Quo vadis, Energiewende?

Prof. Dr. Claudia Kemfert

Deutschland will die Energiewende. Doch wie genau soll ihre Umsetzung aussehen? Manche sind der Ansicht, die Energiewende sei gleichzusetzen mit dem Ausstieg aus der Atomenergie – nicht so Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Vergangenen Dienstagabend erklärte die Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit auf der „Grünen Bühne“* in München, wie eine „echte“ Energiewende gelingen kann.

So plädierte die Wirtschaftswissenschaftlerin für einen „Wandel auf allen Ebenen“. Momentan ist die Energiewende – im Sinne eines Umstiegs auf alternative Energien – noch überwiegend in Bürgerhand. Rund 40 Prozent der Investitionen, die jährlich in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen, werden von Privatpersonen getätigt. Die vier großen Energiekonzerne (Eon, RWE, Vattenfall und EnBW) kommen dagegen gemeinsam gerade einmal auf etwa sieben Prozent der jährlichen Investitionen in die Erneuerbaren. Sie sind diesbezüglich relativ schwer ‚zu bewegen‘, da ihre bewährten Geschäftsmodelle auf dem Verkauf von Strom aus konventionellen Energieträgern beruhen. Mit einem verstärkten Umstieg auf regenerative Energien müssen sich die Geschäftsmodelle ändern, was für die Firmen ein gewisses Risiko darstellt.

Neben den Bürgern und Energiekonzernen sind auch die Netzbetreiben gefragt. Während in manchen Regionen Deutschlands ein Stromüberschuss herrscht, ist in anderen Teilen Deutschlands der Stromverbrauch höher als die Stromgenerierung vor Ort – wie beispielsweise in Baden-Württemberg. Daher seien – neben dem Ausbau zusätzlicher, dezentraler Erneuerbare-Energien-Anlagen – auch neue Transportwege für den Strom nötig, so Kemfert.

Den Politikern legte Kemfert dagegen ans Herz, bei der Realisierung der Energiewende „vom Ende her zu denken.“ Also sich die Frage zu stellen: „Wo wollen wir hin und wie kommen wir da hin?“ Anstatt immer nur in Legislaturperioden zu denken. Ein zentraler Punkt, den die Ökonomin hier ansprach, ist die Verbesserung des Emissionszertifikatehandels.

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Da die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien viel stärkeren Schwankungen unterliegt als aus konventionellen, müssen wir Wege finden, um diese Schwankungen auszugleichen, betonte die Expertin. Dazu gehört beispielsweise neben dem Ausbau der Netze und dezentralen Anlagen auch die Errichtung sogenannter Smart Grids, virtueller Kraftwerke sowie Speicherlösungen.

Allerdings war es Kemfert auch ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass „die Energiewende deutlich mehr ist, als eine Stromangebotswende“. Eine ebenfalls bedeutende Rolle spielen schließlich auch Wärmeenergie und Mobilität. Durch eine Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden sowie den Umstieg auf nachhaltige Mobilitätsangebote, wird ein aktiver Beitrag zur Realisierung der Energiewende geleistet.

*Die Grüne Bühne wird organisiert vor der Münchner Umweltschutzorganisation Green City e.V.

Corinna Lang

1 Kommentar

  • Wie hoch ist der Eigenverbrauch eines Braunkohlebaggers ?
    Hier in NRW soll’s mal heißen: Bei Stromengpass – „Bagger aus“.
    Also ist der Verbrauch eines Einzelnen enorm hoch.

    [b]Die Restaurierung eines einzelnen Kohlebaggers lässt RWE sich gerade schlappe 6 Mio. kosten !!![/b]
    Im Klartext heißt das Zweierlei:
    – Der macht’s noch über das Jahr 2030 hinaus.
    – Demnach ist doch die kommende Wahl schon entschieden ! Geht’s noch deutlicher ?

    – Wo bleibt die weitere Fortführung des „Intelligenten Stromnetzes“ ? Ich lasse die Waschmaschine aus, wenn ich die Info bekäme, dass zu wenig Strom verfügbar ist.
    – NSP-Hzg. sollte 2019 nicht weiterausgebaut werden dürfen – jetzt doch wieder erlaubt, weil’s lt. RWE-Meinung die „ideale Lösung zur Stromspeicherung“ darstellt.
    – Die Stadt Meerbusch klagt in Karlsruhe gegen den geplanten Riesenkonverter: Er soll ab 2017 der Garant dafür werden, den schmutzigen Strom besser abzuführen.

    Frau Kemfert, wir haben noch Einiges vor uns.