100 Prozent erneuerbare Stromversorgung ist möglich

Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, ist nur eine Stromversorgung, die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen besteht, wirklich nachhaltig. Bislang wurde diese Prämisse jedoch immer wieder in Frage gestellt, allen voran von der Energieindustrie. Sie sei langfristig unrealistisch und nicht bezahlbar, hieß es dann.

Dem wäre wohl auch so, wenn die Bundesregierung keine verlässlichen Anreize für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, der notwendigen Speicher und Netze setzen würde. Das tut sie aber schon längst, wie der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in seinem neuen Sondergutachten „Wege zur 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung” bestätigt. Die Wissenschaftler kommen darin zu dem Schluss: „Eine Stromversorgung mit 100 Prozent Regenerativstrom ist möglich!“

Keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke nötig

Laut dem Gutachten ist der Übergang bis 2050 ohne eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke oder neue Kohlekraftwerke möglich. Dies hatte der SRU zwar schon im Mai 2010 in einer vorhergehenden Studie festgestellt. Jetzt folgen jedoch Vorschläge zur Weiterentwicklung der politischen, ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

So sehen die Sachverständigen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als „Erfolgsmodell mit internationaler Strahlkraft”, dessen tragende Säulen, der Einspeisevorrang und die feste Vergütung, weitestgehend erhalten bleiben sollten. Eine europäische Einspeisevergütung, flexible Marktprämien für die Windenergie oder gar ein Verzicht auf die Förderung würden den Erfolg der erneuerbaren Energien gefährden.

Trotz alledem spricht sich der Umweltrat nach “Spiegel Online”-Informationen für eine Deckelung des Photovoltaik-Zubaus aus. Vorgeschlagen wird eine jährliche Zubau-Obergrenze von 1.000 Megawatt im Jahr, um die Kosteneffizienz des zunehmenden Ausbaus der Solarkapazitäten zu gewährleisten. Im letzten Jahr habe der Photovoltaik-Ausbau zu einem Anstieg der EEG-Umlage geführt, was die Akzeptanz des gesamten Umlagesystems in Frage stelle, so die Umweltberater der Bundesregierung.
Darüber hinaus würden die Fördermittel für andere erneuerbare Energieträger dadurch verringert. Der SRU schlägt daher vor, die finanzielle Förderung von Solaranlagen in Deutschland zu drosseln, um die Geschwindigkeit ihres Ausbaus insgesamt zu verringern. Dies würde auch den Steuerzahler enorm entlasten, erklärten die Gutachter.

Steigerung der Energieeffizienz und Ausbau der Infrastruktur

Das Gutachten des SRU identifiziert die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der Infrastruktur als zentrale Herausforderungen auf dem Weg in ein regeneratives Zeitalter. Die Bundesregierung hat zwar hierzu im Energiekonzept bereits umfangreiche Maßnahmen beschlossen. Beispielsweise sollen bis Ende dieses Jahres Vorschriften für eine deutschlandweite Netzbauplanung, ein fünf Milliarden-Kreditprogramm für Offshore-Windenergie sowie eine Befreiung neuer Speicherkraftwerke von Netzentgelten umgesetzt werden. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Kanzlerin ihren Worten auch Taten folgen lässt.

Daniel Seemann

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