Finnland entdeckt die Erneuerbaren

Windkraftanlage im Wald

In Finnland sollten eigentlich längst drei weitere Atomreaktoren ans Netz gehen. Doch Verzögerungen beim Bau und explodierende Kosten haben dies verhindert. Derweil entdeckt das Land sein Potenzial für erneuerbare Energiequellen.

Finnland ist abhängig vom Import fossiler Brennstoffe. Das skandinavische Land verfügt weder über Öl und Gas, noch über Kohle. Dazu kommt der hohe Energiebedarf energieintensiver Wirtschaftszweige des Landes wie die Papier- oder Stahlindustrie. Daher hat Finnland bei der Ein- und Ausfuhr von Energie traditionell ein hohes Handelsdefizit, das sich zuletzt mit den steigenden Weltmarktpreisen noch vergrößert hat.

Bisher auf Kernenergie gesetzt

Um die Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe zu verringern, hat Finnland in der Vergangenheit vor allem auf den weiteren Ausbau der Kernenergie gesetzt. Derzeit baut Finnland am Atomkraftwerk (AKW) Olkiluoto im Südwesten des Landes einen dritten Reaktorblock. Zwei weitere Meiler sind grundsätzlich genehmigt, zum einen für den neuen nordwestlichen Standort Pyhäjoki, zum anderen für einen vierten Block in Olkiluoto. Allerdings gestaltet sich die Fertigstellung problematisch.

Auf der einen Seite verzögert und verteuert sich der Bau des dritten Blocks in Olkiluoto erheblich. Dieser sollte ursprünglich 2009 ans Netz gehen. Mittlerweile gilt jedoch eine Inbetriebnahme 2015 sowie eine Verdoppelung der Kosten auf mehr als sechs Milliarden Euro als wahrscheinlich. Die Verzögerung wirkt sich auch auf den Bau des vierten Blocks aus, sodass Ende 2012 noch kein konkreter Zeitplan für dessen Errichtung vorliegt. Auf der anderen Seite hat sich die Realisierung des geplanten AKW in Pyhäjoki erschwert, seit der deutsche Energiekonzern Eon aus dem Projekt ausgestiegen ist. Dadurch ist die Finanzierung von rund sechs Milliarden Euro offen.

Geringe Bedeutung der Erneuerbaren

Eine grundlegende Umorientierung der finnischen Energiepolitik auf erneuerbare Quellen wird damit immer wahrscheinlicher. Und das aus gutem Grund: Wasser-, Wind- sowie die noch kaum genutzte Solarkraft sind reichlich vorhanden. Hinzu kommt die Möglichkeit, Abfall in Energie umzuwandeln. Finnland ist ein international erfolgreicher Hersteller von Biomassekraftwerken und könnte somit eigenständig Lösungen im Bereich der Bioenergie entwickeln.

Derzeit ist die Bedeutung erneuerbarer Quellen dennoch gering, mit Ausnahme der Biomasse, die im waldreichen Land traditionell eine wichtige Rolle spielt und aus der Finnland 2011 insgesamt 22,2 Prozent seiner verbrauchten Energie generiert hat. Weitere 3,2 Prozent haben die meist großen Wasserkraftwerke erzeugt. Auf nur 0,1 Prozent hat sich dagegen der Anteil der Windparks summiert. Andere Quellen wie Photovoltaik sind noch unbedeutender.

Kein politischer Energiekonsens

Das Potenzial für Windenergie wird in Finnland auf eine Gesamtkapazität von 8.900 Megawatt beziffert, 3.000 Megawatt davon offshore. Zwar hat sich die landesweite Stromerzeugung aus Windkraft 2011 von 294 Gigawattstunden im Jahr 2010 auf 483 Gigawattstunden und damit um 64 Prozent erhöht. Doch Ende des Jahres waren im ganzen Land nur Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 197 Megawatt installiert.

Für die Pelletproduktion existierten in Finnland 2011 insgesamt 21 Anlagen, die zusammen 457.000 Tonnen Pellets für die Verfeuerung in Blockheizkraftwerken im Jahr erzeugen. Im Kohlekraftwerk im Helsinkier Stadtteil Hanasaari wird eine teilweise Befeuerung durch Pellets getestet. Im Jahr 2015 will Helsinki über größere Biomasseinvestitionen entscheiden. Dennoch gibt es in Finnland für eine neue Energiestrategie bisher keinen politischen Konsens. Trotz seines Potenzials im Bereich der Erneuerbaren bleibt damit die Atomkraft die nach wie vor wichtigste Energiequelle.

Daniel Seemann

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