Indianerstämme bauen Solar- und Windenergie aus

US-amerikanischer native dancer

Abgelegen, trocken und unwirtschaftlich. So lassen sich viele Reservate von Nachfahren der Urein- wohner Nordamerikas beschreiben. Und nicht selten wird die Umgebung als Lagerplatz für Abfälle, wie Asche aus Kohlekraftwerken oder Atommüll, genutzt. Dagegen ist die Stromversorgung in den Regionen meist unzureichend. Indigene Völker sind daher eher Leidtragende der Stromproduktion als Nutznießer. Eine neue Lebensqualität bringt die Einführung erneuerbarer Energien in die Stammes- gebiete der indigenen Bevölkerung.

Dabei profitieren die Indianer nicht nur als Landeigner der Anlagen für erneuerbare Energien, sondern auch als Betreiber. Vor allem die Solarenergie wird in der vermeintlich verlassenen Gegend zunehmend voran gebracht.

Die Nutzung der Solarenergie bietet sich für die indigene Bevölkerung Nordamerikas an: Schließlich wurde sie durch das Indianer-Umsiedlungsgesetz im Jahr 1830 vor allem in die trockenen Regionen des Landes verbannt. Diese zeichnen sich durch eine hohe Sonneneinstrahlung aus – und leider auch durch eine hohe Arbeitslosenrate.

Größtes Solarprojekt in Indianerreservat

So auch im Reservat der Moapa Indianer im US-Bundesstaat Nevada. Bisher steht dort eine Tankstelle, ein Fernfahrerrastplatz sowie ein kleines Spielkasino als Einkommensquelle. Dieselgeneratoren versorgen die Betriebe mit Strom. Um dem teuren und umweltfeindlichen Prozedere zu entkommen, entsteht auf dem Gebiet die größte Photovoltaikanlage, die je in den US-Reservaten gebaut wurde. Dafür haben die Moapa Indianer einen Teil ihres Landes an das Unternehmen K Road verpachtet. Der Stamm bleibt dabei Haupteigentümer des Projektes. Die geplante Anlage soll 250 Megawatt an Leistung generieren und voraussichtlich im Mai nächsten Jahres in Betrieb gehen.

Bevor es mit der Installierung losgehen kann, kümmern sich die Moapa Indianer aber erst einmal um die Umsiedlung einer bedrohten Tierart ihres Reservates. Im April dieses Jahres wurde eine Schutzzone für die in der Nähe lebenden kalifornischen Gopherschildkröte errichtet.

Um den Strom zu vertreiben, hat das Unternehmen K Road einen 25-Jahresvertrag mit dem Los Angeles Department für Wasser und Strom abgeschlossen. Das ist auch ganz passend wegen der bereits existierenden Hochspannungsleitungen. Bisher nutzt Los Angeles noch viel Kohle aus Arizona, aber Ziel ist die Einbeziehung mehr erneuerbarer Energien für die Stadt.

Windpark im Stammesgebiet mit ein bis zwei Gigawatt Leistung geplant

Auch die Nutzung der Windenergie auf dem Land vieler Indianerstämme wird greifbarer. Momentan ist die 50-Megawatt-Windfarm im Campo Reservat nahe Kalifornien das einzige kommerzielle Windkraftprojekt in einem Reservat indigener Völker in den USA. Doch das wird sich bald ändern. Sechs Indianerstämme der Sioux haben sich zusammen getan, um einen der größten Windparks der USA zu errichten und betreiben. Ein bis zwei Gigawatt an Leistung sind geplant, dabei sollen die Windräder über die Reservate in Süd Dakota verteilen werden. Mit dem Verbundnetz unterscheidet sich das Modell von anderen Windkraftprojekten in den USA. Bis zum Jahr 2018 sollen die ersten Windräder in den Reservaten in Betrieb gehen.

Unterstützung kommt von der Clinton Global Initiative. Auch die Crowdfunding Plattform rally.org soll zur Finanzierung von Machbarkeitsstudien beitragen. Doch vor allem mit der Gründung des öffentlichen Energieversorgers Oceti Sakowin Power Authority wollen die Indianer Investoren gewinnen.

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Süd Dakota benötigt selbst nicht viel Energie. So wird versucht, größere Städte im Umkreis einzubeziehen, in denen die Stromleitung schon vorhanden ist.

In den Reservaten führen die Windkraftanlagen zu einer enormen Verbesserung der Lebensbedingungen. Gerade durch die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Nutzung erneuerbarer Energien ist eine Chance für die indigenen Völker, endlich eigenständig ihre Zukunft gestalten zu können.

Jenny Lohse

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