Markt für EE-Heizungen 2009 stark im Minus

Im aktuellen Leitszenario für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland geht das Umweltministerium davon aus, dass im Jahr 2020 16 Prozent des Wärmeverbrauchs durch erneuerbare Energien (EE) abgedeckt werden sollen. Neueste Zahlen für das Jahr 2009 bescheinigen dem Wärmesektor auch eine positive Bilanz. Hier stieg der EE-Anteil auf 9,6 Prozent gegenüber 7,9 Prozent im Vorjahr, so der Bundesverband für erneuerbare Energien (BEE) in einer aktuellen Pressemitteilung. Eine gute Nachrich – auf jeden Fall. Aber die Politik darf sich keinesfalls zurücklehnen, warnen Experten, falls sie ihre Ziele erreichen möchte.

Denn: Die gute Gesamtentwicklung am Wärmesektor täusche darüber hinweg, dass im zweiten Halbjahr 2009 die Nachfrage nach Anlagen der regenerativen Wärmeerzeugung massiv eingebrochen sei, so der Präsident des deutschen Bundesindustrieverbandes Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), Klaus Jesse. Bei Wärmepumpen, Solarthermieanlagen und Feststoffkesseln zur Verbrennung von Holz steht ein Minus im zweistelligen Bereich zu Buche. Hersteller der beiden zuletzt genannten Anlagentypen müssen sogar mit Absatzeinbrüchen von rund 25 Prozent klarkommen.

Pro Jahr werden nur drei Prozent oder 600.000 der alten Heizungssysteme ausgetauscht. Zu wenig, um das ausgegebene Ziel der Bundesregierung bis 2020 zu erreichen. Um einen EE-Anteil von 14 Prozent zu erreichen, wären jedes Jahr eine Million erneuerte Heizungen notwendig, die dem neuesten Stand der Technik bezüglich Effizienz und der Verwendung erneuerbarer Energien entsprechen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier des BDH und BEE.

Die beiden Verbände schlagen daher ein Maßnahmenpaket vor, um die Hauseigentümer bei ihren zuletzt zögerlichen Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Zunächst sollen alte Heizungssysteme einem regelmäßigen TÜV unterzogen werden. Werden festgelegte Standards nicht eingehalten, sollen die Eigentümer zum Austausch der ineffizienten Technik verpflichtet werden. Weiters wünschen sich die Verbände eine Aufstockung der Fördermittel im Rahmen des Marktanreizprogramms (MAP) auf eine Milliarde Euro. Die Fördersätze sollen deutlich erhöht werden, aber auch einer jährlichen Degression unterliegen, um einen weiteren Anreiz zu setzen, besser früher als später sein Heizungssystem zu erneuern.

Auch das Investor-Nutzer-Dilemma müsse gelöst werden, heißt es im Positionspapier. Besonders kleinere Vermieter schrecken oft vor den hohen Investitionssummen zurück, die sie nahezu allein tragen müssen. Die Mieter profitieren dagegen von den niedrigeren Betriebskosten. Die Umlage auf die Kaltmiete sei je nach Marktsituation schwierig. BDH und BEE bieten an, gemeinsam mit Hausbesitzerverbänden und Mietervereinigungen nach Lösungen zu suchen. Außerdem wird eine umfangreiche Informationskampagne über die Vorteile einer modernisierten Heizung angestrebt.

Wird hier auch zunächst Interessensarbeit für die Verbandsmitglieder geleistet, beschäftigen sich BDH und BEE mit einem äußerst wichtigen Thema im Bezug auf den Klimaschutz. Rund 50 Prozent des Endenergieverbrauchs entfielen 2008 auf die Wärmeerzeugung, aber nur 13 Prozent der Heizungen entsprechen in Deutschland dem Stand der Technik. Soll heißen, 87 Prozent arbeiten ineffizient und ohne den Einsatz von erneuerbaren Energien. Neue politische Anreizprogramme sind also gewünscht und erforderlich.

Ulrike Rosenfellner

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