Ökostrom hoch im Kurs – Wie die steigende Nachfrage gedeckt wird

Strom aus Wasserkraft; Bild: shutterstock

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahre 1998 haben rund ein Viertel der deutschen Verbraucher ihren Stromanbieter gewechselt. Vor allem die großen Ökostromanbieter können zufrieden sein: Laut des deutschen Naturschutzrings gibt es inzwischen mehr als eine Million Ökostromkunden. Lichtblick konnte dabei die meisten Interessenten für sich gewinnen. Bei über 40 Millionen Privathaushalten in Deutschland gibt es aber noch ein großes Potential.

Mit der erhöhten Nachfrage von Ökostrom ändern sich sowohl der Energiemix als auch der Pool an Anlagenbetreiber. Bisher macht die Wasserkraft bei den erneuerbaren Energien noch den Löwenanteil aus. Weil das Wasserkraftpotential in Deutschland so gut wie ausgeschöpft ist, holen wir uns zusätzlichen Ökostrom vor allem aus Norwegen und Österreich.

Während der energetische Schwerpunkt des Unternehmens Lichtblick auf den norwegischen Wasserkraftwerken liegt, bezieht die Genossenschaft Greenpeace energy 75 Prozent ihres Strommixes aus österreichischen Wasserkraftwerken. Hinzu kommt Strom aus Windparks (Lichtblick: Norwegen, Dänemark) und von einzelnen Windrädern (Greenpeace energy: Deutschland). Auch der Strommix der Elektrizitätswerke Schönau besteht zu 95 Prozent aus norwegischer Wasserkraft. Der restliche Prozentsatz ergibt sich überwiegend durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Baden-Württemberg.

Einige wenige Wasserkraftwerke bemühen sich dabei um Ausgleichsmaßnahmen wie Fischaufstiegs- und Abstiegshilfen. Das Unternehmen Lichtblick wird beispielsweise vom Wasserkraftwerk Freudenau beliefert, welches immerhin einen Umgehungsbach für Fische erbauen ließ. Dennoch bedrohen neue Pumpspeicherwerke die letzten freien Fließgewässer.

Auch wenn bei der Energieumwandlung immer in die Natur eingegriffen wird, sollten die negativen Auswirkungen der Stromerzeugung so weit wie möglich verringert werden. Der Energieversorger Naturstrom setzt deshalb auf eine dezentralere Produktion und hat seit diesem Jahr das Ziel, die Herkunft seines Stroms auf Deutschland zu beschränken. Im Jahre 2010 stammten 72 Prozent des ‚Naturstroms‘ von deutschen und österreichischen Wasserkraftwerken. Windanlagen aus Deutschland machten sogar schon 28 Prozent aus.

Vor- und Nachteile der Direktvermarktung

Die Aktiengesellschaft Naturstrom verfolgt somit ein anderes Konzept als die übrigen Ökostromanbieter. Denn sie kauft den Strom direkt von den Anlagenbetreibern ab – der Preis liegt dabei über dem EEG-Vergütungssatz, damit die Erzeuger bei der Direktvermarktung mitmachen. Durch die höheren Preise genießt Naturstrom das sogenannte Grünstromprivileg: Das Unternehmen ist von der EEG-Umlage befreit, weil mehr als die Hälfte der Zulieferer Anlagen betreiben, die eigentlich in den Geltungsbereich des EEG fielen.

Leider entwickeln sich auch daraus wieder Probleme. Denn die EEG-Umlage wird teurer, da ausgerechnet jener Ökostrom aus dem EEG-System heraus gekauft wird, der am preiswertesten herzustellen ist. Aus diesem Grund will die Regierung das Privileg ab nächstem Jahr an strengere Bedingungen knüpfen.

Eine Lösung könnte die Preisanhebung für Endkunden sein, die wirklich nachhaltigen Strom beziehen wollen. Zudem müssen die Ökostromanbieter weiterhin in erneuerbare Energien investieren, um mit der Nachfrage auch die Entwicklung voranzutreiben.

So unterstützt Lichtblick die Kraft-Wärme-Kopplung, den Bau von Photovoltaikanlagen und Kleinwasserkraftwerken. Greenpeace energy investiert in die Windkraft. Und die Elektrizitätswerke Schönau animieren unter anderem zum Energie sparen – auch sehr ungewöhnlich für ein Energieversorgungsunternehmen.

Jenny Lohse

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