Italien: Günstiger Solarstrom immer beliebter

Grondal-Chef Engheben auf einem Industriedach mit PV von Stucchi.
Der Chef von Grondal Giuseppe Engheben auf einem Dach von Stucchi in Pagazzano bei Bergamo. Bild: H.C.Neidlein

Die Photovoltaik ist in Italien auf dem Vormarsch, auch ohne direkte finanzielle Förderung. Treiber sind vor allem die Kostensenkung sowie scharfe Gebäudestandards.

Bis 2014 galt Italien aufgrund großzügiger Einspeisetarife als Eldorado für Solarinvestoren. Gut 17 Gigawatt (GW) Photovoltaikanlagen wurden innerhalb kurzer Zeit installiert. Doch als die Förderung abrupt gestoppt und Anlagenbetreiber sogar nachträglich besteuert wurden, kam der Markt fast zum Stillstand. Nun wendet sich das Blatt wieder und in der Solarbranche herrscht Aufbruchstimmung. Denn aufgrund der Kostensenkung, einer neuen Energiestrategie und verschärften Gebäudevorschriften erlebt die Photovoltaik eine zweite Renaissance.

55 Prozent erneuerbar soll der italienische Strommix bis 2030 sein, beschloss die italienische Regierung im November 2017. Derzeit liegt der Anteil des Stroms aus Sonne, Wind und Biomasse bei 24 Prozent (ohne große Wasserkraft). Zudem wurde angekündigt, die Kohlekraftwerke bis 2025 stillzulegen. Branchenverbände rechnen nun mit einem Zubau von über 30 GW Photovoltaik innerhalb der kommenden zwölf Jahre. Schon seit einiger Zeit gilt für Neubauten und bei grundlegender Gebäudesanierung eine „Solarpflicht“. Private Gebäude müssen ihren Strom- oder Wärmebedarf zu mindestens 50 Prozent über Photovoltaik oder Solarthermie selbst decken. Gewerbe- und Industrie zu 40 bis zu 80 Prozent. Für öffentliche Bauten gelten verschärfte Anforderungen. Indirekt gefördert wird der solare Eigenverbrauch durch Steueranreize sowie Net-Metering.

Vor allem Industrie- und Gewerbebetriebe setzen nun über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf günstigen Solarstrom vom eigenen Dach. So deckt beispielsweise der Lebensmittelgroßhändler Polo in Teolo im Großraum Verona einen Großteil seines Strombedarfs, vor allem für die Kühlung, über eine 367 Kilowatt (kW) starke Photovoltaik-Dachanlage. Die Amortisationszeit für die Investition liegt laut Unternehmenschef Galdino Peruzzo bei unter vier Jahren. Andere Unternehmen wie Stucchi in Pagazzano bei Bergamo rechnen mit Amortisationszeiten von rund fünf Jahren. „Im Trend liegt das operative PV- Anlagenleasing“, so Alberto Nadai, Key Account Manager Italien beim Modullieferanten Hanwha Q Cells. Zulieferbetriebe, wie der Industriedachausrüster Grondal aus Castiglione delle Stiviere berichten von vollen Auftragsbüchern. Der Mittelständler entwickelte ein patentiertes EGA Befestigungssystem für Solarmodule auf gewellten Dächern.

Im Trend liegen auch private Stromabnahmeverträge, sogenannte Power-Purachase-Agreements (PPAs). So ging im vergangenen Jahr in Montalto di Castroa (Provinz Lazio) die größte, nicht subventionierte PV-Anlage Italiens mit 63 MW in Betrieb. Der Strom wird zu einem Festpreis für vorerst zwei Jahre an den italienischen Stromhändler Green Trade geliefert. Wechselrichter und Mittelspannungs-Netztechnik lieferte übrigens SMA aus dem nordhessischen Niestetal.