Grüne Wolkenkratzer für Shenzhen

Im Jahr 2011 lebten in China erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. In der Folge werden Wohnflächen knapp, die Betonwüsten immer größer und größer und die Sehnsucht nach Natur und Grünflächen inmitten des Häuserdschungels ebenso. Das französische Architekturbüro Vincent Callebaut Architectures hat für die chinesische Millionenstadt Shenzhen ein interessantes Baukonzept für nachhaltige Hochhäuser entwickelt, die neben zusätzlichem Wohnraum auch viel Grün ins Stadtbild bringen.

Die Gedanken hinter dem Projekt mit dem Namen „Asian Cairns“ sind dabei so gut wie einfach. Erstens: Wenn es Platzmangel auf dem Boden gibt, muss man eben in die Luft ausweichen. Und zweitens: Um auch in urbanen Gegenden wieder natürlicher leben zu können, bringen die Landbewohner das Grün einfach mit in die Stadt. Die aus diesen Ideen entstandenen Häuser nennen sich „Farmscraper“, also Bauernhofkratzer und der Name ist Programm.

Urban Farming und Strom durch erneuerbare Energien

Die sechs Türme des nachhaltigen Wohnkonzeptes sehen aus wie übereinander gestapelte Kieselsteine und bieten viel Platz für Blumen, Bäume und Büsche. Nach den Vorstellungen von Vincent Callebaut Architectures können die Bewohner auf den Plattformen der Türme sogar Obst und Gemüse anbauen. Auch im Inneren der Farmscraper sollen rund 320.000 Quadratmeter viel Platz für Grünes bieten und die Verwendung von sehr viel Glas schafft eine angenehm helle und transparente Atmosphäre.

Auch für nachhaltige Energieerzeugung ist gesorgt: Neben einer Kombination aus Photovoltaikanlagen und Solarzellen sollen unzählige kleine Windkraftanlagen und Windrädern emissionsfreien Strom erzeugen und die Gebäude sogar energieautark machen. Kompostierbare Lebensmittel und Algentanks produzieren Biogas und die vielen Grünanlagen der „Asian Cairns“ verbessern die Luftqualität der Stadt. Da die Bewohner der nachhaltigen Türme in ihren Stadtgärten viele Nahrungsmittel selbst anbauen, entfallen außerdem Kosten, Abgase und Energie für Kühlung und Transport der Lebensmittel. Kurzum: Das Leben in den „Asian Cairns“ von Vincent Callebaut Architectures verbindet die Vorteile des Stadtlebens mit denen des Landlebens und könnte vielleicht tatsächlich eine Wohnform der Zukunft sein.

Zu einem nachhaltigen Wolkenkratzer namens „Strawscraper“ könnte übrigens auch der „Söder Torn“ inmitten von Stockholm umgebaut werden. Das schwedische Architekturbüro Belatchew will dem Gebäude tatsächlich Haare wachsen lassen: Unzählige flexible Polymerhalme mit piezoelektrischen Kernen sollen aus den Luftbewegungen Strom erzeugen.

Matthias Schaffer

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