Ökostrom – aber richtig!

Green; Foto: Shutterstock

Seit der Atomkatastrophe in Japan erfahren die erneuerbaren Energien einen enormen Aufschwung. Während sich Politiker noch darüber Gedanken machen, wie sie am geschicktesten aus der AKW-Nummer herauskommen, beschließen viele Deutsche ihren ganz persönlichen Atom-Ausstieg. Sie schwenken um auf Ökostrom.

Leider wissen nur wenige, was sich tatsächlich dahinter verbirgt, denn wie fast überall gilt auch beim Grünen Strom: Hier wird gerne getrickst!

Angebote von Ökostromanbietern gibt es, zumindest in den größeren Städten, wie Sand am Meer. Preislich ist Strom aus regenerativen Quellen dabei nicht unbedingt höher angesiedelt, als der Standardtarif örtlicher Anbieter von Atom- oder Kohle-Strom. Warum dann nicht einfach zu grünem Strom wechseln und alles wird gut? Weil der Umwelt damit nicht immer gedient wird – das wiederum ist auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennen. Erst ein Blick auf den Ökostrommarkt bringt Klarheit, welcher Ökostrom auch tatsächlich der Umwelt zugute kommt.

Rund 16 Prozent der gesamten Stromproduktion in Deutschland werden bereits über Erneuerbare gedeckt und von allen Stromkunden über eine Umlage bezahlt. Vermischt mit Strom aus Atom und Kohle kommt er aus der heimischen Steckdose. Entsprechend subventioniert steht er somit nicht mehr als „Ökostrom“ zur Verfügung. Ist es nun Quatsch, auf reinen Ökostrom zu wechseln, weil ja ohnehin schon ein Teil des gesamten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt und somit so gut wie kein reiner Ökostrom mehr auf dem deutschen Markt verfügbar ist? Und wo kommt der grüne Strom, der uns als Ökostrom verkauft wird und die Umwelt schonen soll her?

Es ist keineswegs unsinnig zu Ökostromanbietern zu wechseln, allerdings sollten Verbraucher genau hinsehen, wenn es um die Anbieterwahl geht. Der meiste Ökostrom kommt aus Wasserkraftanlagen im Ausland, viele davon sind schon Jahrzehnte alt. Einen Anreiz auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Quellen gibt es damit kaum, denn am europaweiten Strom-Mix ändert es nichts, ob deutsche Verbraucher diesen Strom bei ihrem Ökostromanbieter teuer bezahlen. Sinn und Zweck sollte es aber sein, mit dem Geld der Kunden die Erneuerbaren auszubauen und dadurch konventionelle Anlagen langsam aber sicher zu verdrängen. Für Verbraucher keine leichte Aufgabe, aus der Fülle an Anbietern nun den „richtigen“ herauszufiltern. Ein entscheidendes Kriterium, um mit dem Anbieterwechsel tatsächlich den Ausbau der Erneuerbaren zu unterstützen, bieten Gütesiegel. Doch auch hier gibt es eine ganze Fülle an Siegeln, die kaum kenntlich machen, ob es sich um alten oder neuen Strom aus regenerativen Quellen handelt. Verlässlich sind vor allem zwei Siegel, das Grüner Strom Label Gold und Ok-Power. Beide werden nur verliehen, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind, wobei Ok-Power zur Auflage macht, dass etwa die Anlagen für Wasserstrom nicht älter als zwölf Jahre sein dürfen. Strenger geht es beim Grüner Strom Label Gold zu. Hier muss ein Teil des Strompreises aktiv in den Ausbau der Erneuerbaren gesteckt werden.

Judith Schomaker

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