Rekord: 23 Prozent Erneuerbare in Deutschland!

Der deutsche Strommix 2012 hat sich gegenüber dem Jahr zuvor stark verändert. Dies ist der soeben veröffentlichten, ersten Schätzung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zu entnehmen. Exakte Zahlen liegen zwar erst in einigen Wochen vor, dennoch zeichnet sich bereits jetzt ein neuer Rekord ab: Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung Deutschlands wird voraussichtlich 23 Prozent betragen. Plus: Das CleanEnergy Project identifiziert die drei wichtigsten Trends in der Energiegewinnung.

Volle Windkraft voraus! Laut BDEW bleibt der Wind nach wie vor die führende erneuerbare Energiequelle. Stolze acht Prozent der Gesamtenergie der Bundesrepublik entfallen auf diese Ressource. Mit insgesamt sechs Prozent landet Biomasse, gleich wie 2011, auf Platz zwei.

Photovoltaik trug 2012 bereits fünf Prozent zur insgesamt produzierten Strommenge bei und belegt neuerdings den dritten Platz. Grund für den deutlichen Anstieg der mithilfe von Photovoltaikanlagen erzielten Energiemenge ist der weiterhin rasant voranschreitende Neu- und Ausbau der entsprechenden Anlagen. Zwar wird das Jahr 2011 weiterhin das Rekordjahr schlechthin im Bezug auf den Zubau der Photovoltaikanlagen bleiben, der Zuwachs des Jahres 2012 wird sich jedoch in etwa in derselben Größenordnung bewegen. Demnach schlagen sich die Förderkürzungen bei der Solarenergie sowie die globale Krise der Photovoltaikbranche noch nicht auf die aktuellen Werte nieder.

Durch diese Entwicklung fällt Wasserkraft um einen Platz zurück, steuert aber nach wie vor drei Prozent zum deutschen Strommix bei. Biogene Abfälle vervollständigen mit einem Prozentpunkt Deutschlands Rekordwert von voraussichtlich 23 Prozent Ökostromanteil an der produzierten Gesamtenergie.

Braunkohle und die Krise der Gaskraftwerke. Weiterhin unverändert an der Spitze der Energielieferanten liegt die Braunkohle. Nicht weniger als 24 Prozent werden vermutlich allein auf diese fossile Energiequelle entfallen. Wie etwa dem aktuellen Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) zu entnehmen ist, stieg der Kohleverbrauch der Bundesrepublik auch im vergangenen Jahr weiterhin an. Um ganze acht Prozent mehr Kohle wurde demzufolge hierzulande verfeuert. Diese Entwicklung trägt somit nicht gerade zu einer Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid bei.

Experten sehen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem gestiegenen Kohleverbrauch und dem Aufschwung, den Schiefergas derzeit in den USA erlebt. Direkte Konsequenz dieses Booms in den Vereinigten Staaten von Amerika ist ein deutlich gesunkener Kohlepreis in Europa. Zusammen mit dem weiterhin zügig voranschreitenden Zubau der Photovoltaikanlagen führt dies letztendlich dazu, dass die relativ umweltfreundlichen Gaskraftwerke zusehends aus dem Energiemarkt gedrängt werden.

Konkret bedeutet dies, dass hierzulande 2012 bisher 14 Prozent weniger Erdgas als im Vorjahr in den Kraftwerken verfeuert wurden. Diese Entwicklung ist nicht allein auf Deutschland beschränkt. Auch in den Niederlanden wird vermehrt auf den derzeit günstigen Strom aus Kohlekraftwerken zurückgegriffen. Klimafreundliche Gaskraftwerke erweisen sich auch dort immer häufiger als unrentabel.

Die Zukunft der Stromerzeugung. Anhand der aktuellen Untersuchungen können eindeutig drei wesentliche Trends in der Energieerzeugung identifiziert werden.
Trend 1: Insbesondere innerhalb der EU kommt auf alle nicht-fossilen Energiequellen in den kommenden zwei Jahrzehnten eine Phase der Expansion zu.
Trend 2: Zugleich kommt es zu starken Veränderungen hinsichtlich der Nutzung der einzelnen Brennstoffe, die zur Energiegewinnung herangezogen werden.
Trend 3: Auf globaler Ebene wird Kohle in den kommenden zwei Jahrzehnten auch weiterhin die wichtigste Energiequelle bleiben.

Joachim Kern

Add comment