Gebäudesanierung mit Radiowellen

heruntergekommenes Haus; Foto: shutterstock

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) entwickeln gemeinsam eine Methode zur Sanierung von Gebäuden mittels Radiowellen. Damit soll es möglich sein, schnell, zeitsparend und zerstörungsfrei Baumaterialien zu sanieren.

Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden gehen normalerweise mit einem hohen Energieaufwand einher, beispielsweise die Trockenlegung von Gemäuern oder die Beseitigung von Schadstoffen. Nicht selten ist ein zumindest partieller Abriss und Neubau erforderlich. Forscher haben eine Methode zur Sanierung mit nur minimalem zeitlichen, energetischen und materiellen Aufwand gefunden.

Dabei kommen Radiowellen zum Einsatz. Die entsprechende Radiofrequenz-Technologie wurde ursprünglich von Wissenschaftlern des UFZ unter Leitung von Dr. Ulf Roland zum Einsatz in der Bodensanierung entwickelt – zur Reinigung kontaminierter Böden. Forscher der Fakultät Bauwesen der HTWK Leipzig untersuchen nun unter der Ägide von Prof. Dr. Detlef Schmidt die Einsetzbarkeit der Technologie im Bauwesen. Das Projekt „Innovation durch Einsatz der Radiowellen-Technologie im Bauwesen“ wird im Rahmen der Fördermaßnahme VIP des Bundesforschungsministeriums für Bildung und Forschung in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 1,35 Millionen Euro unterstützt.

Die direkte Erwärmung unterschiedlicher Materialien mit Mikrowellen ist nicht unbekannt und ein gängiges Verfahren in vielen Bereichen. Radiowellen hingegen sind längerwellig und dadurch in der Lage, tiefer ins Material einzudringen – diesen Umstand machen sich die Wissenschaftler zunutze. Sie haben die Radiofrequenz-Technologie für die Trockenlegung, Schadstoffbeseitigung und den Holzschutz in Gebäuden weiterentwickelt. Energie kann damit sehr effektiv an zu erwärmende Stellen etwa in Gemäuern gelenkt und den Materialien völlig unproblematisch Feuchtigkeit entzogen werden. Die Baustoffe werden dabei nicht beschädigt, was besonders für die Anwendung im Bereich Denkmalschutz interessant ist. Der Einsatz in unterschiedlichsten Materialien ist möglich, unabhängig von deren Feuchtigkeitsgehalt. Weiterhin könnte das Verfahren zum Entfernen von Salzen und Heizöl aus Gemäuern geeignet sein.

UFZ und HTWK arbeiten schon seit Jahren zusammen und greifen auf eine umfangreiche Expertise zurück. Untersucht wird künftig auch die chemikalienfreie Bekämpfung von Holzschädlingen. Geklärt werden soll zudem, wie die jeweiligen Materialien, beispielsweise Sandstein oder Beton, auf die Radiowellen reagieren: ob sie sich etwa gleichmäßig erwärmen oder ob Risse auftreten. An der HTWK Leipzig wird hierfür eine spezielle Versuchsanlage gebaut. Studierende können im Rahmen des Projektes Praxis- oder Abschlussarbeiten erstellen. Außerdem beinhaltet das Projekt ein Transferkonzept für die Wirtschaft.

Josephin Lehnert

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