Öl und Gas – die letzten Reserven?

Ist es wirklich schon so spät, wie uns Politiker und Experten weismachen wollen? Neigen sich unsere irdischen Vorräte an Gas und Öl dem Ende oder schwimmen wir vielleicht noch im Öl? Wirklichkeit oder nur Schwarzmalerei? In einem Punkt hingegen sind sich alle einig: die Vorkommen sind begrenzt und Alternativen müssen gefunden werden. Die Frage ist nur, wie lange kommen wir noch mit dem aus, was wir an Öl und Gas auf der Erde vorfinden?

Die Vorkommen an Erdgas, nach Öl und Kohle der drittwichtigste Energieträger, werden von Experten so eingeschätzt, dass diese für die nächsten Jahrzehnte noch in ausreichenden Mengen vorhanden sind, so auch die Meinung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter, denn im Gegensatz zum Erdöl, dessen Vorkommen bereits größtenteils entdeckt sind, sollen große Teile an Erdgasvorräten noch unentdeckt in der Tiefe schlummern. Jährlich werden daher neue Prognosen herausgegeben, die durch neu entdeckte Erdgasvorkommen weiter in die Höhe getrieben werden. Problematisch ist jedoch die vorprogrammierte Abhängigkeit zu politisch teilweise gespaltenen Ländern, denn über die Hälfte der weltweiten Erdgasvorräte konzentriert sich auf Länder wie Russland, den Iran oder Katar. Die problematischen und teuren Transportbedingungen, nur über Pipelines lassen sich große Erdgasmengen vom Förderland zu den Abnehmern bewegen, kommen noch erschwerend hinzu. Nichtsdestotrotz liegt das Potenzial, was uns an Erdgas bleibt, fast doppelt so hoch wie beim Erdöl, nicht zuletzt wegen der weitaus später begonnenen industriellen Nutzung des Gases.

Bei der Ölförderung ist die Problematik wesentlich höher, als beim Erdgas. Hier gliedert sich das Ölvorkommen in Reserven, die für den Menschen förder- und nutzbar sind und in Ressourcen, die bislang noch nicht genutzt werden können. Das gesamte nutzbare Erdöl der Welt, die Reserven also, liegen bei etwa 157,3 Milliarden Tonnen. Pro Jahr werden hiervon zirka 3,9 Milliarden Tonnen gefördert. Bleibt der Verbrauch auf diesem Stand, dürften die Reserven noch für 40 Jahre ausreichen. Mit 36 Prozent ist Erdöl derzeit der Energieträger Nummer eins, hauptsächlich der Verkehrssektor ist mit 97 Prozent fast gänzlich vom Erdöl abhängig. Hier sehen Experten auch das größte Problem, denn wenn nicht rechtzeitig auf andere Energieträger zum Antrieb von Verkehrsmitteln wie Flugzeugen, Schiffen und Autos umgestiegen wird, könnte das gesamte Verkehrssystem zusammenbrechen. Bislang sind noch keine Antriebssysteme für eine Serienproduktion in Sicht, die ohne Öl auskäme. Schätzungen, was die Ressourcen an Erdöl angeht, liegen bei etwa 82 Milliarden Tonnen, allerdings steht hier die Förderbarkeit als Hauptproblem im Wege. Vermutet werden größere Vorkommen in schwer zugänglichen Regionen, wie etwa in der Arktis oder in der Tiefsee. Die technischen Möglichkeiten sind jedoch momentan noch nicht in dem Maße ausgereift, dass diese Ressourcen gefördert beziehungsweise überhaupt gefunden werden können. Außerdem dürften 90 Prozent des Gesamtvorkommens bereits entdeckt sein (Energy Watch Group).

Es stimmt also, wir müssen langsam anfangen, Alternativen zu finden – bevor es zu spät ist. Im Bereich der Wärme- und Stromerzeugung gelingt dies in zunehmendem Maße, alleine die Sonnen- und Windenergie hat großes Potenzial und die Technik in diesen Sektoren reift immer mehr heran. Auf dem Verkehrssektor fehlt ein solcher Durchbruch, kreative Ideen sind also mehr denn je gefragt – schließlich bleiben nur noch 40 Jahre, um ein Verkehrschaos zu umgehen!

Judith Schomaker

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