Gute Fortschritte auf dem Weg zu 100 Prozent Strom aus EE

100 Prozent; Bild: shutterstock

Gute Fortschritte gibt es auf dem Weg zu einer Stromversorgung zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien bis 2050. Das zeigt ein Bericht für Europa und Nordafrika, der am 30 Mai 2011 in Brüssel veröffentlicht wurde. Bei der Entwicklung grenzüberschreitender Netze allerdings sind vor Ort wenig Fortschritte zu verzeichnen. Grund sei eine mangelnde Angleichung der Regelwerke und ein Mangel an Verfahren, wie mit wachsenden öffentlichen Widerständen umgegangen werden kann. Der Bericht – Ergebnis einer Zusammenarbeit des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des International Institute for Applied System Analysis (IIASA) und der Unternehmensberatung PwC – baut eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie der Finanzwelt, um die Veränderungen des Stromsektors zu untersuchen.

„Heute ist es kaum noch möglich, auch nur eine einzige Stromleitung von einem Land in ein anderes zu führen – die Rechtsvorschriften sind ineffizient und die öffentlichen Widerstände oft stark“, sagt Antonella Battaglini vom PIK, eine der Autorinnen. „Wenn wir nicht heute noch mit dem Aufbau der Infrastruktur für ein SuperSmart Grid in Europa und Nordafrika beginnen, also für schlaue und länderübergreifende Stromnetze, können wir den Traum aufgeben, bis 2050 den Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen.“ Gute Fortschritte habe es in der EU mit der Veröffentlichung des auf zehn Jahre angelegten Elektrizitäts-Entwicklungsplans durch das Europäische Netzwerk der Übertragungsnetzbetreiber gegeben, erklärt Battaglini. Nahezu keinen Fortschritt hingegen bei der Vereinfachung der Genehmigungsverfahren. Auch müssten Werkzeuge wie das Aufteilen von Vorteilen beim Leitungsbau, etwa zwischen Netzbetreibern und den betroffenen Kommunen oder Landkreisen, und die Beteiligung der Bevölkerung im Planungsprozess weiterentwickelt werden.

Der Bericht prüft, ob die Vision einer zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien gespeisten Stromversorgung in Europa – ohne den Wärme-Markt zu betrachten – seit der Veröffentlichung eines Fahrplans vor einem Jahr näher oder ferner gerückt ist. Zu diesem Zweck werden sowohl Schlüsselfaktoren als auch Auswirkungen von Großereignissen analysiert. Das Nuklearunglück von Japan, gefolgt vom Atom-Moratorium in Deutschland, hat zum Beispiel kurzfristig einen zehnprozentigen Anstieg der Kosten von CO2-Emissionszertifikaten bewirkt, so der Bericht. Dies habe das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die erneuerbaren Energien verbessert.

Bei der Marktstruktur zeigt sich ein gemischtes Bild. Obwohl die europäischen Märkte liberalisiert wurden und theoretisch Wettbewerb herrscht, funktionieren der Studie zufolge die meisten Märkte nicht so, wie es nötig wäre. „Bei der Integration der Märkte stehen wir gut da, aber an Wettbewerb fehlt es noch“, sagt der Mitautor Anthony Patt vom IIASA. „Zudem könnte der gegenwärtige Aufruhr in Nordafrika zwar langfristig eine Gelegenheit für stärkere Zusammenarbeit beim Thema Energie bieten, aber momentan liegt alles auf Eis.“

Ähnlich gemischt sind die Ergebnisse, was das Investitionsklima angeht. Die Regierungen halten zwar an ihren bestehenden Unterstützungsmechanismen fest, bieten aber keine verlässlichen politischen Perspektiven für die Zeit nach 2020. „In den vergangenen zwölf Monaten hat es eine ganze Menge positiver Entwicklungen gegeben, und wir können zuversichtlich sein, dass der Übergang hin zu den erneuerbaren Energien in Europa sich fortsetzt“, sagt Gus Schellekens, Direktor im Team Nachhaltigkeit und Klimawandel bei PwC. „Allerdings wird nun eine Langzeitplanung gebraucht, welche die allgemeine Richtung für die europäische Stromversorgung sowie ehrgeizige und glaubwürdige politische Verpflichtungen definiert, um das Vertrauen der Investoren zu vergrößern und die Verfügbarkeit von Geld für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien sicher zu stellen.“

Zwei wichtige positive Trends überwiegen gegenüber den negativen, zu diesem Schluss kommt der Bericht. Trotz der Verzögerungen in den UN-Klimaverhandlungen unterstützen die Politiker großteils die fortgesetzte Entwicklung der erneuerbaren Energien. Und der technische Fortschritt führt sowohl zu einer deutlichen Ausweitung der Leistungsfähigkeit erneuerbarer Energien als auch zu einer Kostenverringerung der Technologien; beide Faktoren verstärken sich wechselseitig.

„Die Ausweitung der erneuerbaren Energien ist für SEFEP von zentraler Bedeutung“, sagt Martin Rocholl von der Smart Energy for Europe Platform, SEFEP. „Dieser Bericht zeigt, dass wichtige Schritte gemacht wurden – aber auch, dass ohne eine langfristige Vision, politische Führung und eine auf Dauer angelegte Regulierung die gesetzten Ziele schwer zu erreichen sein werden. SEFEP wird weiterhin Brücken zwischen allen Teilen der Gesellschaft bauen, um die Unterstützung zu fördern für einen schnellen und effektiven Wandel hin zu einem großteils auf erneuerbaren Energien beruhenden Stromsektor.“

Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

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