Reiche Länder verursachen CO2-Emissionen in ärmeren Ländern

CO2-Emissionen; Bild: shutterstock

In Industrieländern konsumierte Güter werden vermehrt in ärmeren Länder produziert. Dadurch verlagern sich CO2-Emissionen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer. Die in den Industrienationen erreichten CO2-Einsparungswerte werden verfälscht und die CO2-Einsparziele unterminiert. Das zeigt eine Studie eines Teams internationaler Wissenschaftler, durchgeführt unter anderem am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Technischen Universität Berlin.

Die Verlagerung von Produktionsstandorten in Entwicklungs- und Schwellenländer ist ein bekanntes Phänomen. Die Herstellungskosten in ärmeren Ländern sind häufig um ein Vielfaches geringer. Beispielsweise ist das Lohnniveau niedriger als in Industrieländern.

Auch Umweltauflagen sind häufig weniger streng. Auf Dauer wird dadurch die Wirkung von Emissionsbegrenzungen unterlaufen. Zwischen 1990 und 2008 hat sich der Emissionsanstieg in den Industriestaaten konsolidiert. In den Entwicklungsländern jedoch haben sich die Emissionen im gleichen Zeitraum verdoppelt.

Im Rahmen des Kyoto-Protokolls verständigten sich die Industrieländer auf eine Begrenzung des CO2-Ausstoßes; für Schwellen- und Entwicklungsländer gilt eine solche Begrenzung nicht – unter anderem um deren Wirtschaftswachstum zu fördern. Ein Großteil der Emissionen in den Entwicklungsländern wird nun indirekt durch die Industriestaaten verursacht. Der Gesamtanstieg übertrifft inzwischen das Fünffache der in den Industrienationen bis 2008 erreichten Einsparungen. Insgesamt sind die CO2-Emissionswerte weltweit im Berichtzeitraum um 39 Prozent angestiegen. Die vorgebliche, öffentlich proklamierte Minderung der Emissionen in unseren westlichen Industriestaaten beschönigt und verklärt die Wirklichkeit – dass die CO2-Emissionen tatsächlich weiter stiegen.

Die Autoren der Studie haben die Emissionsverlagerungen in 95 Ländern und 57 Wirtschaftsbranchen über 18 Jahre hinweg untersucht. Dabei wurde eine gravierende Schwäche des internationalen Berichtssystems offenbart: Im heutigen Zurechnungssystem sind Industriestaaten nicht verpflichtet, die durch ihren Konsum verursachten Emissionen zu melden, ganz gleich wie stark diese zum weltweiten Emissionsanstieg beitragen, sagte der Leitautor der Studie, Glen P. Peters vom Center for International Climate and Environmental Research (CICERO) in Oslo. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) fordert Pfade zu einem globalen Abkommen und eine Ausweitung regionaler Regeln zur Emissionsvermeidung. Die Regeln des Kyoto-Protokolls müssten entsprechend verbessert und ergänzt werden; sonst würden nationale und regionale Klimaschutzziele obsolet.

Josephin Lehnert

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