Soll die Eigenstromerzeugung an der EEG-Umlage beteiligt werden?

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unter Leitung von Sigmar Gabriel zusammengestellte und vom Bundeskabinett beschlossene Eckpunkte-Papier für die Reform des EEG sieht vor, zukünftig die gesamte Eigenstromerzeugung an der EEG-Umlage zu beteiligen.

Für kleine Anlagen soll eine Bagatellgrenze eingeführt werden.

Wie sinnvoll ist dieses Vorhaben Ihrer Meinung nach?

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12 Bemerkungen

  • Eigenstromerzeugung an der EEG-Umlage zu erzeugen ist gleichzusetzen mit einer Strafsteuer. Wenn ich meine finaziellen Mittel nutze, um eine Eigenstromversorgung aufzubauen und dann dafür noch zusätzlich zahlen soll, habe ich kein Interesse mehr meine Mittel für diesen Zweck einzusetzen – die Energiewende wird somit weiter behindert.
    Man sollte doch im Kopf behalten, das der Eigenstrom das Netz entlastet, wodurch auch ein geringerer netzausbau notwendig wird – d.h. Eigenstrom sollte besser gefördert werden als bestraft.
    Vielmehr sollte man endlich unserer Politiker bestrafen, welche ständig gegen das Grundgesetz verstossen und die Energiewende behindern. Ach ja noch ein Vorschlag zu den leeren Staatskassen – das Vermögen von Politikern sollte offengelegt werden und am Ende einer Wehlperiode sollte vom Privatvermögen der Politiker in Prozent das eingezogen werden, was sie an Staatsdefiziten verursacht haben!

  • Diese Maßnahme wäre nur zu akzeptieren, wenn alle Stromeigenverbraucher gleich behandelt werden.
    Also auch die Großkraftwerke sollten dann auf ihren Strom für den Eigenverbrauch mit einer EEG-Umlage belastet werden.
    So wie das jetzt laufen soll, v. a. auch noch rückwirkend, geht das in den Vertrauenssschutz der Investoren von PV-Anlagen.
    Ich bin mir sicher, dass da Klagen kommen werden, wenn das so bleibt.
    Es wirddabei ja überhaupt nicht berücksichtigt, dass beim Eigenverbrauch von Solarstrom die Netze entlastet werden, Kosten hier wegfallen und dieser saubere Strom direkt vor Ort verbraucht wird, also keinem anderen „zur Last“ fällt.

  • Eine Eigenverbrauchsumlage auf den selbstverbrauchten PV- und sonstigen selbst erzeugten EE-Strom ist absurd. Dies verteuert die Erzeugung und reduziert damit nochmals die Einspeisevergütung und die Wirtschaftlichkeit. Auf der anderen Seite können sich damit dann die konventionellen Stromerzeuger mit Ihrer Strategie länger am Markt behaupten. Angesichts dessen, dass weder die Stromsteuer gesenkt wurde noch die exorbitanten Ausnahmen der EEG-Umlage für alle mögliche Unternehmen abgeschafft wurden, ist es einfach nur ein hanebüchener und weltfremder Vorschlag, der letztlich auch die in die EEG-Förderung geflossenen Mittel konterkariert.

  • Aus meiner Sicht soll die (erneuerbare!) Eigenstromerzeugung nicht an der EEG-Umlage beteiligt werden. Auf dem Weg zu 100% Erneuerbare helfen uns viele Akteure: die Bürgerenergiegenossenschaften ebenso wie die Unternehmen, die auf ihrem Hallendach eine Photovoltaik-Anlage betreiben und diesen Strom direkt vor Ort nutzen. Dieser Strom wird im besten Fall überhaupt nicht über das EEG vergütet und entlastet daher das EEG-System. Für eingesparten Strom muss ein Unternehmen ja auch keine EEG-Umlage zahlen.
    Da Unternehmen und Haushalte, die eigenen Strom nutzen, nicht autark sind, müssen Sie allerdings stärker als bisher an den Netznutzungsentgelten beteiligt werden. Dieses Entgelt muss zudem stärker Leistungsbezogen sein. Denn wenn plötzlich die Sonne wegbleibt, benötigt das Unternehmen ja auch die volle Leistung aus dem Netz. Das ist jedoch nicht über das EEG zu regeln.
    Einen Sonderfall stellt die hocheffiziente KWK dar, die ja fossile Brennstoffe nutzt, allerdings für die Energiewende dringend benötigt wird. Wenn für den Strom aus diesen Anlagen EEG-Umlage gezahlt werden müsste, würden sie unwirtschaftlich. Daher sind sie ebenfalls vom EEG auszunehmen, solange bis die Förderunge überarbeitet ist. Bei einer Neugestaltung der KWK-Förderung ist darauf zu achten, dass diese Kraftwerke Regelleistung liefern müssen und nicht länger rein wärmegeführt betrieben werden.

  • Nein, eine Beteiligung halte ich für nicht sinnvoll.

    Grundsätzlich darf eine Umlage nur für alle Konsumenten auferlegt werden, die derzeitige Planung, Klein-Eigenverbraucher massiv zu belasten, und Groß-Eigenverbraucher auszunehmen ist nicht logisch und auch nicht vermittelbar.

    Des weiteren: Wenn ein Produkt nicht am Markt „teilnimmt“, da es weder den Besitzer wechselt, noch irgend jemand davon profitiert, dürfen keine marktbezogenen Kosten auferlegt werden. Es entstehen der Allgemeinheit keine Kosten durch Eigenverbrauch, also gibt es auch keinen Grund für diesen eine Gebühr der Allgemeinheit zuzuführen.
    Die Argumentation der Verfügbarkeit und Nutzung des öffentlichen Stromnetzes hat damit nichts zu tun, dass die Bereitstellung nicht eingepreist ist verlangt keine Änderung an neuen Systemen, sondern am bisherigen Stromsystem, und wird sowieso kommen.

    Zu guter letzt, gibt es neben den harten Fakten, also den Punkten wo es definitiv nicht gerecht wäre, auch „weiche Gründe“ gegen die Beteiligung: Die Eigenproduktion ist für den Strommarkt und damit für die Allgemeinheit ein Gewinn – eine effizientere und nachhaltigere Energienutzung als eine direkt am Erzeugungsort genutzte gibt es nicht. Dies sollte eher gefördert, anstatt bestraft werden.

  • Ich schließe mich zunächst einmal meinen Vorrednern an. Ich, als angehender Maschinenbau Ingenieur im Bereich Energietechnik, [b]halte die Beteiligung ebenfalls für unsinnig!!![/b]

    Das Ziel ist doch eine saubere, dezentrale, regionale und unabhängige Energieversrogung zu kreieren. Um das zu schaffen werden Anreize benötigt wie z.B. die Befreiung der EEG Umlage bei Einsatz erneuerbarer Energien für den Eigenverbrauch, seien es nun Einfamilienhäuser, Öffentliche Gebäude, Unternehmen, kleine Gewerbeparks oder gar gesamte Kommunen. Denn gerade diese zeigen das höchste Interesse am Fortschritt der Energiewende. Weiterhin sollten diejenigen zur Kasse gebeten werden, die sich gegen Umwelt- und Klimaschutz stellen, damit sind Kohle- u. Atomkraftwerke gemeint, welche Unmengen an Subventionen und Befreiungen einstreichen. Das möchte ich jedoch nicht weiter ausweiten da es nicht Thema ist.

  • Ich habe selten so viel inhaltlichen Unsinn, wie in dem beschlossenen Eckpunktepapier im Rahmen eines Getzgebungsverfahrens gesehen. Die Förderung der erneuerbaren Energie und deren Ausbau ist naürlich anzupassen, um die gewollte Energiewende unter Einsatz der effiezientesten und rentabelsten Technologien zu realisieren.
    Ausschließlich das EEG zu betrachten und andere Regelungen und Mechanismen, wie das Energiesteuerrecht, den CO2-Emissionshandel, das KWK-Gesetz und die Offshore-Zulage nicht zu berücksichtigen, wird den energiepolitischen Flickenteppich nicht beseitigen, sondern weiter verkomplizieren.

    Sollte das Eckpunktepapier 1:1 in ein Gesetz umgesetzt werden, ergibt sich speziell für die EEG-Umlagebelastung der Eigenstromerezugung eine Situation, die ganze Technologien in Deutschland nicht länger rentabel macht.
    In der Anlage zum Eckpunktepapier sind für die Belastung der Eigenstromerzeugung folgende Punkte aufgeführt:
    Die Eigenstromerzeugung wird an den Ausbaukosten der erneuerbaren Energien beteiligt:
    – Bei einer Eigenstromerzeugung in Neuanlagen müssen 90 Prozent der Umlage gezahlt werden.
    – Dieser Betrag reduziert sich bei neuen Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen sowie neuen Kuppelgasnutzungen
    auf 70 Prozent.
    – Für Altanlagen wird die Begünstigung des Jahres 2013 in Höhe der EEG-Umlage von 5,28 Cent/kWh fortgeschrieben.
    – Es wird eine Bagatellgrenze eingeführt: (Alt- und Neu-) Anlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 10 kW
    müssen für eine jährliche Stromerzeugung von höchstens 10 MWh keine EEG-Umlage zahlen.
    – Der Kraftwerkseigenverbrauch wird nicht belastet.

    Diese Regelung wäre beispielsweise das Ende für Eigenstromerzeugung der Industrie mit hocheffizienten Technolgien. Würde man zukünftig ein Blockheizkraft, das in Industrieanwendungen nicht selten einen Gesamtwirkungsgrad von 90% erreicht, mit der Umlage belasten, ergibt sich folgende Situation:
    – Für die gesamte erzeugte KWK-Strommenge wird eine nach Leistung gestaffelte KWK-Vergütung gezahlt
    – Für den Eigenverbrauch ist dann aber die 70%-ige EEG-Umlage zu zahlen (nach aktuellem Stand 2014 etwa 4,4ct/kWh)
    – Das bedeutet der Netzbetreiber zahlt einerseits eine KWK-Zulage an den Betreiber und zieht dann andererseits die EEG-Umlage ein
    – Die Rentabilität der Anlagen wird sich so stakr verringern, dass für die Industrie solche Investitionen nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sind.
    In Summe wird also hier eine Technologie, die erheblich zur Netzstabilität und zu einer effizienten Energienutzung beiträgt, nicht weiter ausgebaut werden.
    Das gleich gilt für EE-Anlagen, die zur Eigenstromerzeugung dienen. Für ausgespeisten Strom wird eine EEG-Zulage gezahlt. Für eigenverbrauchten Strom sind 4,4 ct/kWh EEG-Umlage abzuführen. Also die Förderung einerseits sinkt und die Nutzung zum Eigenverbrauch wird ebenfalls unrentabel.
    Eine solche Regelung ist absolut unsinnig.

    Dabei zeigt das KWK-Gesetz, wie man sinnvoll eine Förderung gestalten kann. Dort wird die Vergütung an eine Volllaststundenzahl gebunden und nicht über eine festgelegte Jahreszahl realisiert. Das bedeutet, dass Anlagen, die tendenziell lange Laufzeiten mit hohem Ertrag aufweisen und entsprechend rentabeler über die Lebensdauer sind auch nur kürzere Zeit eine Vergütung bekommen würden.

    Dies kann ein Weg sein, eine Gewichtung nach guten Standorten und effizienten Technologien ohne großen verwaltungstechnischen Aufwand zu realisieren.

    Vernunft hatte leider bei diesem Eckpunktepapier keinen Einfluss auf den Inhalt. Die großen vier Energieversorger hingegen schon.

  • Der Ausbau der EE im Sektor Haushalte hat sich trotz der zurückgefahrenen Förderungen weiterentwickelt. Der Nutzen aus der Eigenstromerzeugung nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. Das sehr gute Angebot erneuerbaren Stroms an sonnen- und windreichen Tagen lässt die Strompreise an der Börse aber nicht beim Verbraucher sinken. Die Nutzung des Eigenstroms lässt Haushalte an den günstigen Bedingungen teilhaben. Die Eigenstromerzeugung mit zusätzlicher Beteiligung an der EEG Umlage würde diesen Vorteil durch die EEG Umlage aushebeln. Ein unbelasteter Eigenstromverbrauch könnte die großen Stromerzeuger zukünftig dazu drängen, Preisvorteile an der Strombörse an die Verbraucher zukünftig weiterzugeben um die Kunden zu halten.
    Für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist der Eigenstromverbrauch in den zwei anderen Sektoren Industrie und Verkehr sehr wichtig. Auch in diesen Bereichen müssen die Vorteile und Nutzen der Investitionsbereitschaft bei den Betrieben bleiben, die in die RICHTIGE Eigenstromerzeugeung investieren. Auch hier darf eine EEG Umlage den Eigenstromverbrauch nicht unrentabel werden lassen. Im Verkehrssektor darf Überschußstrom aus erneuerbaren Quellen zur Produktion von Wasserstoff als Kraftstoffalternative zukünftig nicht zusätzlich verteuert werden.
    Nur eine CO2 lastige Eigenstromerzeugung müsste über das CO2 Zertifikate eingebremst werden. Dies würde den Ausbau Windkraft und PV voranbringen.
    Zusätzlich müßten gasbetriebenen Blockheitzkraftwerke die im Verbund mit fluktuierenden erneuerbare Quellen ( Wind, PV) als Kombikraftwerk arbeiten ebenfalls von der EEG befreit werden, da diese die erneuerbaren absichern.
    Siehe auch http://www.denkwerkzukunft.de/downloads/Mobilitaet.pdf

  • Wie absurd die Überlegungen derzeit sind, möchte ich mit folgender Frage beantworten:
    Ich habe mir für zu Hause ein paar Fahrradynamos gekauft. Ich beabsichtige jetzt abends Sport auf dem Hometrainer zu machen. Dabei sollen ein paar Glühbirnen leuchten….
    Brauche ich jetzt einen Zähler und muss EEG-Umlage zahlen?????
    Demnach sind wir dann soweit, dass ich für Sonne Geld zahlen muss.
    In diesem Sinne
    Mit noch kostenlosen sonnigen Grüßen

  • Ich finde die Beteiligung an der EEG-Umlage für absolut notwendig und richtig.

    Eigenstromerzeuger sollten nur von der EEG-Umlage befreit werden, wenn sie keine Netzleistungen in Anspruch nehmen müssten. Da die meisten das Netz jedoch in Anspruch nehmen, sollten auch Eigenerzeuger die EEG-Umlage zahlen. Das Netz belasten Eigenstromerzeuger genauso wie Normalverbraucher. Es liegt kein Grund für eine Ausnahme vor.