Energiesektor wird reformiert

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Der Energiemarkt Großbritanniens steht vor dem größten Umbruch seit rund drei Jahrzehnten. Die britische Regierung will ab 2013 einen Mindestpreis für CO2-Emissionen sowie einen Einspeisetarif für CO2-armen Strom einführen. Gleichzeitig sollen bis 2025 aber auch rund 19 Gigawatt an neuen Nuklearkapazitäten ans Netz gebracht werden. Der Windenergieverband Renewable UK befürchtet, dass sich durch die Reform die derzeit attraktiven Rahmenbedingungen für Offshore-Windkraft verschlechtern könnten.

Mitte Dezember 2010 hatte das britische Energieministerium DECC einen Plan zur grundlegenden Reform des Strommarktes vorgelegt, die sogenannte „Electricity Market Reform“. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Strom-Mix soll von gegenwärtig rund acht auf mindestens 30 Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden.

Die nötigen Investitionen für den Bau neuer, CO2-armer Kraftwerke (zu denen neben Offshore-Windparks auch Atomkraftwerke gehören sollen) sowie die Modernisierung der Übertragungsinfrastruktur bis 2020 werden auf mindestens 130 Milliarden Euro geschätzt.

Basispreis für den Ausstoß von CO2

Grundidee der vorgelegten Reformpläne ist die Garantie eines Basispreises für den Ausstoß von CO2 („carbon floor price“), der die auf Kohlenstoff basierten Formen der Stromerzeugung im Vergleich zur Atomenergie und zu erneuerbaren Energien verteuern soll. Das System soll außerdem durch die Einführung eines Einspeisetarifs für Strom aus regenerativen Energiequellen ergänzt werden.

Die neuen Pläne der Koalitionsregierung aus Tories und Liberaldemokraten stellen somit eine Abwendung vom Credo der Vorgängerregierung dar. Die im Mai 2010 abgewählte Labour Party hatte stets betont, den Bau neuer Atomkraftwerke nicht durch staatliche Subventionen fördern zu wollen.

Endet der Boom bei der Offshore-Windenergie?

Die Vorstellung der geplanten Energiemarktreform rief im Vereinigten Königreich ein gemischtes Medienecho hervor. Eher kritisch bewertete der Windenergieverband Renewable UK die Reformpläne. Die Grundausrichtung der Reform sei zwar willkommen, allerdings würden die aktuellen Rahmenbedingungen auch in Bereichen verändert werden, die eigentlich funktionierten. Das (noch gültige) britische Subventionsmodell im Energiebereich, das den Bau von Offshore-Windenergieparks fördert, zählt aus Investorensicht zu den weltweit attraktivsten und hat einen Boom bei der Offshore-Windenergie ausgelöst. Damit könnte es nun bald vorbei sein.

Daniel Seemann

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