Licht und Schatten für die Solarwirtschaft: Intersolar 2014

PV-Neuheiten

Es ist wieder soweit: Vom 2.-6. Juni 2014 treffen sich erneut Experten der Solarbranche und Unternehmensvertreter aus aller Welt auf der Intersolar 2014, der größten Fachmesse der Solarwirtschaft weltweit. Erwartet werden rund 1000 Aussteller; zudem bietet die Intersolar ein umfangreiches Rahmenprogramm zu aktuellen Trends der Branche.

In diesem Jahr findet die Intersolar vor dem Hintergrund erheblicher Turbulenzen im Solarmarkt statt, insbesondere beim „Pionier“ Deutschland. Inmitten harter Debatten um die Energiewende und im Vorfeld der Verabschiedung der EEG-Novelle wird es bei der Messe nun wieder um das Potenzial der Solarenergie gehen – nur teilweise unter anderen Vorzeichen. Die Branche ist „erwachsen“ geworden und hat den Förderstatus hinter sich gelassen.

Im Vordergrund steht daher längst nicht mehr eine möglichst hohe Rendite durch die garantierten Einspeisevergütungen, sondern zunehmend eine Eigenversorgung durch Solarstrom. Konsequenterweise stehen Technologien für eine möglichst effiziente Nutzung von Sonnenenergie sowie Speicherlösungen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Intersolar. So stellen unter anderem bei der integrierten Fachmesse „Electrical Energy Storage (EES)“ (Halle B1) 260 Aussteller ihre Lösungen vor. Während der Messetage präsentieren zudem zahlreiche Unternehmen bei der Neuheitenbörse in fünfzehnminütigen Vorträgen ihre Innovationen.

Highlight des ersten Messetags ist die Verleihung des Intersolar AWARD auf der Neuheitenbörse in Halle A3 an Stand A3.550. Daneben wird in diesem Jahr auch der neue Electrical Energy Storage (EES) Award verliehen. Dieser prämiert herausragende Produkte und Lösungen im Bereich Materialien, Fertigung, Systemtechnik, Anwendungen, Zweitverwertung sowie im Recycling. Erstmals wird auf der diesjährigen Messe zudem der Bereich der solaren Wärmeerzeugung ausgebaut und integriert regenerative Heizsysteme wie Hackschnitzel- und Pelletsheizungen, Mini-Blockheizkraftwerke bzw. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Wärmepumpen (Halle C4).

Turbulenter Markt – Auseinandersetzungen um EEG-Novelle

Neben der Leistungsschau zu den „State-of-the-art“-Technologien im Solarsektor bleibt die Politik natürlich nicht komplett außen vor. So thematisiert bereits die Podiumsdiskussion zum Messeauftakt die aktuellen Entwicklungen der Energiewende, die insbesondere durch die geplante EEG-Novelle dominiert werden. Diese sieht unter anderem eine EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom aus erneuerbaren Energien vor, was den Erfolg gerade der Photovoltaik konterkarieren würde und von Branchenexperten als massive Investitionsbarriere identifiziert wird. Gestritten wird noch um die so genannte Bagatellgrenze für kleine Solaranlagen, die von der EEG-Umlage ausgenommen sein sollen. Laut Wirtschaftsminister Gabriel soll diese Grenze bei zehn Kilowatt Photovoltaik-Nennleistung liegen.

Schwerpunkte der Eröffnungsveranstaltung der Intersolar Europe mit Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Frank Peter von der Prognos AG sind eine nachhaltige und sichere Energieversorgung und der Wechsel von der zentralen zu einer dezentralen Versorgung mit hohem Anteil der Erneuerbaren sowie von einer angebotsorientierten zur bedarfsorientierten Energieversorgung. Vor diesem Hintergrund wird gezeigt, welche politischen Rahmenbedingungen nötig sind, um die Herausforderungen mit bereits verfügbaren Technologien kurz- und langfristig zu bewältigen.

Im Jahr 2013 in Deutschland wurden nach Angaben von Fraunhofer ISE bereits fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs von Photovoltaik-Anlagen gedeckt – ein internationaler Spitzenwert. Diese Entwicklung ist bereits jetzt massiv abgebremst und der Zubau lässt weiter nach: Erst kürzlich hatte das Marktforschungsunternehmen EuPD Research die Prognose für den deutschen Markt auf 1,9 Gigawatt neu installierte PV-Leistung statt der ursprünglich 2,8 Gigawatt gesenkt. Potenzial hat PV in Deutschland aber weiterhin, wenn auch in erster Linie für den Eigenverbrauch von Solarstrom. Wie das genau aussehen kann, darüber entscheidet letztlich auch der finale Wortlaut der EEG-Novelle.

Speziell Speichertechnologien werden bei der diesjährigen Intersolar damit stark im Fokus stehen. Nachdem das Kostensenkungspotenzial bereits stark ausgereizt wurde und die Preise für PV-Anlagen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind, gilt es nun außerdem, intelligente Technologien zu entwickeln, die das Optimum aus Solaranlagen herausholen. Trinasmart beispielsweise, entwickelt von Trina Solar in Kooperation mit Tigo Energy, maximiert über einen modulintegrierten Leistungsoptimierer den Ertrag von PV-Anlagen, senkt die Systemkosten und bietet höchstmögliche Sicherheitsstandards. Zudem ermöglicht die Technologie eine automatische Anlagenüberwachung; im Störungsfall schaltet das System je nach Sachlage einzelne Module oder auch die gesamte Anlage ab.

„Elios4you“, ein Energiemanagement-System von enerquinn, das zu den Finalisten des Intersolar Award gehört, ermöglicht jedem Besitzer einer Photovoltaik-Anlage, die Nutzung des Sonnenstroms per Fingerzeig zu steuern. Eine Smartphone-App visualisiert, wie viel Energie gerade im Haus produziert, verbraucht oder ins Netz eingespeist wird. Durch automatisches Ein- oder Ausschalten von Endgeräten wie dem „Power Reducer“, der überschüssigen Solarstrom zur Warmwasser-Gewinnung verwendet, sinken die Energiekosten und die Unabhängigkeit vom Netz steigt. Diese Beispiele zeigen, dass die Hersteller sich aktiv und mit innovativen Lösungen mit den Themen Lastmanagement, Leistungsoptimierung, Kostensenkung und Sicherheit auseinandersetzen.

Internationale Märkte bieten neues Potenzial

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Neben der Effizienzsteigerung bietet aber auch die fortschreitende Internationalisierung der Branche weitere Möglichkeiten. Großbritannien wird 2014 voraussichtlich Deutschland als größten PV-Markt Europas ablösen; insbesondere die angekündigten Kürzungen der Anreize in Großbritannien zum April 2014 haben die Zubauzahlen im ersten Quartal angetrieben. Und während Deutschland, Italien und Griechenland schwächeln, erwartet NPD Solarbuzz eine wachsende Nachfrage in Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Portugal, der Schweiz und der Türkei. Und die globale Perspektive sieht noch einmal sonniger aus: Laut Angaben des Europäischen Photovoltaik-Industrieverbandes EPIA sind 2013 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mindestens 37 Gigawatt neu installiert worden – eine deutliche Steigerung gegenüber den knapp 30 GW in 2012. China liegt hier inzwischen an der Spitze, mit etwa 11,3 GW neu installierter Leistung, Japan (6,9 GW) und die USA (4,8 GW) folgen auf Platz zwei und drei.

Gerade die außereuropäischen Märkte sind also weiterhin hoch interessant für die Solartechnik. Gute Perspektiven für die Anbieter also – vorausgesetzt, dass sie ihre Internationalisierung entsprechend vorbereitet haben und über ausreichend Finanzkraft verfügen. Hier wird sich voraussichtlich in den nächsten Jahren der Markt weiter konsolidieren. Die „Starken“ werden in Innovationen sowie M&A-Aktivitäten investieren und ihr Geschäft ausbauen. Für viele Unternehmen wird dies ein schwieriger Weg – für die Solarenergie und damit die Umwelt wird in den nächsten Jahren voraussichtlich auch in neuen Regionen die Sonne aufgehen.

 

 

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