Nemos: Offshore-Windpark mit integriertem Wellenkraftwerk

Nemos; Bild: Jan Peckolt

Jan Peckolt gewann 2008 gemeinsam mit seinem Bruder Hannes die Segel-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in China. Der Wirtschaftsingenieur ist aber nicht nur sportlich talentiert, sondern hat im Rahmen seiner Diplomarbeit ein innovatives Energiekonzept namens Nemos entwickelt, bei dem Offshore-Windparks zusätzlich auf die Kraft von Meereswellen zurückgreifen und dadurch einen deutlich gleichmäßigeren Gesamtenergieeintrag erzielen. Laut einer an einem amerikanischen Standort durchgeführten Studie könnten die Schwankungen um etwa 20 Prozent reduziert werden. Durch die bessere Auslastung von Seekabeln werden zusätzlich Kosten gespart.

Doch die Idee beruht nicht nur auf der Kopplung von Wind- und Wellenkraftwerken, sondern Peckolt ist auch eine erhebliche Weiterentwicklung heute gängiger Wellenkraftwerke gelungen. Im Detail besteht seine Nemos-Anlage aus einem – mit drei Seilen am Meeresgrund befestigten – Auftriebskörper. Durch die Kraft der Wellen wird dieser bewegt und überträgt die Energie über die Seile an einen Generator, der am Turm der Windkraftanlage befestigt ist

Während bisherige Systeme deutlich unter 50 Prozent der Wellenenergie verwerten konnten, hat das von Peckolt optimierte Verfahren einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent. Da die Konstruktion grundsätzlich eher einfach ist, entstehen außerdem nur sehr geringe Materialkosten. An einer Offshore-Windanlage können fünf Schwimmkörper befestigt werden und die von ihnen erzeugte Energie kann den Strombedarf von etwa 1.000 Haushalten decken.

Jan Peckolt wurde für seine Entwicklung am 11. Oktober mit dem RWE-Zukunftspreis 2011 ausgezeichnet und erhielt dafür 12.000 Euro Preisgeld. Aus 75 Studienabschlussarbeiten entschied sich eine Jury unter Vorsitz von Ingo Alphéus, dem Leiters der RWE Effizienz Gmbh, für sein zukunftsträchtiges Projekt. In seiner Laudatio bezeichnete es Alphéus als „durchdachtes, schlüssiges Konzept, das einfach, aber wirksam und nah an einer Umsetzung“ ist.

Gefallen an Nemos sollen auch bereits mehrere Unternehmen gefunden haben. So haben unter anderem ein Energieversorger und ein großer Technologiekonzern aus dem DAX ihr Interesse an dem neuartigen Energiekonzept bekundet. Das ist insofern wichtig, als für eine zeitnahe Umsetzung ein vernünftiger finanzieller Background notwendig ist. Und was den Zeitplan angeht, hat Jan Peckolt schon sehr konkrete Vorstellungen: „Ziel ist der Aufbau einer Pilotanlage 2013/2014 in der Nordsee.

Matthias Schaffer

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