Solare Wasseraufbereitung auf mexikanisch

Maya-Stadt der Ek Balam, Yucatan, Mexiko

Die Wasservorräte Yucatans sind nicht auf Anhieb sichtbar. Es gibt hier unterirdische Kalksteinlöcher, die Cenoten, in denen sich Süßwasser ansammelt. Deshalb konnte sich die Hochkultur der Maya auf der Halbinsel auch ohne Oberflächengewässer entwickeln. Da das Regenwasser in diesen Karstgesteinen sofort versickert, wird das Wasser knapp in Zeiten der Trockenperioden. Zwar bekommt Yucatan saisonal durch Stürme und Hurricans Wassernachschub. Bleiben die jedoch aus, ist die Verdunstung zu hoch. Eine zunehmende Wasserknappheit durch zu wenig Regen soll auch für den Niedergang der Maya Hochkultur verantwortlich gewesen sein.

Erschwerte Trinkwasserversorgung in Yucatan

Heute lassen sich Leute auf Yucatan Wasser liefern, wenn Mangel herrscht und kein Wasser in der Nähe zu finden ist. Ein kleines mexikanisches Dorf auf der Halbinsel hatte bisher auch keine andere Wahl: La Mancolona liegt tief im Dschungel und ist eine Tagesfahrt vom erreichbaren Trinkwasser entfernt. Dieses wurde somit in 20-Liter-Flaschen ins Dorf transportiert und kostete 20 Pesos pro Flasche. Der Betrag ist für die Bauern natürlich sehr hoch. Zudem kommen zwei Mal pro Woche Leute von der Gemeinde und bringen den Dorfbewohnern Brunnenwasser in Wassertanklastern mit. Dabei handelt es sich um Brackwasser. So müssen sich die Leute nicht auf die Ankunft des Regens verlassen. Bisher wurde dieses Wasser genutzt, um den Boden zu reinigen oder Kleidung zu waschen.

US-Institut installiert Solaranlage im Dschungel

Das Massachusetts Institut für Technologie (MIT) hat nun ein Solarsystem entwickelt, das geliefertes Brack- in Trinkwasser umwandelt. Die vom Stromnetz unabhängige Anlage prouziert 1.000 Liter am Tag – auch bei bedecktem Himmel. Bei der Anlage in La Mancolona handelt es sich um einen Prototyp. Der ist mit einem Peso für 20 Liter bisher auch preiswerter als die dort übliche Beschaffung des Trinkwassers. Solarmodule mit einer Leistung von je 215 Watt betreiben die Pumpen, die das Wasser durch einen Filter mit halbporösen Membranen drücken. Salz und andere schwere Mineralien werden so herausgefiltert. Dank eines Computersystems läuft die Anlage selbst und ein großer Tank speichert größere Mengen an Wasser – 5.000 Liter, um genau zu sein. So oft kommt der Transporter schließlich nicht im Dorf vorbei. Da auch die MIT Spezialisten nicht immer vor Ort sein werden, trainieren sie die Bewohner für die Wartung des Systems.

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Möglich ist die Umsetzung des Projektes übrigens nur durch die finanzielle Unterstützung der Kellogg Foundation und Fondo Para La Paz. Und auch der mexikanische Photovoltaik-Anbieter eSun energy verhalf dem US-Institut zur Installierung der Anlage.

450 Dorfbewohner können auf diese Weise mit Trinkwasser versorgt werden. Der Prototyp ist nun seit vier Monaten in Betrieb. Wenn es gut funktioniert, will das MIT die Anlage auch in anderen Teilen der Welt ausprobieren. Und bei geschätzten 25 Millionen indigenen Völkern ist das Potential für den Einsatz schon allein in Mexiko sehr groß.

Jenny Lohse

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