Algenatives Rechenzentrum

Die Firma Prior1 hat gemeinsam mit dem Architekten Bernd Schenk ein „algenatives“ Rechenzentrum entwickelt. Kernstück ist eine integrierte Algenfassade, die zwei Blockheizkraftwerke mit Methangasen versorgt.

Algen der Gattungen Chlorella und Chlamydomonas kreisen in speziellen, mit Flüssigkeit gefüllten Paneelen, die an sonnenexponierten Teilen der Fassade angebracht sind, sowie in Algentanks in den Untergeschossen des Gebäudes. Die Algen benötigen Kohlendioxid, um Photosynthese zu betreiben, das wiederum aus den Abgasen der Blockheizkraftwerke stammt. Ein perfekter Kreislauf. Die von den Algen produzierte Biomasse wird abgeschöpft und kann für die Herstellung diverser Produkte verwendet werden. Sie ist sehr energie- und proteinreich.

Das Gebäude besteht im Kernbereich aus dem Rechenzentrum, umgeben von zahlreichen Nutzflächen. Über das gesamte Gebäude hinweg soll „Vertical Farming“ betriebe werden. Zur konstanten Temperaturerzeugung wird die warme Abluft aus dem Rechenzentrum genutzt, so dass ganzjährig in vertikal angelegten Flächen Obst und Gemüse erzeugt werden kann für die Versorgung der Bewohner. Das Gute daran: Lange Zulieferwege entfallen. Insgesamt stehen 46.000 Quadratmeter „grüne“ Produktionsfläche zur Verfügung, das entspricht drei großen Fußballfeldern.

Über die verschiedenen Stockwerke verteilt sollen alle wichtigen Einrichtungen des täglichen Lebens verfügbar sein: neben Büros und Wohnungen auch Läden, Serviceeinrichtungen, Kindertagesstätten, Spielplätze bis hin zu Schwimmbad, Sauna, Restaurants, Fitnessanlage und Erholungslandschaft. Wer hier Vorbildgeber für die Idee war, ist nicht schwer zu erraten. Man wird sofort an Le Corbouiers Wohnmaschine erinnert. Allerdings war man in den 1920er Jahren noch weit entfernt von regenerativer Energieerzeugung. Denn das algenaktive Rechenzentrum nutzt nicht nur die Kraft der Algen, sondern auch Windkraft aus einem Darieusrotor für die Versorgung von LEDs zur Beleuchtung der Algentanks. An den Gebäudeecken, wo der Wind stark pfeift, sind  Windvektoren in vertikalen Achsen installiert.

Von Prior1 heißt es, Rechenzentren seien noch immer Energieverbraucher, denen enorme Ressourcen fossiler Energien zugeführt werden müssen. Mit dem „algenativen“ Rechenzentrum beschreite man einen neuen Weg: Weg vom Energieverbraucher, hin zum Energieerzeuger. Durch den gewählten architektonischen Ansatz integriere man ein absolut autonomes und hochverfügbares Rechenzentrum mitten in die Gesellschaft.

Josephin Lehnert

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