Neuer Aufschwung für Gezeitenkraftwerke?

Gezeitenkraftwerke als regenerative Energieanlagen sind keineswegs eine Neuheit, doch wurde ihr Ertrag bisher als sehr gering eingestuft. In Großbritannien konnte jetzt aufgezeigt werden, dass 20 Prozent des Energiebedarfs des Landes durch Gezeitendämme und -turbinen gedeckt werden könnten.

Gezeitenkraftwerke nutzen – wie der Name schon vermuten lässt – Ebbe sowie Flut und den damit verbundenen Tidenhub für die Erzeugung von Strom. Sie werden an Meerengen oder Flussmündungen errichtet, da hier die Differenz zwischen dem Hoch- und Niedrigwasser besonders hoch ist. Durch einen Staudamm vom Meer getrennt, fließt das ablaufende Wasser nun durch Turbinen, die in den Damm integriert sind. Eine weitere Methode sieht die Installation von Turbinen an Punkten mit starker Meeresströmung vor, welche dann ähnlich einem Windkraftrad arbeiten. 

Den Erkenntnissen der Wissenschaftler an der University of Liverpool zu Folge soll Großbritannien 20 Prozent seines Strombedarfs durch diese Form der Energiegewinnung decken können. In ihrer Studie geben die Forscher damit erstmals eine optimistische Einschätzung. „Mit Gezeitendämmen kann man 15 Prozent des Strombedarfs Großbritanniens abdecken“, sagte Nicolas Yates dem Onlinedienst der BBC. Dies sei eine „sehr solide Zahl“. Mit Turbinen, die in strömungsstarken Bereichen arbeiten, seien zusätzliche fünf Prozent machbar – zusammen ergibt dies 20 Prozent

Doch sind Gezeitenkraftwerke auf Grund ihrer ökologischen Auswirkungen und den hohen Betriebskosten keineswegs unumstritten. So beeinflussen sie die Flora und Fauna im Bereich von Küstengewässern, indem die einzelnen Gezeitenphasen verschoben und dadurch die Ökosysteme beeinträchtigt werden. Nach einer Machbarkeitsstudie zum Bau des weltgrößten Gezeitenkraftwerks „Severn Barrage“ belaufen sich dessen Kosten auf 34 Milliarden Pfund, weitere Kosten sind durch den hohen Wartungsaufwand der Turbinen, die durch das Salzwasser starker Korrosion ausgesetzt sind, zu erwarten.

Zuletzt ist die Möglichkeit der Standorte zur rentablen Errichtung von Gezeitenkraftwerken begrenzt. So sollten zunächst kleinere Projekte angegangen werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln und den Ausbau der Gezeitenkraftwerke zukünftig zu ermöglichen.

Luisa Egenlauf

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