Regenerative Erdgasproduktion im Hunsrück

Die Technik ist da, der Wille ist inzwischen auch da – nur an einem fehlt es noch für den ganz großen Durchbruch der erneuerbaren Energien: an Speichermöglichkeiten. Im Energiepark Morbach im Hunsrück hat man sich etwas einfallen lassen. Kürzlich wurde dort eine Anlage eingeweiht, die mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie aus Kohlendioxid synthetisches Erdgas produziert. Das entstehende Methangas kann gespeichert und ins Erdgasnetz eingespeist werden. Das CO2 stammt aus einer Biogasanlage, wo es als Abfallprodukt anfällt. Power to Gas nennt sich das Verfahren, bei dem EE-Gas entsteht.

Die Testanlage liefert 25 Kilowatt, das reicht noch nicht einmal, um die 11.000 Einwohner von Morbach mit Energie zu versorgen. Dennoch ist die Anlage ein kleiner Erfolg. Vor allem im derzeitigen Umschwung weg von Atomenergie und hin zu sauberen und sicheren Energieträgern kommt Speichermöglichkeiten eine wichtige Rolle zu.

Gebaut wurde die neue Biogastechnik von der Firma SolarFuel für etwa eine halbe Milliarde Euro. Entwickelt wurde die innovative Technik vom Stuttgarter Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). An das Erdgasnetz ist die Forschungsstation bislang noch nicht angeschlossen, das erzeugte Erdgas wird noch nicht weiterverwendet. Doch derzeit plant das ZSW eine große Anlage von sechs Megawatt Leistung.

Die Umwandlung erfolgt in zwei Schritten. Zunächst wird mit überschüssiger erneuerbarer Energie durch Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Durch den Zusatz von CO2 wird aus dem EE-Wasserstoff dann  EE-Methan. Ein Gemisch aus EE-Wasserstoff mit Methan oder reines EE-Methan kann zur Erzeugung von Wärme und Strom verwendet werden. Der EE-Wasserstoff kann zudem in Wasserstofffahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Energieausbeute ist dabei – da die zweite Prozessstufe wegfällt – sogar noch etwas höher. Die Energieeffizienz soll bei der Umwandlung in Wasserstoff bei 64 bis 77 Prozent liegen, bei der Umwandlung in Methan zwischen 51 und 65 Prozent nach Abzug des Stromes. Für die Einspeisung ins Netz sowie in Gasspeicher muss das EE-Gas allerdings noch verdichtet werden, wodurch der Wirkungsgrad noch etwas sinkt.

Josephin Lehnert

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