Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Windkraftanlagen; Foto: shutterstock

Frankreichs langfristiges Energiekonzept sieht laut einem Umweltprogramm der Regierung bis 2020 einen Stromanteil von 23 Prozent aus regenerativen Quellen vor. Damit würde sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien verdoppeln. Der wichtigste Pfeiler im grünen Stromkonzept Frankreichs ist die Windkraft, deren Kapazität bis 2020 auf 25.000 Megawatt ansteigen soll, davon 6.000 Megawatt aus Offshore-Anlagen, die sich alle an der Atlantikküste befinden.

Es soll jedoch keine „anarchische“ Ausbreitung von Windrädern geben. Aus diesem Grund wurde die Mindestgröße von Onshore-Windparks auf fünf Windmasten sowie eine Mindestentfernung von 500 Metern zu Wohngebieten festgesetzt. Die jährliche Expansion der Landkapazität wurde auf 500 neue Windturbinen beschränkt.

Die Offshore-Windenergie soll im Jahr 2020 3,5 Prozent des nationalen Stromverbrauchs decken. Laut der Regierung erfordert dies Investitionen von zirka zehn Milliarden Euro verbunden mit der Schaffung eines bedeutenden neuen Industriezweigs. Die ersten Offshore-Windkraftwerke sollen Mitte 2015 ans Netz gehen.

Auch Meeresenergie und Photovoltaik spielen eine Rolle

Auch erneuerbare Meeresenergien spielen im Konzept der französischen Regierung eine Rolle. Verschiedene Technologien wie schwimmende Windenergieanlagen, Gezeitenströmungskraftwerke und Wellenenergie werden zurzeit erprobt. Ein erstes Meeresströmungskraftwerk wird momentan von EDF in der Bretagne mit einer Kapazität von vier bis sechs Megawatt erreichtet, das im Sommer 2012 ans Netz gehen soll.

Eine hohe Wachstumsdynamik zeigte in den letzten Jahren auch der Solarzweig. In der Photovoltaik verzehnfachte sich die Kapazität von 2008 bis 2010 auf 850 Megawatt. Das Umweltprogramm der Regierung sieht bis 2020 eine Kapazität von 5,4 Gigawatt vor. Im Dezember 2010 verfügte die Regierung allerdings eine dreimonatige Suspendierung des Netzanschlusses für Strom aus Solaranlagen. Hintergrund ist die ungebrochen hohe Dynamik der Branche, die gleichzeitig von sinkenden Materialkosten und einer höheren Produktivität profitiert.

Quotenregelung für die Solarbranche

Die Solarbranche ist entsprechend verunsichert, insbesondere die kleineren Unternehmen bangen um ihr Überleben. Allem Anschein nach favorisiert Paris nunmehr die Einführung einer Quotenregelung, die die installierte Kapazität pro Jahr auf 500 Megawatt beschränkt. Die bisher größte Solaranlage mit 700 Hektar und einer Kapazität von 261 Megawatt soll bei Beaucaire in der Region Gard entstehen.

Für den Zweig der Biomasse gilt, dass die Abfälle aus Haushalten sowie der Land- und Forstwirtschaft überwiegend zur Produktion von Wärme eingesetzt werden, während die Stromerzeugung aus Biomasse bisher nur zwei Prozent der erneuerbaren Energien ausmacht. Nach den neuen Zielvorgaben sollen im Zweig Biomasse/Biogas bis 2020 insgesamt 2.300 Megawatt elektrische Leistung hinzu kommen.

Daniel Seemann

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