Schwarze Schatten über Spaniens Solarparadies

Nach dem Aus für die Solarförderung in Deutschland muss nun auch die Photovoltaikbranche im Vorzeigeland für die Erzeugung von Sonnenenergie, Spanien, unter den Folgen der Finanzkrise leiden.

Wie die Bundesregierung wollen nun auch die auf der Iberischen Halbinsel regierenden Sozialisten (PSOE) die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien kappen. Allein im Jahr 2009 wurde die Einspeisung von Ökostrom in das spanische Stromnetz mit 6,2 Milliarden Euro gefördert.

Der Förderstopp  soll sogar rückwirkend geschehen. Die Subventionen für Solarstrom wurden bisher auf den Strompreis umgelegt, weshalb der Strompreis für die spanische Industrie laut dem spanischen Industrieminister Miguel Sebastián 17 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Damit hat die spanische Regierung einen Sturmlauf der Entrüstung aller Verbände der spanischen Photovoltaikbranche ausgelöst, die auf die bis 2012 festgesetzten Beträge verweisen. Die Regierung kann sich bei der möglichen rückwirkenden Absenkung von Vergütungen aber auf ein Urteil des Obersten Gerichtshof vom 9. Dezember 2009 berufen.

Allein im Jahr 2008 wurden in Spanien mehr als 2.600 Megawatt Solarenergieleistung neu installiert. Doch allen Beteiligten ist klar, dass bisherige Vergütungen in dem Sonnenland nicht zu halten sind. Vergütungen von bis zu 34 Cent pro Kilowattstunde sind angesichts gesunkener Anlagenkosten immer noch sehr hoch. Zum Vergleich: Vor dem Beginn der Solarförderung in Spanien lag dieser Wert bei 22 Cent pro Kilowattstunde.

In der gegenwärtigen Finanzkrise hat die spanische Regierung bereits über eine restriktiv gehandhabte Genehmigungspraxis die Bremse angezogen, um die Kosten zu begrenzen. Ob Kürzungen in einem stetig expandierenden Sektor wie den erneuerbaren Energien, und hier speziell bei der Solarenergie, ein politisch weitsichtiger Schritt ist, bleibt fraglich.

Gerade in einem Moment, wo Großmächte wie China und die USA anfangen, verstärkt auf erneuerbare Energien bei der heimischen Energieerzeugung zu setzen, sollte Europa aufpassen, hier nicht den Anschluss zu verlieren und die eigene Rolle in einem zukünftig weiter wachsenden Exportmarkt aufs Spiel zu setzen.

Daniel Seemann

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