudamm stößt in Usbekistan auf Kritik

Ein Gegner des Rogun-Staudammes ist das Nachbarland Usbekistan. Dessen Regierung befürchtet Willkür der Tadschiken bei der Wasserregelung. Dabei ist sie es, die jedes Jahr Unmengen an Wasser für den Baumwoll- und Reisanbau abzapft. Das macht sie natürlich abhängig von der Wachsch.

Da Usbekistan dieses Jahr nicht wie sonst Gas nach Tadschikistan lieferte, sorgen sich die Tadschiken um ihre Energieversorgung. Doch auch bei ihnen wird Öl und Gas vermutet. Aller Wahrscheinlichkeit nach befinden sich die fossilen Rohstoffe sehr tief im Untergrund, was die Erschließung sehr teuer macht. Dennoch fanden sich wieder bekannte Interessenten wie die Unternehmen Gazprom und Total.

Alternativen zum Rogun-Wasserkraftwerk

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten zur Stromgewinnung. Der in den 70ern errichtete Nurek-Staudamm bildet mit einer Leistung von 3.000 Megawatt bisher die wichtigste Energiequelle des Landes. Die Frage ist daher, weshalb nicht in Nureks Modernisierung investiert wird. Das Kraftwerk könnte halb Tadschikistan mit Strom versorgen. Und viele kleine Wasserkraftwerke leisten ebenfalls ihren kleinen Beitrag. Beispielsweise hilft die KfW-Entwicklungsbank die nächsten Jahre bei der Modernisierung eines Kraftwerks, das 800 Kilowatt an Leistung bereitstellen wird.

Auch der Anteil von Solar-, Wind- und Bioenergie an der Stromerzeugung soll nach den Plänen der Regierung Tadschikistans bis 2020 auf zehn Prozent steigen. Mit 3.000 Sonnenstunden pro Jahr wäre der Einsatz durchaus sinnvoll. Je unabhängiger vom Netz, desto besser: Denn zehn Prozent der Bevölkerung Tadschikistans sind sowieso nicht ans Stromnetz angeschlossen.

Ausländische Organisationen bezweifeln, dass der Rogun-Staudamm fertig gestellt wird. Die überzeugte Haltung der Regierung Tadschikistans ist dagegen ungebrochen – und sei es mit Hilfe eines Musikvideos.

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