Norwegen und Schweden planen gemeinsame „grüne“ Stromzertifikate

Norwegen und Schweden; Bild: shutterstock

Mit der von Norwegen und Schweden 2009 unterzeichneten Grundsatzvereinbarung über die Gründung eines gemeinsamen Marktes für „grüne Stromzertifikate“ wird die Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromproduktion in der Region weiter zunehmen. Laut Vereinbarung startet der gemeinsame Zertifikatsmarkt der beiden Länder 2012. Experten schätzen, dass der Ausbau erneuerbarer Energieträger dadurch deutlich verstärkt wird.

Am 8. Dezember 2010 setzten der norwegische Öl- und Energieminister Terje Riis-Johansen und die für Energiefragen zuständige schwedische Wirtschaftsministerin Maud Olofsson ihre Unterschriften unter die Festlegung der Richtlinien ihres geplanten gemeinsamen grünen Stromzertifikate-Marktes.

Nach der Unterzeichnung der entsprechenden Grundsatzvereinbarung im Jahr 2009 ist damit die Gründung eines gemeinsamen Marktes für „grüne Stromzertifikate“ auch strukturell und inhaltlich auf den Weg gebracht worden.

Ausbauschwerpunkte sind Wasserkraft, Bioenergie und Windkraft

Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energiequellen bekommen über das marktbasierte Fördersystem ein Zertifikat vom Staat, mit dem die mögliche Stromproduktion zur jeweiligen Gesamtstromproduktion ins Verhältnis gesetzt wird. Die Firmen können mithilfe der Zertifikate Einnahmen sowohl beim Stromverkauf wie auch beim Verkauf der Zertifikate erzielen. Das beschlossene gemeinsame Zertifikatsystem und die damit verbundene öffentliche Förderung werden somit zu einer wichtigen Triebfeder für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Mit dem gemeinsamen Fördersystem wollen Norwegen und Schweden ihre erneuerbare Stromproduktion zusätzlich bis 2020 um 26,4 Terawattstunden (für jedes Land je 13,2 Terawattstunden) erhöhen. Als besondere Ausbauschwerpunkte werden Wasserkraft in Norwegen, Bioenergie in Schweden und Windkraft in beiden Ländern genannt.

Boom von erneuerbaren Energien in Skandinavien erwartet

In Schweden wurde im Sommer 2009 beschlossen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen um 25 Terawattstunden bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. In Norwegen hat der Gesetzgeber das Ziel gesetzt, dass der Küstenstaat bis 2016 die Nutzung von erneuerbaren Energien um 30 Terawattstunden pro Jahr steigern soll – inklusive des über das neue System angepeilten Produktionswertes. Mit dem neuen Zertifikatsystem spielt Windkraft eine große Rolle. Norwegen, aber auch Schweden zählen klimatisch und topografisch zu den interessantesten Standorten für Windenergie, die allerdings bislang noch kaum erschlossen wurden. Im Jahr 2009 ging in beiden Ländern eine Gesamtleistung von etwas über drei Terawattstunden aus Windkraftanlagen in die Stromnetze.

Um die erklärten Produktionsziele zu erreichen, ist ein regelrechter Windkraftbauboom zu erwarten. Mit der von den beiden Ministern unterzeichneten Gesetzesvorlage wurden nun die entsprechenden gesetzlichen Regelungen vorbereitet. Mit der Beschlussfassung wird in beiden Länder im Jahresverlauf 2011 gerechnet. Das Inkrafttreten des gemeinsamen Marktes ist für den 1. Januar 2012 terminiert.

Daniel Seemann

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